Die Eva und ihre Ausländer

21. Juli 2015

Bereits im Volksschulalter hat sich meine Familie über meine Emotionalität bei Diskussionen zum Thema „Ausländer“ gewundert. Als ich dann mit 22 Jahren meiner Familie meinen neuen Freund, den Pakistani, vorstellte, merkten sie, dass es mir ernst war mit diesem Thema.

Damit euch das Ausmaß dieser Geschichte bewusst wird, muss ich euch die  Rahmenbedingungen schildern. Ich bin in einem 2.000-Seelen-Dorf in der Oststeiermark aufgewachsen und habe dort, mit ein paar Intermezzos im Ausland, bis zu meinem 25. Lebensjahr mein Dasein gefristet. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Heimat, mein Elternhaus, die Gegend und habe dort bis heute meine besten Freunde. Doch als weltoffene, liberale Frau hat man es dort bei Gott nicht leicht. Eingebettet in einer liebenden Familie, die sich aus SPÖ-Stammwählern mit durchaus rechtem Gedankengut, ehemaligen ÖVP-Vizebürgermeistern, und mit der FPÖ liebäugelnden Wechselwählern zusammensetzt, bin ich mit meinen Argumenten gegen Rassismus und für Integration und Multikulturalität meistens auf Granit gestoßen. Auch wenn mit meiner Ausbildung und meinem Studium meine Argumente sattelfester wurden, höre ich bis heute oft seufzend von meinem Gegenüber: „Die Eva und ihre Ausländer."

Integration auf Steirisch

Doch was meine Familie noch mehr an ihre Grenzen stößen lässt, ist meine Vorliebe zu Männern mit dunklerer Hautfarbe, am besten mit arabischer Abstammung. Wohl gemerkt suche ich mir diese Männer nicht bewusst aus. Man munkelt ja, dass Männer aus dem arabischen Raum die eine oder andere Schwäche für große, blonde Frauen wie mich haben. Und da ich eine Schwäche für dunkle Männer mit überdurchschnittlicher Leidenschaft und Körperbehaarung habe, trifft sich das ganz gut.

Zu gerne hätte ich das Gesicht meines Papas gesehen, als ich ihm am Telefon das erste Mal von meinem neuen Freund, dem Pakistani erzählte. Mein Papa, ein grundsätzlich sehr lieber Mensch, stellt prinzipiell mal alle Personen, deren Nachnamen nicht auf –er enden oder Tiernamen sind, unter Generalverdacht. Dementsprechend fieberte ich dem ersten Kennenlernen entgegen. Vollkommen umsonst, wie sich herausstellte: Mein Papa entpuppte sich als Schaf im Wolfspelz. Er versuchte auf eine ganz entzückende Art und Weise sich mit der Hilfe von wilden Gesten und ein paar Fetzen Englisch mit meinem Herzbuben zu unterhalten und ließ keine Gelegenheit aus, ihm Alkohol einzuflößen – Integration auf Steirisch sozusagen. Das kleine idealistische Mäderl in mir machte Luftsprünge. Gibt es doch noch Hoffnung für die Menschheit?

Leider war die Beziehung nicht von allzu langer Dauer und als ich meinem Papa von der Trennung erzählte, war er zwei Tage danach nicht erreichbar. Lasst es mich so sagen: Er hat die Trennung gebührend gefeiert. Als ich ein paar Jahre später meiner Familie von meinem neuesten Lebensabschnittspartner erzählte, war die Spannung groß. Natürlich ließ ich seine Herkunft, Bosnien und Herzegovina, nicht unerwähnt.Umso größer war die Verwunderung innerhalb meiner Familie, dachten doch alle, dass meine letzte Beziehung mit dem „Ausländer“ nur eine Flause, eine Jugendsünde war. Auch wenn sie ihn ganz gern mochten, hatten sie sich doch einen adretten Steirerbursch mit Lederhosen und anständigem Beruf erhofft.

Vielleicht doch ein Steirerbursch?

Stattdessen tanzte ich mit einem arbeitslosen Bosnier mit Vollbart an. Doch auch bei diesem Kennenlernen schlug sich meine Familie wieder überraschend gut. Papa machte Witze auf seine Kosten und aufgrund des Alkoholeinflusses beiderseits schienen auch Berührungsängste wie weggeblasen. Es wurde gelacht, eingeklatscht und geherzt. Wenig später gab ich bekannt, dass ich mich von besagtem Mann getrennt habe. Die Bestürzung innerhalb meiner Familie hielt sich wieder wie erwartet in Grenzen.

Allmählich war ich selbst soweit, dass ich dachte, eine Beziehung mit einem Steirerbursch aus der Nachbarortschaft wäre vielleicht zukunftsfähiger. Jemand aus dem gleichen kulturellen und sprachlichen Kontext, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich, würde mich vielleicht besser verstehen.

Und der nächste "Ausländer"

Doch wie das Leben so spielt, habe ich wieder einen „Ausländer“ an der Angel. Ein großer, gutaussehender Perser, der mir ein Gefühl gibt, das ich schon lange nicht mehr hatte. Meinem Bruder habe ich davon erzählt. Er meinte nur: „Für dich kommt ein Mann wohl erst dann infrage, wenn man seinen Namen nicht aussprechen kann." Doch diesmal fühlt es sich anders an. Zugegebenermaßen fühlt es sich diesmal nicht an wie ein Projekt oder eine ganz persönliche Aufklärungskampagne. Was daraus wird, wird sich zeigen.

Ich habe aber eingesehen, dass ich mein Heimatdorf nicht von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit befreien kann. Daran werden auch noch so viele Beziehungen zu Männern mit Migrationshintergrund nichts ändern. Doch ich weiß auch, dass ich nicht aufhören werde, hitzige Diskussionen zu führen, damit vielleicht doch wieder der ein oder andere zum Nachdenken angeregt wird. Und ich weiß auch, dass ich weiterhin Gefallen an Männern aus dem arabischen Kulturkreis finden werde.

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