Summer School: Kein Mensch kann eine ganze Gruppe repräsentieren

10. August 2022

von Banan Sakbani

 

„Fühlst du dich eigentlich wohl bei uns in Österreich?“, fragte mich einmal eine Freundin. Ich bin gebürtige Syrerin und lebe seit vier Jahren in Wien. In Österreich hatte ich es in den ersten zwei Jahren nicht einfach. Erst nach dem Erlernen der deutschen Sprache ging es mir besser. Heute kann ich diese Fragen beantworten, denn ich verstehe sie endlich!

 „Darfst du eigentlich auf Partys, ohne Alkohol zu trinken? “ „Habt ihr Fernseher oder Internet in Syrien?“ Sogar, ob wir dort maturieren, wurde ich schon einmal gefragt. „Wieso trägst du eigentlich kein Kopftuch, wenn du Muslima bist?“ „Betest du fünf Mal am Tag?“ „Ist das Fasten nicht so anstrengend?“ Diese Fragen wurden mir schon so oft gestellt. 

Nicht die Hauptdarstellerin des Islams

Diese kommen aus Vorurteilen in der Gesellschaft. Ich beantworte sie sehr ungerne. Denn oft kommen sie mir wie ein Angriff vor. Als würden sie behaupten, dass wir Menschen mit Migrationshintergrund ignorant sind.

Sehe ich eigentlich so aus, als wäre ich die Hauptdarstellerin des Islams? Ach quatsch, kann ich ja gar nicht sein, denn ich bin eine Frau. Frauen werden im Islam, wie wir wissen, unterdrückt. Wir gehorchen ja den Männern und dürfen nicht laut werden. Außerdem ist die Stimme einer muslimischen Frau tabuisiert, nicht? All das durfte ich mir anhören. Ich bin keine Stellvertreterin des Islams. Kein Mensch kann eine ganze Gruppe repräsentieren und für sie sprechen. Kein Mensch kann für eine Allgemeinheit verantwortlich gehalten werden.

Banan
Summer School Teilnehmerin Banan Sakbani (19)

Keine Stempel

Wenn meine Freunde scherzen, sagen sie mir immer: „Haram“. Wenn ich beispielsweise schimpfe. Mich provoziert das so sehr. Denn sie wissen nichts vom Islam und niemand hat mir vorzuschreiben, was Haram und Halal ist. Außerdem sind Wörter wie Haram, Mashallah und Inshallah nicht mit „Oida“ oder „Leiwand“ gleichzusetzen. Ich finde das so absurd wie sie zum Teil der Jugendsprache angehören und in banalen Kontexten verwendet werden – teilweise in jedem zweiten Satz.

Der Islam ist eine Religion und keine Identität. Ich bin in erster Linie Ich. Ein Teil sein. Dazugehören und sich anpassen. Sind alles Integrationskonzepte. Der Islam darf zu keinem Stempel werden. Eine emanzipierte und alle respektierende Frau bin ich, die kulturelle Unterschiede zu schätzen weiß. Unser Schubladendenken braucht Schonung. Menschen sind keine Farben oder Zahlen, die wir irgendwo einordnen können. Wir haben ein mächtiges Denken und sind in erster Linie unterschiedliche Persönlichkeiten und Menschen. Vielfältig und offen sollten wir sein. Das ist nicht Haram! 

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