Final Destination

16. April 2015

Täglich versuchen hunderte Afrikaner nach Europa zu gelangen – für ein besseres Leben. Der Preis, der dafür gezahlt wird? Der Tod.

„Was jetzt wohl los wäre, wenn heute 400 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes im Mittelmeer ertrunken wären?“ Das fragte Corinna Milborn vor ein paar Tage auf Twitter, nachdem die Nachricht über die Katastrophe über die Agenturen kamen. Und wie recht sie hat. Denn mittlerweile sind wir Menschen schon so weit, dass ein entführter Hund uns eher zu Tränen rührt, als ein ertrunkener Flüchtling. Und jetzt sind es angeblich wieder 700 Tote, weil laut ersten Meldungen ein Flüchtlingsboot vor Sizilien kenterte. Aber was wird es ändern? Immer mehr wird deutlich, dass das privilegierte weiße Leben anscheinend mehr bedeutet, als das eines Schwarzen oder eines Flüchtlings. Seien wir uns doch mal ehrlich – wären das Deutsche, Franzosen oder Hobbits gewesen, dann würde die Welt momentan Kopf stehen, Medien würden alles bis ins letzte Detail analysieren und die sozialen Netzwerke sich in ein Online-Kondolenzbuch verwandeln.  Hauptgrund für diese Tragödie ist die EU, die 2014 die italienische Seenotrettungsoperation „Mare Nostrum“ auflöste.

Bereits 2013 habe ich in meinem Blog "Für Europa sterben" kurz über die Flüchtlingstragödien in Lampedusa berichtet. Die Flüchtlinge, größtenteils aus Nord-und Ostafrika, erhoffen sich in Europa eine bessere Zukunft, um ihre Familien am Leben erhalten zu können.. Wer die Bootsfahrt mit den anderen unzähligen Insassen überlebt, erwartet ein Leben in Schubhaft, Ermittlungen und Abschiebung. Von den berühmt-berüchtigten westlichen Werten sieht man nicht viel. Anstatt der millimetergenauen Krümmung von Gurken und Bananen, sollte sich die EU lieber der Migrationspolitik und den Menschenrechten widmen.

Faith in humanity lost
Die Herkunftsländer der Flüchtlinge haben sich seit der Kolonialisierung nicht wirklich erholt, bis heute pumpt die EU Entwicklungsgelder in Projekte, von denen nur etliche afrikanische Staatsoberhäupter profitieren. Der Durchschnittsbürger selbst lebt entweder am Rande der Armutsgrenze oder steckt so tief drinnen, dass vollgepferchte Boote sein einziger Lichtblick sind.
 Afrika braucht die Hilfe Europas nicht, der weiße Mann als „ewiger Retter“ funktioniert einfach nicht mehr. Im Gegenteil, die „helfenden weißen Hände“ haben größtenteils nur Korruption & Co. mit sich gebracht.
In Zeiten wo die Politik scheitert, ist es eigentlich unsere Aufgabe, die Politiker dazu zu bringen, sich um diese Angelegenheiten zu kümmern. Wir sollten uns der Macht von Facebook und Twitter bewusst sein. Mehr Menschlichkeit wäre angebracht.

In diesem Sinne, mein aufrichtiges Beileid den Menschen, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft von uns gegangen sind.

 

 

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Kommentare

 

0,1% ertrinken im Mittelmeer.
50% werden zurückgeschickt, weil sie nicht politisch verfolgt werden.
Die erhofften Jobs gibt es nicht.
Die Flüchtlinge sind zu 80% männlich, kommen aus einem erzkonservativen Land in das liberale Europa.
Final Destination...

Ist das in den Herkunftsländern eigentlich bekannt? Oder machen sie sich trotzdem auf den Weg?
Wie auch immer, mein aufrichtiges Beileid für 400 Menschen.

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