Die Krone versaut uns wieder das Wochenende

15. August 2015

Und schon wieder versaut uns die Kronen Zeitung das Wochenende. Nachdem sich Kollegin Alexandra Stanic bereits vor zwei Wochen über den niveaulosen Bericht der Krone über die Flüchtlinge in Traiskirchen empört hat, ist mir die heutige Krone-Kolumne „Post von Jeannée“ sauer aufgestoßen.

Michael Jeannée ist wütend. Er lässt nicht zu, dass die "Arroganzlinge" von Amnesty International "unser Land schlechtmachen". Schließlich geht es den Flüchtlingen in Traiskirchen verglichen mit den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln doch super, ein "Garten Eden" sei Traiskirchen in Anbetracht der Heimatländer, aus denen die Asylwerber geflohen sind. "Und deshalb packt mich die kalte Wut ob des "Skandal"-Berichts, durch den unser Land besudelt, diskriminiert, verleumdet wird", schreibt Jeannée zum Traiskirchen-Bericht von AI. Er lässt an den Mitarbeitern von Amnesty kein gutes Haar: Die Damen und Herren seien aus London eingeflogen, in Limousinen herumchauffiert und in Luxushotels untergebracht worden. Lieber sollten sie sich nach Syrien, in den Irak oder nach Libyen wagen, um die Zustände dort zu prüfen, so der Autor. 

Keine Ahnung, woher der Krone-Kolumnist seine Informationen bezieht, aber sie sind allesamt falsch. Amnesty Österreich wurde mit der Untersuchung zwar aus London beauftragt, alle MitarbeiterInnen die in Traiskirchen vor Ort waren, sind jedoch ÖsterreicherInnen, das bestätigt der Generalsekretär von Amnesty Österreich gegenüber Caritas. Also nichts mit Luxushotels und Limos, Herr Jeannée - und das hätten auch Sie ganz einfach nachrecherchieren können, bevor Sie diese hetzerische Kolumne verfassen. Stattdessen schaffen Sie es in Ihren ca. 2000 Zeichen derartig viel Hass zu säen, dass es mir bei jedem einzelnen Ihrer Worte den Magen umdreht.

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Traiskirchen als Garten Eden zu bezeichnen, scheint mir sogar für Krone-Niveau zu tief. Die Lügen über das Luxushotel und die Limousine grenzen an Rufmord. Die Zustände in Syrien, dem Irak und in Libyen soll man prüfen, fügen Sie noch in einem Post Scriptum beiläufig hinzu. Ist wohl gar nicht so schlimm dort, wie die alle immer tun, was Herr Jeannée? Sie sind ja bekannt dafür gegen journalistische Ehrenkodexe zu verstoßen, mit rassistischen und menschenverachtenden Aussagen die Leute aufeinanderzuhetzen - aber mit dem heutigen Text haben Sie sich selbst übertroffen. Ich frage mich, was darf dieser Mann denn noch alles schreiben, bevor es echte Konsequenzen gibt? Denn was unser Land "besudelt" ist nicht der Bericht von Amnesty, sondern Worte wie die von Michael Jeannée.

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