Sommerferien in Afghanistan

Meine Eltern kommen aus Afghanistan, das letzte Mal war ich 2012 dort. Diesen Sommer fliegen wir erneut nach Afghanistan. Das Land, das ihr nur aus den Kriegsberichten kennt, ist meine Heimat.

Vor zwei Jahren im Winter war ich das erste Mal in Kabul, Afghanistan. Als ich dort landete, war ich echt aufgeregt, wie dort alles live ausschauen würde. Es war ein Schock. Überall nur Staub und Sand, keine frische Luft wie hier in Europa. Überall arme Menschen mit ihren Kindern auf der Straße, jede Minute habe ich amerikanische Soldaten mit ihren Panzern gesehen. Ich konnte nicht glauben, dass das mein Heimatland ist. Das alles sogar noch schlimmer aussieht als im TV. Klar gibt es auch schöne Landschaften, aber in der Stadt ist es die Katastrophe. Dort gibt es keine Verkehrsregeln. Dort fährst du einfach irgendwie. Ich weiß noch wie mein Onkel meinem Vater erklärte: „Wenn du hier so fährst wie in Österreich, dann baust du sofort einen Unfall!“ Und die Polizisten sind ganz anders als in Österreich. Sie sagen: „Fahr weiter, du Hurenkind“ oder „Bist du behindert?“, „Was glaubst du, wer du bist?“ Die Kinder betteln überall auf der Straße, verkaufen ständig Sachen wie Luftballons oder Schwämme damit sie irgendwie Geld verdienen. Es bricht mir das Herz, dass die armen Menschen nicht beachtet werden.

Keine Parks, dafür Angst

Diesen Sommer werde ich wieder nach Afghanistan fliegen. Einerseits freue ich mich zwar meine Familie wiederzusehen, doch andererseits habe ich wirklich keinen Bock dorthin zu fliegen. Und dann noch im SOMMER. Im Sommer gibt es meistens Magen-Darm - Viruse und es ist drückend heiß. Mit heiß meine ich jetzt nicht wie in Österreich, dass es 30 Grad hat. Nein, dort kann es bis zu über 40 Grad haben. Meine Mutter meinte, dass wir dort eh nur zwei Wochen verbringen, aber ich halte es dort nicht einmal einen Tag aus. Wenn mir langweilig ist, kann ich nicht rausgehen. Wohin soll ich schon gehen? Es gibt dort kaum Shopping Centren, keine Parks, keine Cafés.

Als Jugendliche dort zu leben, ist furchtbar. Die Mädchen in meinem Alter können nicht einfach alleine auf die Straße gehen, sie haben Angst, entführt zu werden. Als wir am Flughafen waren, und es plötzlich hektisch wurde, haben alle geglaubt, es ist etwas passiert, ein Selbstmordanschlag. Meine Mutter hat zu Gott gebetet, dass nichts passiert ist und wir alle sicher nach Wien zurückkehren können. So war es dann Gott sei Dank auch. Doch Selbstmordattentate gehören zum Alltag in Afghanistan.  In Kabul haben wir noch Glück, in den Provinzen passiert täglich ein Unglück, wie ihr alle über die Nachrichten mitkriegt.

Heimat bleibt Heimat

Ihr seht das alles nur in den Nachrichten und euch kommt das auch weit weg vor, doch es ist mein Heimatland. Ich kenne mich dort sehr gut aus , weiß, wie die Leute dort leben. Trotz allem freue ich mich meine Familie wiederzusehen. Ich werde es dort schon irgendwie aushalten.

Afghanistan, Sommer, Hitze
GHULAMULLAH HABIBI / EPA / picturedesk.com

Lena Gharwal ist 14 Jahre alt und besucht die dritte Klasse der NMS am Leipziger Platz.

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