SAY MY NAME: Warum Ibrahim jetzt Martin heißt!

29. März 2010

Ibrahim, Jugoslav und Małgorzata zu heißen ist in Österreich nicht leicht. Warum man hier leider besser mit deutschen Namen davon kommt, erzählen Betroffene.

Von Ivana Martinović und Lucia Bartl (Fotos)

Ibrahim hat mehr Tennisschüler seit er Martin heißt. Niemand lacht mehr über Jugo seit er sich Andi nennt. Teo geht zu Vorstellungsgesprächen, die er als Cihan nicht bekommen hätte. Und Małgorzata hat mit Margit einen Namen, den Österreicher auch tatsächlich aussprechen können. Alle vier haben ihren Namen geändert, weil das leichter ist, als Vorurteile zu ändern.
Einfach war es trotzdem nicht. Den Tennislehrer Martin kennt im Fitness-Center jeder. Ein Österreicher? So schaut er gar nicht aus. Eher wie ein Türke, denken sich wohl viele Leute. Er ist tatsächlich Türke und hieß früher Ibrahim. Anfangs wollte er nur sehen, ob er mehr Tennisschüler bekommt, wenn er sich anders nennt. Was er ahnte, trat dann aber auch ein. Ein Martin kommt halt besser als ein Ibrahim. Letztlich änderte Ibrahim seinen Namen auch am Papier. Er ist in Österreich nicht allein mit seiner Entscheidung.


Kein Jugo mehr
Als der Staat Jugoslawien noch existierte, waren viele stolz auf ihr Land. Mittendrin wurde ein Junge geboren, dem von seinem Vater der Name Jugoslav verpasst wurde. Blöd nur, dass es zum Krieg kam und aus Jugoslav ein Kroate wurde, der für die junge, ebenso stolze Nation nun aber den falschen Namen trug. Mit acht Jahren kam er nach Österreich. In der alten Heimat nannte ihn seine Familie noch liebevoll Jugo. In Österreich wurde Jugo zum Schimpfwort. In der Schule war es besonders schlimm. Jugo oder Scheiß-Jugo? Er verlor den Überblick. „Ich wusste nicht, ob ich gerufen oder beschimpft wurde. Deshalb hab ich manchen Mitschülern auf die Fresse geschlagen“, erinnert sich Jugo. Mit18 Jahren hatte es Jugo satt, wegen seines Namens blöd angemacht zu werden und änderte ihn. Nun heißt er Andreas und lässt sich Andi rufen. Beschimpft wird er mit dem Namen nicht mehr.


Ein Name zum Bewerben

Teoman Tiftik
Foto by Marko Mestrovic

Cihan (ausgesprochen: Dschihan) wurde in Wien als Sohn türkischer Einwanderer geboren. Kein Österreicher konnte sich seinen türkischen Namen richtig merken, geschweige denn aussprechen. „Zichan“ oder „Tschichan“ riefen ihn die Leute oder ließen den Namen überhaupt beiseite. Kindheit, Jugend, immer dasselbe. Mit 18 Jahren wartete dann die Berufswelt auf den jungen Mann. Bewerbungen mussten geschrieben und Personalchefs überzeugt werden. Und Cihan merkte, dass er mit seinem Namen auf Vorurteile stieß. Eines Abends setzte er sich ans Internet und suchte nach türkischen Namen, die auch österreichisch klingen. „Mir war wichtig einen Namen zu finden, der eine starke Bedeutung im Türkischen hat, aber für die Österreicher leicht zu merken ist“, sagt er. Kurt (auf Türkisch „Wolf“) stand zur Auswahl. Zu altmodisch, dachte sich Cihan.

Teoman („Vater der hunnischen Türken“) sprach ihn schon mehr an. Abgekürzt auf Teo wäre er für die Nicht-Türken wohl keine Hürde mehr. Er ging zu seinen Eltern und sagte, dass er sich neben seinem Geburtsnamen einen zweiten zulegen wollte. Die Namensänderung am Magistrat war kein Problem. Nur das Einreichformular kostete 13 Euro. Die teure Bewilligung konnte er sich sparen. Gründe für eine kostenlose Namensänderung gab es zuhauf. Da reichte schon das Lexikon, das er von seiner Nachbarin zum Geburtstag bekommen hatte. Wieder einmal war der Name falsch geschrieben. Im frisch gemachten Führerschein steht schon der neue Name. Die Zeugnisse aus der Schule ließ sich Teo neu ausstellen. Für die Berufswelt eben. Und er bereut es nicht, den Schritt gemacht zu haben. Für die Türken bleibt er Cihan, für die Österreicher Teo. Und jetzt können sie sich seinen Namen auch merken.

Schön, aber unaussprechlich

Als sie zur Welt kam, taufte sie ihre Mutter Małgorzata (ausgespr. Maugoschata). Der zweite Name war Aleksandra. Ihre Oma mochte den Namen Małgorzata nicht, also nannten sie alle „Ola“ (eine Kurzform von Aleksandra). Als der Schuleintritt bevorstand, mussten sie ihre Eltern auf den echten Namen umgewöhnen. Die erste Namensänderung - eine inoffizielle. Wenn die Eltern die Namen doch verwechselten, gab’s ein Zuckerl zur Belohnung. 1990 kam sie nach Österreich und stellte sich immer als Małgorzata vor. „Mein Name war schwierig zum Aussprechen und Merken“, erzählt sie. „Also sagte ich immer dazu, dass man mich „Margit“ nennen konnte. Das war einfacher. Ich wollte einen kurzen und einfachen Namen. „Margit“ ist international.“ Den Beschluss, den Namen auch amtlich zu ändern, fasste sie 1996. Sie hatte schon die österreichische Staatsbürgerschaft und ging wählen. Der Beamte im Wahllokal machte eine abfällige Grimasse, als er den Namen verlas. „Wos is des?“, brummte er in einem unfreundlichen Ton. „Scho wieder a Ausländer“, sagte er zwischen den Zeilen. „Manchmal sehne ich mich nach meinem alten Namen, weil ich ihn sehr mochte“, sagt Margit. „Aber es macht die Dinge in Österreich einfacher, es ist bequemer.“ Margit hofft auf bessere Zeiten. Österreich mache große Geschäfte in Osteuropa, da werde die richtige Aussprache der Namen der Geschäftspartner wichtig. Außerdem wachse jetzt die zweite und dritte Generation der Migrantenkinder heran. Die Behörden werden lernen müssen, ihre Namen richtig auszusprechen.
 

