Der Letzte Österreicher

In den letzten Jahren habe ich aus unterschiedlichen Gründen mehrere Schulen besucht. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Anteil “echter Österreicher“ in den Klassen immer kleiner wird.

Anfangs bin ich, wie so viele andere, den meisten Klassenkollegen mit Migrationshintergrund aus dem Weg gegangen. Denn sowohl in meinem Kindergarten als auch in meiner Volksschule waren überwiegend Kinder ohne Migrationshintergrund. Daher hatte ich keine Berührungspunkte mit Menschen die anders aussehen oder deren Namen anders als meiner kleinen. Schon der Wechsel von der Volksschule zur Unterstufe warf mich in eine Klasse mit über 50% Migrantenanteil. Der erste Schultag war eine Katastrophe für mich. Es war lauter als sonst, die Lehrpersonen konnten die Klasse nicht bändigen.

In den ersten Wochen bin ich allen, die mir anders vorkamen, systematisch aus dem Weg gegangen und habe sie keines Blickes gewürdigt. Auf der Kennenlernwoche war ich dann allerdings „gezwungen“ auch mit Menschen außerhalb meiner Blase zu interagieren. Ich wurde mit zwei Menschen mit Migrationshintergrund in ein Zimmer gesteckt. Je mehr ich mich mit meinen Mitbewohnern beschäftigte, desto besser wurde unser Verhältnis. In einer Nacht haben wir uns entschieden “Blinde Kuh“ zu spielen und haben gemeinsam gelacht, bis eine Lehrperson in unser Zimmer kam und uns zusammengestaucht hat. Wir haben uns die Rücken gestärkt, anstatt einzelne Personen zu beschuldigen, was aus meiner Erfahrung nicht selbstverständlich ist. Dennoch waren mir nach der Woche noch immer nicht alle Klassenkameraden geheuer. Mit den Jahren die ich an der Schule verbracht habe, änderte sich mein Verhalten den anderen gegenüber jedoch und ich traue mich zu sagen, dass ich mich am Ende mit allen halbwegs gut verstanden habe. In der HTL wurde der Anteil an Österreichern mit Migrationshintergrund nochmal größer. Durch meine Erfahrungen in der Unterstufe hatte ich diesmal größtenteils auch keine Probleme mit meinen Klassenkollegen und fand einige Freunde unter den Mitschülern mit Migrationsgeschichte, während die „Problemkinder“ dieser Klasse allesamt gebürtige Österreicher waren.

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