Ein Stück aus meinem Herz.

Ich bin sehr froh, dass ich nach Österreich gekommen bin. Ich bin halb Kurde, halb Türke – ich bin in der Türkei geboren, aber habe dann in Syrien gelebt. In Syrien bin ich auch in die Schule gegangen. Es war dort sehr schwer. Wenn man keine Hausübung hatte, wurde man sehr stark mit einem Holzstück geschlagen. Der Lehrer nahm manchmal seinen Patschen und warf ihn nach den Schülern – es war nicht so wie hier in Österreich, hier macht das kein Lehrer, das finde ich toll. Die Schule in Syrien dauerte auch länger als hier. Dort war ich auch etwas aggressiv, ich wurde beschimpft, weil ich Kurde bin – deshalb hatte ich so ziemlich jeden Tag Schlägereien. Aber als ich nach Österreich gekommen bin, hat sich alles geändert. Hier in meiner Klasse kommt jeder aus einem anderen Land – und meine Lehrer und Lehrerinnen haben mir geholfen, deutsch zu lernen. Das werde ich nie vergessen. Am Anfang war ich aber sehr schlecht und dachte mir, ich werde es nicht schaffen. Eine Lehrerin und ein Lehrer haben mir gesagt, dass ich nie aufgeben soll. Und wegen dieser schönen Wörter habe ich die Klasse geschafft. Und jetzt bin ich in der dritten Klasse Hauptschule. Ich werde nie aufhören. Ich habe hier viele Freunde gefunden. Meine besten Freunde heißen Daniel und Dejan  – wir spielen gemeinsam Fußball. Sie sind wie meine echten Brüder für mich. Mein Traum ist es, dass ich ein professioneller Fußballspieler werde. Ich möchte für die Österreichische Mannschaft spielen.

Ich will nicht heiraten – kein Bock. Jeden Tag würde meine Frau mich fragen, wo ich war, ob ich mit Mädchen unterwegs war, und das würde mir nur Kopfschmerzen bereiten. Ich würde lieber mit meinen Freunden wohnen. Wir haben eine Idee für unsere Zukunft: Wir fangen mit YouTube an und machen Gamingvideos. Aber es wird am Anfang schwer sein. Aber wir werden nie aufhören. Und wir werden auch unser Lieblingsauto kaufen. Mein Lieblingsauto ist ein Mustang GT – er kostet 170.000 Euro. Aber mir ist das egal - ich werde es kaufen. Ich habe noch was vergessen: mein Lieblingslehrer ist Herr Prokob. Er ist wie ein Stück aus meinem Herz. Leider kann er dieses Semester nicht in die Schule kommen, weil er einen ganz kleinen Sohn bekommen hat und sich jetzt um ihn kümmern muss. Aber er kommt im Februar zurück. Ich freue mich schon sehr auf ihn – ich kann dank ihm so gut Fußball spielen, er war der Fußballtrainer unserer Schule. Ich hoffe, dass ich einmal wie er werde. Das ist mein Ziel.

 

Mustafa ist 13 Jahre alt und besucht die NMS Herthergasse.

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