SOLIDARITÄT: NUR EIN TREND?

04. Juni 2021

Abstand halten und Maske tragen - Solidarität wurde in der Pandemie immer und immer wieder gepredigt. Vor allem uns Jugendlichen: Wir tragen schließlich die Verantwortung gegenüber den Älteren. Doch mit der Impfung scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass aufeinander weiterhin geachtet werden soll. Jugendliche leiden besonders stark unter dem Lockdown und den Beschränkungen. Wenn ich Freund*innen frage, haben wir alle dasselbe Gefühl: Wir verlieren gerade einen Teil unserer Jugend. Die Zeit, in der ich mich so viel verändere und Erfahrungen und Eindrücke sammeln sollte, verbringe ich überwiegend zu Hause. Aber jammern bringt nichts. Erstens befinde ich mich in einer äußerst privilegierten Situation und zweitens gibt es keinen Ausweg. Wir müssen uns und unsere Mitmenschen schützen, damit unser Leben so schnell wie möglich zur „Normalität“ zurückkehrt.

Obwohl es auch zu schweren Verläufen bei der jüngeren Generation kommen kann, wird immerzu betont, dass wir als Gesellschaft vor allem auf die Älteren aufpassen müssen. Noch vor einem Jahr zeigte man Solidarität durch das Minimieren von sozialen Kontakten. Mittlerweile haben wir eine angenehmere und effizientere Möglichkeit: die Impfung. Doch mir kommt vor, dass viele Erwachsene vergessen, dass sie in dieser Pandemie auch eine Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen haben. Wieso müssen Jugendliche auf die älteren Generationen Rücksicht nehmen, aber umgekehrt gilt das nicht? Mit der Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, gefährdet man nicht nur sein eigenes Leben. Schulkinder, beispielsweise, können sich noch nicht impfen lassen – ihre Lehrer*innen aber schon. Dass Jugendlichen am Schluss geimpft werden, ist nachvollziehbar und ich will mich keinesfalls vordrängen. Es bleibt uns, während wir auf unseren Termin warten und Jahre unserer Jugend „verlieren“, nichts anderes übrig, außer zu hoffen, dass die Erwachsenen in unserem Umfeld uns auch schützen wollen. Deswegen ist meine Bitte: Hört nicht jetzt auf solidarisch zu sein. Einfach den zugeteilten Termin abwarten und impfen gehen.

Zoe Kujawa ist 16 Jahre alt und besucht das Wiedner Gymnasium.

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