Warum ich keinen Typen von 'Unten' daten will

15. Januar 2016
Eigentlich wollte man nur im Sommer die Familie „Unten“ besuchen. Aber heiße Tage, durchtanzte Nächte, nächtliche Spaziergänge bei lauer Sommerbrise und kühle Drinks sind eben perfekte Voraussetzungen für Urlaubsflirts. Und plötzlich lernt man dort, wo man es am wenigstens erwartet hätte, nämlich im Dorf der Oma, den Traumtypen kennen. Was passiert aber, wenn aus dem Flirt etwas Ernstes wird, man die anfängliche Fernbeziehung satt hat und der Auserwählte endlich zu uns zieht?
 
Die Sache mit der Sprache 
 
Was sich wie der perfekte Ausgang einer unerwarteten Lovestory anhört, kann in der Realität dann doch anders aussehen. Weil der Freund genauso wenig wie du erwartet hat, dass es ihn mal nach Österreich verschlägt, sind die Chancen, dass er Deutsch kann gering. Bevor es mit dem Deutschkurs losgehen kann musst du also nachhelfen. Beim Behördengang dolmetschst du. Zum Arzt kommst du auch mit, ganz klar. Zusammen ins Kino gehen danach fällt weg, weil die Vorstellung den ganzen Film zu dolmetschen dann doch nicht so prickelnd klingt. 
Nachdem er aber schon den B2-Kurs erfolgreich abgeschlossen hat, hat er dich immer noch lieber dabei wenn er zum Magistrat muss, damit er nicht irgendwas falsch versteht. Deine Freunde haben sich mittlerweile daran gewöhnt nur noch Englisch zu reden, wenn er dabei ist. Jetzt versteht er zwar ungefähr worum es im Film geht, folgen kann er den Dialogen aber noch immer nicht. Und Freunde, mit denen er nicht jugo reden kann, hat er auch noch nicht gefunden. Kommt alles noch, denkst du. Aber was wenn es nicht kommt? 
 
 
 
Natürlich darf man das nicht verallgemeinern. Eine Bekannte hat voller Motivation Deutschkurse besucht und so oft wie möglich Deutsch gesprochen, sodass sie es innerhalb eines halben Jahres schaffte die Sprache super sprechen zu lernen. Könnte also mit unserem importierten Boyfriend genauso klappen. Das Stichwort lautet hier aber Motivation. 
 
 
Beweggründe
 
Freut er sich darauf in einer neuen Umgebung zu wohnen und die neue Lebensweise inklusive der Sprache kennenzulernen spricht absolut gar nichts dagegen, dass er das auch schafft. War er aber mit seinem Leben rundum zufrieden und hat quasi das alles dir zuliebe aufgegeben, sieht es wieder anders aus. Will ich einen Freund, der sich ständig nach seinem alten Umfeld sehnt und bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet, runter fährt? Ich hätte außerdem ein total schlechtes Gewissen wenn ich wüsste, dass er wegen mir auf sein Umfeld verzichtet. 
 
Eine Freundin hat mich vor kurzem auf noch einen Punkt gebracht. Sie hat mir erzählt, dass sie letztens in Bosnien einen richtig netten Typen kennengelernt hat, mit dem sie sich auf Anhieb super verstanden hat. Dabei sagte sie abgesehen von den Problemen, die ich schon genannt habe, dass sie sich nicht vorstellen kann mit ihm zusammen zu sein, weil sie ständig den Gedanken im Hinterkopf hätte, dass er doch nur deshalb mit ihr zusammen ist um irgendwann nach Österreich ziehen zu können. 
 
Aber mir ist schon klar, dass es, wie so vieles im Leben, nicht so einfach ist.  Man sagt, dass zwei Menschen, die zusammengehören einander immer finden. Und verlieben verläuft auch nicht nach dem Wünsch-dir-was-Prinzip. Ich persönlich bevorzuge aber eindeutig die regionale Auswahl. 
 

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