WIESO WIR SCHULE NEU DENKEN MÜSSEN

04. Juni 2021

Ich habe die letzten zwölf Jahre meines Lebens in der Schule verbracht und habe gerade meine Matura gemacht. In dieser ganzen Zeit war ich wie viele andere Schüler*innen Beobachter. Ich habe beobachtet, wie unser Schul- und Bildungssystem funktioniert und in meinem Alltag mitbekommen, wo seine Schwächen liegen. Nach zwölf Jahren kann ich leider sagen, dass es ziemlich viele sind. Nur in Ausnahmefällen sind diese jedoch auf die einzelnen Lehrer*innen zurückzuführen. Viel mehr liegt es am System und daran, was wir lernen, aber auch daran, wie wir lernen. Nicht selten sind wir mit Fragezeichen in der Klasse gesessen, ohne zu wissen, wieso der vorgetragene Stoff jetzt nochmal genau wichtig für uns sein soll.

Auf der anderen Seite haben wir uns oft gewundert, wieso unsere Schulbücher die Themen, die uns selbst am meisten beschäftigt haben, auslassen. Diskussionen zu Sexismus, Rassismus oder der neusten Innenpolitik fanden deswegen in den Pausen statt. Wenn es dann doch anders war, lag es am Engagement einzelner Lehrer*innen, die aktuelle Themen aufgearbeitet haben, um sie mit uns im Unterricht zu besprechen. Leider lässt der sehr enge Lehrplan dafür aber oft keinen Platz. Noch weniger Platz wird jedoch für die individuellen Bedürfnisse einzelner Schüler*innen gelassen. Und auch hier liegt es wieder nicht an der fehlenden Bereitschaft der Lehrer*innen, sondern an der Art und Weise, wie Schule konzipiert ist. Alle sollen einen gewissen Standard in jedem Fach erreichen und das am besten noch ohne dabei mehr Unterstützung, die über den bloßen Unterricht hinausgeht, zu verlangen. Das führt dazu, dass ein großer Teil meiner Mitschüler*innen privat Nachhilfe in Anspruch genommen hat oder Unterstützung von zu Hause benötigte. Es ist deshalb notwendig, das Konzept Schule neu zu denken. In dieser Debatte braucht es vor allem viele verschiedene Schüler*innen am Tisch, die über ihre Wünsche und Ideen, aber auch Probleme und Hürden, die ihnen im Schulalltag begegnen, reden.

Lorenz Füsselberger ist 18 alt und besucht die GRG15 auf der Schmelz.

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