Darf man als Feministin Yung Hurn hören?

Mein Guilty Pleasure, also wenn man etwas gern hat, aber eigentlich nicht mögen sollte, ist Deutschrap - es gibt schlimmeres, oder? Die einzige Person, die es stört, dass ich im Bus immer auf voller Lautstärke Yung Hurn oder Haftbefehl höre, ist doch nur die ältere Dame, die neben mir sitzt und den Bass aus meinen Kopfhörern hören kann. „Es ist Donnerstag und ich kauf mir nix, es ist Donnerstag, ich fick eine Bitch“, eine meiner Lieblingszitate aus Yung Hurns „Ok cool“, dass ich auf der einen oder anderen Feier schon laut mit gegrölt habe, ohne viel darüber nachzudenken.

Schon lange wird um Yung Hurn oder den Deutschrap allgemein debattiert. Die meisten Songs in diesem Genre sind gespickt mit ein bisschen Frauenfeindlichkeit hier, ein wenig Gewaltverherrlichung da, es gibt also ganz schön viel zu kritisieren. Weil Yung Hurn vor Kurzem die Festwochen in Wien eröffnet hat, ist diese Diskussion noch einmal neu aufgeflammt, so dass auch ich endlich von ihr Wind bekommen habe.

Wenn ich jetzt meine Freundinnen frage: „Ist es nicht eigentlich voll problematisch Yung Hurn zu hören?“, dann bekomme ich keine klare Antwort. Die meisten sagen, dass sie die Lieder sowieso nur ironisch mögen, dass Künstler wie er sich doch eigentlich nur lustig machen über andere Deutschrapper, die wirklich sexistisch sind und dass er all diese Texte schreibt, um unserer Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.

„Kleine Bitch reitet so wie ein Pony“, singt er und wir feiern ihn dafür. Und ich gebe zu, meistens, wenn meine Mutter sich wieder bei mir beschwert, dass ich diese furchtbaren Lieder höre, dann bringe ich die gleichen Argumente wie meine Freundinnen. Trotzdem fühlt es sich wie eine dumme Ausrede an. Kann ich meine Moral und meine Werte einfach so aus dem Fenster schmeißen? Ich will nicht wissen, wie viele junge Mädchen Deutschrap hören und glauben, dass es normal ist, wenn Männer so abwertend mit ihnen reden.

Und vielleicht macht Yung Hurn es ja doch alles nur ironisch und das mit dem Spiegel stimmt wirklich. Neulich hat er einen neuen Song herausgebracht, in dem er singt: „Sie schreiben in der Zeitung, Yung Hurn du bist so schlecht, ich glaub sie haben recht, weil alles in der Zeitung steht, das ist ja wirklich wahr“ und es klingt fast so, als stemple er damit seine KritikerInnen ab oder belächelte sie: Du verstehst meine Kunst, meine Ironie nicht?

Oder vielleicht rechne ich ihm zu viel an und er ist einfach ein beleidigter Sexist. Egal was es ist, ganz los werde ich von meiner guilty pleasure nie kommen und ältere Damen und Herren müssen im Bus von meiner viel zu laut aufgedrehten Musik wahrscheinlich weiterhin belästigt werden, aber natürlich nur ironisch!!

Isabella ist 17 Jahre alt und besucht das Akademische Gymnasium in Wien.

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