Rassismus-Debatte in Amerika: So geht's.

29. April 2014

Wenn während einer Stammtisch-Runde das Wort „USA“ fällt, kann man sich auf zwei Sorten von Kommentaren einstellen. Die einen vergöttern die Staaten, loben die Freundlichkeit der Bewohner und zeigen begeistert Fotos von Venice Beach oder der Brooklyn Bridge. Die anderen können die Weltmacht  nicht leiden, prangern das Gesundheitssystem an und zeigen auf die übergewichtigen Kinder. Aja, dann kommt selbstverständlich das Attribut „oberflächlich“, dass pauschal dem Amerikaner zugesprochen wird. Nach dem Motto: „Wieso grüßt er mich? Er kennt mi jo goa net.“

 

Donald Sterling (mitte) während eines Spiels der Clippers

„Du kannst mit Schwarzen schlafen.“

So gar nicht oberflächlich geführt ist die Rassismus-Debatte, die in den Staaten momentan hohe Wellen schlägt. Der Hintergrund: Der Präsident des Basketballvereins LA Clippers, Donald Sterling, hat in einem Telefongespräch mit seiner Freundin Vanessa Stiviano rassistische Aussagen getätigt: „Du kannst mit Schwarzen schlafen, du kannst tun, was immer du willst. Das Wenige, was ich von dir verlange, ist, dass du das nicht öffentlich präsentierst“ Auslöser dieses rassistischen Rundumschlags soll ein Foto Stivianos mit Basketball-Legende Magic Johnson gewesen sein. Pikant: Die meisten Star-Spieler der „Clippers“ wie Chris Paul, DeAndre Jordan oder Jamal Crawford sind schwarz. Ja, selbst der Coach, Doc Rivers ist schwarz. Also genau jene Menschen, die Sterling nicht bei Spielen sehen will. (UPDATE: Sterling wurde von der NBA zu einer lebenslangen Sperre und der Geldstrafe von 2.5 Millonen Dollar verdonnert)

Schwarze Socken

Die USA-Skeptiker werden sich bestätigt fühlen. Struktureller Rassismus, moderne Sklaverei, Riesenkluft zw. Arm und Reich. Bemerkenswert ist aber die öffentliche Reaktion: Die Spieler der Clippers traten im Play-Off-Spiel gegen die Golden State Warriors mit schwarzen Socken, Armbändern und verdecktem Team-Logo auf. Der MVP und Superstar der Liga Lebron James sieht für Sterling „keinen Platz in der NBA“, genauso wie Clippers-Kapitän Chris Paul und der neue NBA-Kommissionär Adam Silver, der von verstörenden Aussagen sprach und sofortige Ermittlungen versprach. Ehemalige Spieler, TV-Experten, ja sogar Präsident Obama mischte sich in die Debatte ein. Während eines Staatsbesuchs in Malaysia, meinte er lakonisch: „Wenn ignorante Menschen ihre Ignoranz zur Schau stellen wollen, musst du nichts machen außer sie reden zu lassen.“

 

Ich frage mich: Wie sähe die Reaktion in Österreich, in Europa aus? Wir Europäer, die Hüter des Humanismus, die Aufklärer, die mit der jahrtausendlangen Geschichte.

 

LeBron James: "Sterling hat keinen Platz in der NBA."

Bier, Bananen und Bajonetten

Die N-Sager des Andreas Mölzer haben nur deswegen Konsequenzen, weil der einschlägig bekannte Mölzer Spizenkandidat zur EU-Wahl war und Strache gerne aus dem rechten Eck raus möchte. Am Stammtisch ist das Wort ganz hoch im Kurs, ganz knapp hinter „A Bier“ und „Zwa Bier“. Wir tollen Europäer, die die militante „Jobbik“-Partei in Ungarn höchstens als „Problem“ bezeichnen, aber keine Konsequenzen folgen lassen. Wir Humanisten und Fußballkenner, die sich vor der Islamisierung fürchten und bei jedem Match rassistische Beleidigungen und Bananenwürfe als fußballtypisch abstempeln. (Drogba, Eto’o oder Alves, der die Banane gleich aufaß)

 

Mein Europa - gar nicht so "awesome"

Wir können die Amis weiterhin kritisieren, als oberflächliche „Awesome“-Sager abtun aber auch etwas vom Multi-Kulti-Staat USA abkupfern. Dort werden solche rassistischen Vorfälle sofort auf die Tagesordnung gebracht und aufs Schärfste verurteilt. Bei uns sind es nur aufopfernde NGO’s und „Sprachpolizisten“, die den kleinen Mann angeblich den Mund verbieten wollen. Wenn ihr glaubt, dass ich alles schwarzmale und wir in einer toleranten Gesellschaft leben: Wendet euch bitte an den Kamerun-stämmigen Journalisten Simon Inou – der hat schon genug Hassbriefe beisammen, um ein Buch veröffentlichen zu können. Eine kurze Leseprobe: "Alaba ist und bleibt ein ausländer. pass hin oder her. das papier ändert seine hautfarbe und herkunft nicht. "

 

Mein Europa, mein Österreich – gar nicht so „awesome“.

 

Foto_Sterling: c04 / Zuma / picturedesk.com

Foto_James:  DAVIS TURNER / EPA / picturedesk.com

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