Auch ich hab’s gemacht:

BZÖ-Politiker Peter Westenthaler – ehemals Peter Hojač:
„Ich habe meinen Namen bereits 1984 als Schüler ändern lassen, weil meine Eltern vor der Scheidung standen und ich auf der Seite meiner Mutter stand, die Westenthaler geheißen hatte. Die Namensänderung war aus rein privaten Gründen.“

János Aladár Fehérváry – Mitherausgeber von Chilli.cc:
„Als Journalist oder als Privatperson gebe ich ab und zu bei telefonischen Anfragen die deutsche Version meines Namens an: Johann von Weißenburg. Erfahrungsgemäß wirst du viel schneller weiter verbunden oder bekommst die erforderliche Info. Beim ausländischen Namen kommen viel ablehnendere Reaktionen.“

Alexis Neuberg – Radio Afrika:
„Hab den Nachnamen geändert. Der Grund ist eine lange Geschichte. Ich sag nur „Integration'"

Bereich: 

Kommentare

 

super artikel

 

Seinen Namen zu ändern nur weil es schwer zu merken bzw aus zu sprechen ist , ist für mich einfach unnötig und schwachsinnig , es gibt immer einen weg dem dir gegenüber klar zu machen wie du heisst und wie man sich den Namen gut merken kann, und außerdem kann man viele blöde witze & schmäh´s machen , logischer wäre es für mich wenn man in seiner Jugend einen blödsinn angestellt hat und nachher einfach keine "probleme" haben möchte , wie schaut es eigentlich mit den Menschen aus die nicht von ihren Eltern den Namen bekommen haben etc ,.. haben die sich dann selbst einen neuen Namen gegeben ? imho - In my honest opinion ...

 

wenn man selbst nicht mit dem eigenen Namen zufrieden ist, kann es leicht zu einem Erhängniss werden. Ich glaube da auch an große psychische Schäden..! Also ehrlich gesagt habe ich mir das auch schon öfters überlegt, da es früher nicht erlaubt gewesen war kurdische Namen zu vergeben in der Türkei.. Aber sich den Namen zu ändern weil er für andere schwer ist kurzgesagt wegen anderen ist überflüssig!! Vorallem wenn man in ein anderes Land zieht und sich sowieso integriert aber sich den Namen auch noch zu verändern damit er Inländisch ist, führt meiner Meinung nach zu einer Asimulation..!

 

lG,
die Rechtschreibpolizei ;)

 

also...ich habe mir meinen Namen gemerkt - und weiß auch wie man ihn ausspricht...

die Anderen - die es nicht können - können es lernen...

 

ach halb so schlimm
wenn ich meinen namen zehn mal sagen muss, sag ich einfach innherhalb von 3 sekunden "Dora Ida Zepelin Dora Anton Richard Emil Viktor Ida Cesar" Easy oder?

 

...viele nachnamen. und so deutsch...

 

ja, weil Ösis es auch nach 100-jährigem K&K Balkan-Imperialismus nicht behirnen können, muss man es ihnen noch immer buchstabieren - ich mein, wir reden ja hier nicht von indischen Namen, sondern immerhin vom Balkan.

 

dieses problem kenne ich auch aus dem freundeskreis.
viele haben es in österreich schwer mit ihren namen, die nicht österreichisch klingen.
es kann doch nicht sein, dass man seinen namen ändern muss, damit man in österreich anerkannt wird bzw. einen guten job bekommt.
in welchem jahrhundert leben wir.
ich frage mich, wo es auf der welt sonst noch so ist, dass man seinen namen ändern muss, damit man in diesem land berücksichtigt wird.

 

niergens sonst auf der Welt ist das so. Selbst im kommunistisch-kapitalistischen China nicht.

 

das ist echt absurd!

 

in der schweiz sind namensänderungen von ausländern noch gängiger, weil die leute es dort noch schwerer haben, wenn sie als ausländer geoutet werden.

 

Producer du hast vollkommenr recht !!!!

Hat schon mal wer versucht sich indische Namen zu merken?
... das ist vielleicht schwer" ... aber aus Respekt vor seinem Gegenüber tut man sich die Mühe an - sich die Namen andere Menschen zu merken, diese richtig auszusprechen und auch lernen richtig zu schreiben und dass bitte ohne zwanghafter "Eindeutschung". Weil eine Namensänderungen hat noch niemanden zu einem besseren Menschen gemacht.

Ich verstehe auch nicht was die Ösis für ein Problem mit dem Balkan-Hatschek haben, waren schließlich lange genug am Balkan um zu behirnen wie mans richtig schreibt, ohne irgendwelche verdeutschten Abwandlungen in tsch, cz, cs.

Diese arrogante Ignoranz zipft mich an.

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