Vizeleutnant liebt Rekrut

20. Oktober 2022

Luka Dimić verkörpert in David Wagners Film „Eismayer“ den Bundesheer-Soldaten Mario Falak, der eine Liebesbeziehung zum berüchtigten Vizeleutnant Charles Eismayer begann. 

Interview: Nada El-Azar-Chekh

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"Eismayer" startet am 28. Oktober 2022 in den österreichischen Kinos. ©Golden Girls Film


BIBER: Der Film beruht auf der wahren Liebesgeschichte zwischen dem berüchtigten Ausbildner Charles Eismayer zum Rekruten Mario Falak. Wie war die Begegnung mit den beiden in der Vorbereitung für den Dreh?

Luka Dimić: Anfangs war ich unschlüssig, ob ein reales Treffen mit den beiden den Mario Falak, wie ich ihn aus dem Drehbuch kannte, limitieren könnte. Es hat mir aber geholfen, den Umgang zwischen den beiden besser zu erfassen. Im Nachhinein konnte ich durch das Treffen auch besser verstehen, wie das Militär und die strenge Gleichschaltung dahinter eine Fassade ist, die im Privaten dann fällt.

Beim Heer erwartet man ja sowieso keinen Kuschelkurs im Umgang. Hast du selber Wehrdienst geleistet? Wie bereitet man sich auf dieses harte Umfeld in einer Kaserne als Darsteller vor?

Ich bin kroatischer Staatsbürger und während des Jugoslawienkriegs aufgewachsen. Als Betroffener hatte ich immer große Angst vor Krieg, Soldaten und vor allem vor der Vorstellung, zu dienen. Mein Vater ist nämlich Serbe und bei mir schwang immer eine Panik mit, eingezogen zu werden. Was würde passieren, wenn die anderen erfahren, dass mein Vater ein Serbe ist? Davor hatte ich Angst. Insofern ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, als der Wehrdienst nach meinem Studium abgeschafft wurde. Für die Vorbereitung auf den Film hat unser Regisseur David organisiert, dass wir fast 14 Tage im Bundesheer verbringen, dort Übungen machen und die Rekruten kennenlernen konnten. Ich war gleichermaßen beeindruckt und beängstigt von dieser Energie, die entsteht, wenn man in der Gruppe marschiert und Lieder singt.

Mit dem wienerischen Dialekt hast du dich in „Eismayer“ vor allem über Worte wie „Tschusch“ vertraut machen müssen. Wie hast du dir die Sprache angeeignet?

Ich war zwei Jahre lang am Theater der Jugend in Wien und meine Eltern leben in Bayern. Ganz fremd war mir der Dialekt also nicht. Tatsächlich habe ich aber auch mit einer Sprachcoachin gemeinsam am Dialekt gearbeitet – und ich hoffe, dass das Publikum in Wien nicht zu hart zu mir ist. (lacht)

Die Trauung des realen Paares Eismayer-Falak in einer Wiener Kaserne 2014 war ein großer Schritt für mehr Akzeptanz, vor allem im Bundesheer. Vergangenes Jahr hast du dich selbst gemeinsam mit mehr als 185 Personen aus Theater-, Film-, und Medienbranche innerhalb der großen „Act out“-Aktion geoutet. Warum war dir das wichtig?

An der Schauspielschule habe ich schon von manchen Dozenten gehört, dass mein Spiel „zu weich“ sei und ein „richtiger Mann“ irgendwas so nicht sagen würde. Unsere Vorstellungen über Geschlechter sollten wir langsam in den Keller packen und als schwuler Schauspieler wird man oft stigmatisiert. Mit einer großen Gruppe von 200 Leuten das Outing zu machen hatte eine besondere Kraft. Es war mir wichtig zu zeigen, dass wir einfach so viele sind. 

In letzter Zeit kreist in der Filmbranche öfter die Debatte, ob etwa Cis-Männer Transgender-Rollen annehmen sollten. So bereut Eddie Redmayne, dass er seine oscarprämierte Rolle in „The Danish Girl“ nicht einem transsexuellen Darsteller überlassen hat. Was sind deine Gedanken dazu? Sollten Heterosexuelle keine Homosexuellen spielen?

Ich persönlich finde, dass Schauspiel ein Beruf ist, in dem man vorgibt etwas zu sein, das man nicht ist. Heterosexuelle sollten Schwule spielen können, aber das bedeutet auch, das ich als Homosexueller auch mal den Frauenverführer spielen können sollte. Die Realität sieht leider noch immer anders aus, aber wir bewegen uns langsam in die richtige Richtung. 

 

Kinostart: 28. Oktober 2022

 

Wer ist er?

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©Einbrandfoto

Name: Luka Dimić
Alter: 35 Jahre
Geboren in: Sarajevo
Fun fact: Blättert gerne in Zeitungsprospekten.

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