Verhütungsmittel und Kosten reimen sich nicht.

Eine Packung Kondome: zirka 10 Euro. Anti-Baby-Pille: bis zu 15 Euro. Kupferspirale: 400 Euro. Hormonspirale: 500 Euro. Sterilisation für Frauen: mehr als 1.000 Euro. Verhütungsmittel und insbesondere die wirksamsten haben sich in Österreich über die Jahre hinweg zur Luxusware entwickelt und die Kosten werden nicht von der Krankenkasse teilweise oder ganz übernommen.

Die Preise schwanken bei verschiedenen Verhütungsmitteln extrem.
Die Preise schwanken bei verschiedenen Verhütungsmitteln extrem.

Die Kosten für Verhütungsmittel sind eindeutig für viele in Österreich ein Problem. Es wird geschätzt, dass jährlich 20.000 bis 30.000 Schwangerschaftsabbrüche stattfinden (Standard 2013). Der Grund meistens: mangelnde oder nicht funktionierende Kontrazeption. Der Verhütungsreport von 2019 bringt hervor, dass der finanzielle Aufwand für Verhütungsmittel in Österreich zu Disparitäten je nach sozialer Gruppierung führen. Personen mit Migrationshintergrund führten zu 6% die Kosten als Grund an, warum sie nicht verhütet haben. ÖsterreicherInnen hingegen gaben dies nicht als Begründung an.

Doch es geht auch anders. Belgien will Verhütungsmittel sowie die Pille und die Spirale für Frauen in prekären Situationen gratis machen. Dieser Gesetzesentwurf ist auf die ökologische Partei Ecolo und die christlich-demokratische Partei CD&V zurückzuführen. Ecolo geht dabei besonders auf die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen ein: Kosten für Verhütungsmittel seien dabei ein kontribuierender Faktor. Außerdem soll mit diesem Gesetz die Anzahl ungewollter Schwangerschaften bei jungen Frauen zurückgehen. Es handele sich hier um ein Zeichen Solidarität von der belgischen Regierung an die weibliche Bevölkerung.

Das kann Österreich auch!

Es ist definitiv an der Zeit, dass sich die jetzige Situation verändert. Frauen sollten nicht aufgrund der Kosten der Kontrazeption auf diese verzichten und das Risiko laufen, ungeplant schwanger zu werden. Es wird vermutet, dass ein erleichterter Zugang zu Verhütungsmittel durch eine Verminderung oder gar Auflösung der Kosten die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche um 10.000 im Jahr reduzieren könnte. Ein solcher Entschluss wäre insbesondere für Jugendliche und Menschen in finanziell schwächeren Verhältnissen eine bedeutende und genötigte Unterstützung. Um, so wie Belgien, Solidarität für Frauen zu zeigen in einem Kampf gegen ein weit verbreitetes Problem. Denn Verhütungsmittel und Kosten reimen sich nicht.

Nora ist 16 Jahre alt und besucht das Lycée Français de Vienne. 

 

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