Liebe Patrioten und Hobby-Xenophoben!

Liebe verängstigte Patrioten und Hobby-Xenophoben!

Als besorgte Wienerin muss ich Sie über eine große, ausländische Bedrohung informieren.

Sie dachten vielleicht schon die Kopftuchträger wären das Schlimmste, doch nun hat sich eine neue Bedrohung in Ihrem schönen Land der Berge ausgebreitet. Eine Bedrohung die schwer mit dem freien Auge zu erkennen ist: Versteckte Ausländer.

Hoffentlich lösen die nächsten Zeilen bei Ihnen keinen Panikanfall aus, deshalb sollten patriotische Urösterreicher mit schwachen Nerven lieber nicht weiterlesen. Jedoch muss ich Ihnen sagen, dass nun auch Migrantenkinder unter uns leben, die sich über die Generationen angepasst haben und nun nicht mehr wie solche aussehen mögen, Ihnen vielleicht sogar in perfektem Deutsch ‚Guten Tag‘ wünschen oder sogar ein fehlerfreies ‚Grüß Gott‘ rausbringen. Es könnten die sein, von denen man es am Wenigsten erwartet. Sie stehen für Sie auf und bieten Ihnen ihren Platz in der Bim an oder halten Ihnen lächelnd die Türe auf.

Aber wie soll man diese ‚getarnten Migranten‘ erkennen? – Da bieten sich mehrere Möglichkeiten an: Zuerst könnten Sie ganz freundlich nach dem Namen fragen und wenn die Person einen Zungenbrecher-Namen mit Lauten, die Sie noch nie gehört haben, hat, suchen Sie lieber das Weite. Noch radikaler – aber auch effektiver – sind jedoch die Rassismus- und die Turbofolk-Methode.

Bei der Turbofolk-Methode müssen Sie sich nur Jugo-Lieder (bestenfalls ein Stück mit viel Akkordeon) raussuchen und leise abspielen. Sogar viele Migranten, die nicht aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, kennen mit großer Wahrscheinlichkeit das Lied und summen mit. Achtung bei dieser Methode, denn Turbofolk-Lieder können leicht Ohrwürmer werden und Sie wollen doch keine Tschuschn-Musik hören oder sogar mögen.

Die Rassismus-Methode hat eine besorgte Urösterreicherin vor einiger Zeit bei mir ausprobiert und mich so erfolgreich als Ausländer-Kind entlarvt (also sehr erfolgversprechend!): Wenn das nächste Mal eine Person Ihnen den Sitzplatz überlässt oder Sie grüßt, verwickeln Sie sie in ein Gespräch und werfen dann eine anscheinend ausländerfeindliche Frage oder Aussage in den Raum, beispielsweise ‚Wie ist es mit so vielen Ausländern zusammen zu arbeiten?‘ oder ‚Die deppatn Tschuschn nehmen uns die ganze Arbeit weg!‘ würden sich anbieten. Wenn ein zustimmendes Nicken kommt, können Sie erleichtert aufatmen, aber sollte die Person sich als ein leibhaftiger Tschusch outen, wenden Sie sich lieber ab (Achtung hierbei: Einige ihrer Mitösterreicher könnten Ihnen ebenfalls wiedersprechen, also Achtung vor Hippies und Kommunisten). Sie können aber auch einfach zwei kleine Sätze sagen, die Sie sicher aus dieser peinlichen und fremden Situation retten: „Du sprichst aber ganz normal Deutsch!“ und „Geh zurück in dein Land!“ – zwei Klassiker, die Migranten lieben und Sie als weltoffenen, aber besorgten Österreicher präsentieren.

Vergessen Sie also nie: Ausländer sind überall und verbreiten sich schneller als Sie denken. Sogar die Blonden und Blauäugigen gehören bereits zu uns. Also halten Sie sich an meine Tipps um die Gefahr gekonnt zu entlarven.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Sarah Nadj (stolzes Jugo-Kind)

Sarah Nadj besucht die 7. Klasse des Bernoulligymnasium

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