Chicagos Bürgermeisterin Lightfoot gibt Weißen keine Interviews

21. Mai 2021

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Chicagos Bürgermeisterin Lori Lightfoot
Foto © Nuccio DiNuzzo _AP _picturedesk

Lori Lightfoot bringt frischen Wind aus der „windy-city“ Chicago: Sie gibt an ihrem zweiten Jahrestag im Amt nur „nicht-weißen“ Journalist*innen Interviews. Damit sorgt die Bürgermeisterin nicht nur für Aufsehen, sondern setzt ein starkes Statement für mehr Diversität in den Medien. Sie selbst ist Afroamerikanerin und seit Jahren entsetzt darüber, wie „weiß und männlich“ die Medienbranche ihrer Stadt ist. Das schreibt Lightfoot in einem Brief an die Medien, in dem sie ihre Aktion erklärt. Sie weist besonders stark auf die Situation im „eigenen Haus“, dem Rathaus, hin. Hier sind nur wenige Journalist*innen „of color“, also afroamerikanisch, latino-stämmig, mit asiatischen Wurzeln oder Nachfahren von Ureinwohner*Innen, tätig. Im gesamten Presseteam ist außerdem nicht eine einzige nicht-weiße Person tätig. „Keine einzige. Ich finde das inakzeptabel, und ich hoffe, Sie sehen das auch so.“

Um die Frage vorwegzunehmen: Aber ist das dann nicht umgekehrter Rassismus? Nein, verdammt, ist es nicht. Ich selbst bin eine österreichische Weißbrot-Journalistin. Und wisst ihr was? Ich feiere die Aktion der Bürgermeisterin von Chicago, ich finde das großartig! Aber sollte ich mich durch diese Aktion nicht eigentlich unfair behandelt, bedroht oder benachteiligt fühlen? Und wieder: nein, verdammt. Es ist einfach nicht genug, einmal im Solidaritätsschwall ein schwarzes Quadrat irgendwo zu posten und dann nie wieder darüber zu sprechen, dass es nun einmal Fakt ist, dass People of Color in unserer Kultur benachteiligt sind, diskriminiert werden. Dass sie es sind, die unfair behandelt werden, in fast allen Bereichen der Gesellschaft, aber besonders im Journalismus.

Wie kann mich diese Ungerechtigkeit nicht wütend machen, obwohl ich selbst es nie ganz nachvollziehen werden können, nachvollziehen werde müssen? Wie können wir uns nicht dafür schämen, uns „homo sapiens sapiens“, den weisen, weisen Mensch zu nennen, wenn wir uns so grundlegend deppert verhalten und derart benachteiligende Strukturen nicht nur aufbauen, sondern auch noch fördern? Die Welt braucht mehr Lori Lightfoots, mehr Menschen die sich sowas trauen.

Und noch eine Frage zum Schluss: Wie würde sich denn eine solche Aktion, wie die von Bürgermeisterin Lightfoot, hier in Österreich umsetzen lassen? Das wäre dann wahrscheinlich eine biber-exklusiv-Veranstaltung.

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