Vom Kaff in die Millionen Metropole

Mein Leben in Wien an einer Schule unterscheidet sich immens zu dem, was ich davor aus einer Schule in Eisenstadt gewohnt war. Nachdem ich die Unterstufe bestanden hatte, ging es für mich weiter in eine höhere Schule nach Wien. Ich fahre täglich von meinem Wohnort nach Wien und zurück. Das Blöde: Nach Wien fahren pro Stunde sogar ganze zwei Züge. In Wien selbst eröffnen sich dann allerdings andere Welten. In meinem ersten Jahr in Wien war eine der größten Herausforderungen für mich, sich mit dem Öffis und vor allem U-Bahnnetz vertraut zu machen. Ich wusste wie ich zum Hauptbahnhof komme und vom Hauptbahnhof zu meiner Schule - alles andere blieb für mich aber ein Mysterium. Auch die Gestaltung der Mittagspausen unterscheidet sich. Während es in Eisenstadt einen Bäcker in der Nähe gab, der in der Mittagspause zum Zielort von ganzen Schüler-Karawanen wurde, hat man in Wien die Qual der Wahl was man zu Mittag essen möchte. Allerdings gibt es noch einen wesentlich wichtigeren und spannenderen Punkt, der mein Schulleben in Wien, von dem in Eisenstadt abhebt. Meine ehemalige Klasse bestand aus zweiundzwanzig katholischen Schülerinnen und Schülern. Wenn man in meiner alten Klasse einen anderen Religionsunterricht besucht hat, dann war damit höchstens der evangelische Unterricht gemeint. Ein behütetes Nest, mitten in Eisenstadt, allerdings fernab von jeder Realität.
Ich hatte bis zu meinem Schulwechsel nach Wien nie Kontaktpunkte mit anderen Kulturen oder Religionen. Dinge wie Rassismus oder Diskriminierung gab es in „meiner“ Welt nicht, es war nur etwas, das weit in der Vergangenheit zurück liegt. Von dem man mal im Geschichteunterricht hört, aber wovon heutzutage keine Menschen mehr betroffen sind. Für mich war der Schulwechsel mehr als nur eine örtliche Veränderung, mehr habe ich die „wirkliche“ Welt kenngelernt. In meiner neuen Klasse gab es auf einmal Schülerinnen und Schülern mit einer anderen Religion, die aus anderen Kulturen oder Ländern kamen und zum ersten Mal wurde mir klar, mit wie vielen Vorurteilen ich eigentlich gelebt habe. Ich dachte, sie wären ganz anders wie ich und man hätte überhaupt keine Gemeinsamkeiten. Ich dachte sie würden gar kein Deutsch sprechen und würden nur mit Leuten aus ihrer eigenen Kultur befreundet sein. Anfangs war deshalb die Skepsis meinerseits noch groß, aber nach und nach konnte ich meine Vorurteile ablegen. In Wien konnte ich also nicht nur mein schulisches Wissen erweitern, sondern auch mein Weltbild.

Victoria ist 17 Jahre alt und besucht die BAfEP.

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