Bin ich die Quoten Migrantin* der LSV?

Divers. Anders. Nicht zugehörig. Das ist das, was die Protagonisten*innen dieser Geschichte teilen. Erfahrungen, Erlebnisse, die sie der simplen Tatsache verdanken, dass sie nicht der österreichischen Norm entsprechen. Aber aufzugeben und wegzuschauen kommt für sie nicht frage. Denn sie alle teilen die Meinung, dass Wegschauen und sich selbst auf Flugmodus stellen nicht die Problematik löst.

Sihaam Abdillahi, 16, Landesschulvertreterin*

Landesschulvertretung (aka LSV) ist die überschulische landesweite Vertretung und repräsentiert alle 240 000 Schüler*innen Wiens, allerdings fehlt in der Repräsentation der Schüler*innen die Diversität. Es ist allseits bekannt, dass jede*r zweite Wiener*in einen Migrationshintergrund hat, allerdings ist die Anzahl der Person of Color (aka POC) in der LSV derart gering, dass ich mich erzürnt fragte, warum denn?  Die eigene Vertretung der Schüler*innen reflektiert nicht die Vielfalt der Schülerin*innen Wiens. Aber was heißt eigentlich Diversität?

Emmeraude, der seine Wurzeln in Kongo hat und Absolvent der HTL Donaustadt und jetzt ehemaliger Landesschulvertreter* ist, sagt, Diversität heißt für ihn Vielseitigkeit. Diversität heißt für ihn, dass ein Anteil von allen oder von vielen Gruppen dabei sind, damit meint er beispielsweise, dass sie für die LSV kandidieren. Repräsentative Rollen müssen von der Diversität geprägt sein.

Emmeraude Banda, 21, ehemaliger Landesschulvertreter*
Emmeraude Banda, 21, ehemaliger Landesschulvertreter*

Pascal, der halb Südkoreaner* und halb Deutscher* ist und der Schulsprecher* in der AHS Albertgasse ist, seine Ansicht zu dieser Frage ist, „Diversität heißt für mich, dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Aussehen und Sexualität sich hier wohlfühlen, dass alle Gruppen repräsentiert werden und vor allem gehört werden.“

Pascal Unger, 16, stv. AHS- Landesschulsprecher*
Pascal Unger, 16, stv. AHS- Landesschulsprecher*

No Representation, deshalb keine Poc- Lehrer*innen?

Junge Kinder mit Migrationshintergrund werden aus gesamten Branchen ausgeschlossen, weil niemand wie sie dort „typisch“ ist. Als ich diesen Satz hörte, erinnerte ich mich an meine eigenen Ziele, die ich mal hatte. Ich wollte einst Lehrer*in werden, aber da ich keine Religionslehrer*in sein wollte, sondern viel lieber Geschichte unterrichten würde, gab ich diesen Traum auf. Ich sehe niemanden der wie ich aussieht, niemand mir bei meinen Problemen helfen würde und dieses Gefühl hatte ich immer und habe ich immer noch in der Schule. Wie soll ich mit Non-Poc Lehrer*innen über die Leiden des nicht dazugehören sprechen, würden sie mich überhaupt verstehen? Wenigstens eine*r, hätte die Zeit in der Unterstufe um so vieles erträglicher gemacht, dachte ich mir. All dies löste diese eine Satz in mir aus und deshalb schilderte ich Pascal diesen Satz und er sagte, dass es eine nicht zu leugnende Tatsache ist, dass Menschen mit einen Migrationshintergrund es systematisch schwerer haben in Führungsrollen zu kommen und ich fügte hinzu, nicht nur das sondern auch, dass, obwohl wir im 21. Jahrhundert leben eine POC- Lehrer*in immer noch ein Unikat ist und insbesondere ein BPOC- Person. 

Warum kämpfst du?

Weshalb kämpfen wir, warum haben wir uns an die Aufgabe des Repräsentierens herangewagt? Emmeraude sagte, dass es mehr Diversität braucht, mehr POC´s in der LSV braucht. Für ihn war das klar und deshalb kandidierte er und deshalb inspirierte er mich immer wieder mir seinem Mindset. Pascal meinte, dass er kandidierte, weil das Bildungssytem nicht da ist, wo es sein könnte und man etwas verändern kann. Ich kandidierte, weil ich am eigenen Leib erlebt habe, was Diskriminierung mit Schüler*innen machen kann, das Gefühl der Verzweiflung und die brausende Wut, weil man nicht verstanden wird. Allerdings hatte ich das Privileg, dass ich starke Menschen, wie meine Mutter als Vorbild habe und konnte so mich aus dieser Dunkelheit und die Wut die mein Herz infizierte befreien, aber, weil dies nicht immer allen gelingt, wollte ich eine Rolle einnehmen in dem Schüler*innen sehen, dass sie nicht alleine sind und dass wir zusammen kämpfen. Abschließend möchte ich in Pascals Worten sagen  speak up for those who can´t. 

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