Schülermeinung von Tobias: Wir werden für unseren Fleiß bestraft

28. Mai 2020

Mein Name ist Tobias Fastl und ich bin 15 Jahre alt. In meiner Erzählung möchte ich allen Lesern zeigen, dass die Jugend von heute nicht faul zu Hause sitzt, sondern mit allen Kräften die ältere Generation unterstützt.


Newcomer

Ich lebe mit meiner um ein Jahr jüngeren Schwester in einem nicht allzu großen Zimmer, was echt nervt, da sie ein Mädchen ist. Im Nebenzimmer sind meine Eltern und das nervt auch. Jeden Tag um ca. sieben Uhr stürmt mein Vater das Zimmer und weckt mich auf. Gezwungenermaßen muss ich dann auch aufstehen. Ich quäle mich hoch und halte Ausschau nach meinem Handy, um mir schon wieder die nächsten Aufgaben anzusehen. Und siehe da: Englisch, Mathe und Kreative Erziehung sind schon im Klassenforum, wo uns die Lehrer jeden Tag neue Aufgaben hineinschreiben.

Gießen, Einkaufen, Hausübungen

Ich gehe wie betrunken aus meinem Zimmer und wandle verschlafen ins Badezimmer. Dort wartet meine Mutter schon und will, dass ich die Wäsche aufhänge, das Geschirr abwasche, während sie in der Arbeit ist. Ich sag meistens nur „jaja“, obwohl ich mir denk: „Alter, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Was glaubst du? Dass ich etwa den ganzen Tag Computer spiele?“ Nach dem kleinen Diätfrühstück – seit Corona mache ich eine kleine Diät, sonst würde ich vor lauter Frustessen schon längst explodieren - mache ich meine morgendlichen Hausübungen. Um ca.14 Uhr kommen schon die nächsten Hausübungen. Noch vor dem Mittagessen schickt mein Vater mich ganz hektisch zum Einkaufen, da meine Mutter vergessen hat, eine Zutat für die geplanten Spaghetti einzukaufen. Also jogge ich zum Lidl nebenan und kaufe die gewünschte Zutat. Wenn ich dann zu Hause bin und die falsche gekauft habe, kann ich mir einen Vortrag anhören und es umtauschen gehen. Ich wünschte, es wäre ganz schnell wieder Schule. Am besten den ganzen Tag, jeden Tag. Kurz nach dem Essen muss ich entweder meine Mutter abholen, die beim Merkur arbeitet, oder ich erledige die Aufgaben, die sie mir aufgetragen hat. Als ich ganz erschöpft und fertig bin, ruft mein Vater schon. Ganz gehetzt lauf ich zu ihm und frag, was los sei. „Gar nichts“, er brauche nur Wasser zum Gießen SEINER Balkonpflanzen. Also gehe ich wieder und wieder mit der Gießkanne hin und her. Nach einer Weile sagt er dann endlich stopp. Ichsetzte mich eine EINZIGE Minute hin und schon fragt er mich, ob ich nicht genug Aufgaben hätte, anstatt faul rumzusitzen.

Ich will endlich wieder in die Schule!

Also gehe ich genervt meine neuen Aufgaben machen. Was steht heute am Plan? Berufskunde: ätzend. Deutsch: langweilig. Danach darf ich mit Glück vielleicht eine Stunde in den Park, wobei meine Schwester mitgeht, was mich nicht so freut. Und ich als „großer“ Bruder muss noch aufpassen, damit sie keinen Scheiß baut. Ihr müsst wissen, meine Schwester liebt es, Scheiße zu bauen. Kaum sind wir wieder zu Hause, muss ich meine Mutter, wenn sie Abenddienst hat, abholen, weil sie SCHON WIEDER so viel eingekauft hat. Wenn das nicht der Fall ist, darf ich die Lieblingsmusik meines Vaters ertragen. Modern Talking! Juhu!

Wenn ich dann endlich um 22 Uhr schlafen gehen kann, bin ich so geschlaucht, dass ich sofort einschlafe und am nächsten Tag der ganze Spaß von vorne anfängt. Ich weiß nicht, was alle glauben. Ich bin kein Roboter. Ich bin keine Maschine. Ich habe Gefühle und ich habe nur eine gewisse Energie. Und die Lehrer? Die wollen immer nur das Beste vom Besten von mir. Ich sitze nicht vorm Computer oder bin den ganzen Tag mit Social Media beschäftigt, so wie sie das glauben. Ich habe ein eigenes freies Leben und seit dieser Virus da ist, sind alle ganz deppat geworden. Ich will leben und nicht als Sklave in jede neue Situation hineingestoßen werden. Ich wünsche mir, dass sich mal die älteren Generationen in uns hineinversetzen können. Dann und wirklich erst dann, wird vielleicht einmal die Jugend respektiert, für das, was sie eigentlich alles macht.

 

Tobias Fastl ist 15 Jahre alt und geht in die Klasse F4 der Polytechnischen Schule Pernerstorfergasse.

 

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