Tätowiert und stolz drauf!

 

Ich habe mich mit 15 tätowieren lassen. Zu jung findet ihr? Nein, in einem Monat kommt schon das nächste Tattoo.

Viele meiner Freunde wünschen sich ein Tattoo, besitzen aber keines. Der Grund dafür ist nachvollziehbar: Ihre Eltern möchten nicht, dass das „Peckal“ ihnen ihre Karrierechancen verbaut. Mein Vater vertritt genau das Gegenteil. Er hat selbst seinen halben Körper tätowiert und ist stolz darauf. Trotzdem verknüpfte er meinen Wunsch mit zwei Bedingungen. Ich darf es nicht an einer sofort sichtbaren Stelle tragen und meinen Mathe-Nachzipf bestehen.  Das war damals im Sommer 2014.

Nach bestandener Matheprüfung zählte ich aufgeregt die Tage runter. Am 1. November war es dann so weit. Wir gingen zu einem Freund meines Vaters, der zuhause ein Tattoo-Studio hat. Ich hatte schon den ganzen Tag Bauchweh und mir war schlecht. Die normale Nervosität halt. Aber der Tätowierer hat mir die Angst genommen, denn er war sehr offen und ziemlich lustig. Mein Vater war zum Glück beim tätowieren nicht mehr dabei, er musste zu einem Fußballspiel. Er redet immer soviel und macht mich noch mehr nervös. Als dann der Tätowierer die Maschine eingeschalten hat, bin ich fast ausgerastet. Ich sah zum letzten Mal auf meinen nackten Oberschenkel.

Während des fünfstündigen Stechens habe ich mir Horrorfilme angeschaut. Dazu gehören „Silent Hill“, „The Cabin in the Wood“ und „Mama“. Ich konnte mich aber sowieso nicht darauf konzentrieren. Das zeichnen der Linien war ertragbar, die Schattierung aber sehr schmerzhaft. Als wir dann fertig waren, war ich wirklich erleichtert. Zu früh gefreut! Der  nette Tätowierer haute mir mit seiner Riesenhand auf das frischgestochene Tattoo. Aus Spaß, hat er gemeint. Ich fands weniger lustig.

 

Dann kam auch schon mein Vater und hat sich das gleiche Motiv stechen lassen.  Das gehört zu unserer familieninternen Abmachung. Ich war mittlerweile acht Stunden beim Tätowierer und freute mich endlich raus zu kommen. Ich habe an dem Abend bei meinem Freund geschlafen. Natürlich war das Tattoo Thema Nr.1 beim Abendessen. "Das ist ja zu groß. Haben das deine Eltern erlaubt?", fragten mich meine zukünftigen Schwiegereltern. "Natürlich, sie haben mich sogar dabei unterstützt." Und deswegen liebe ich meine Eltern, weil sie mit mir über alles reden und keine großen Freunde von Verboten sind. Aja, in einem Monat gehts wieder auf die Liege. Bauch und Knöchel sind als nächstes dran, um verschönert zu werden. Ich kanns kaum erwarten!

Zur Autorin: Barbara Janine geht in die 2 Klasse der Höheren Bundeslehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik, Michelbeuern.

Tattoo
Janine Salenka

Kommentare

 

Woow! Hast du echt gut gemacht. Der Artikel ist voll interessant! smiley

 

Lässiger Daddy. Willst du dir genauso viele Tattoos wie er stechen lassen oder ist nach dem Bauch und Knöchel Schluss?

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