Kurz macht TikToks - einfach cringe?

11. August 2021

photo-output.jpg

sebastiankurz.at auf TikTok
sebastiankurz.at auf TikTok

Bundesdaddy, Herr Shorty und Kosmopolit nennen sie ihn auf TikTok. Der Makro-Influencer Sebastian Kurz ist Mitte August unter die TikToker gegangen und fleißig am Content produzieren. Auf der App erzählt Toxisches Pommes, wie Migranten entscheiden, ob sie eher „faule Ausländer“ sein wollen oder Inländern Arbeitsplätze wegnehmen sollen. Der Kanzler postet, dass er „von Schnitzel über Tafelspitz bis hin zu Pizza“ alles gerne isst. Ich habe mit qualifizierten TikTok Experten und Expertinnen gesprochen, die den Social Media Auftritt von Kurz bewerten.

„Bruder, wir sind so broke, wir wissen nicht mal was Tafelspitz sein soll“, kommentieren die TikTok Nutzer oder „Springen Sie bitte, damit wir wissen, ob sie echt sind!“. Die weltbewegende Frage, auf welchem CandyCrush-Level unser Kanzler ist, wird so oft gestellt, dass ich darüber auch schon nachdenke.

Um die Jugend besonders anzusprechen, hat der Politiker mit 107,7 Tsd. Followern einen coolen Usernamen gewählt: sebastiankurz.at. Ich zeige meinen 15-jährigen Cousins das Profil und frage, ob der Content-Producer sein Ziel erreicht. „Einfach nur cringe!“, sagen sie, „Das ist ur peinlich, er soll sein TikTok wieder löschen!“. Die Jungs sehen auf ihrer ForYou-Page („Startseite“ für Boomer) lieber Streiche und andere lustige Videos. Ihre Lieblingsinfluencer heißen Noah Basic oder Nashawn Abi. Im Clip „Almans bei Besuch“ hat Nashawn ein Jordan T-Shirt an. Sie kommentieren: „Nashawn könnte mein bester Freund sein!“. Herr Shorty posiert hingegen in Hemd und Anzug. Sein Social Media Auftritt erinnert an eine Pressekonferenz. Sein Ziel: Die Jugendlichen von der Wichtigkeit der Corona-Impfung zu überzeugen. Ob ihm das gelingt?

Mein Cousin schaut "was ist ihr Lieblingsessen" von sebastiankurz.at auf TikTok
© ivasigns - Mein Cousin schaut auf TikTok "was ist ihr Lieblingsessen" von sebastiankurz.at

Redaktionen wie der Standard, haben mit 3,3 Tsd. Personen viel weniger Follower auf TikTok als der Kanzler. Der Kanal erreicht aber über 29 Tsd. Zuschauer mit seinen Clips. Das Publikum bleibt unentschlossen. Die einen finden das Online-Auftreten der Tageszeitung billig und lächerlich. Seriöser Journalismus und Memes gehören nicht zusammen. Andere sagen, dass der Standard qualitativ hochwertigen Meme Journalismus betreibe und nahbar wirkt. Mich interessiert, ob die Jugend sebastiankurz.at auch so einstuft.

Auf der Suche nach mehr Experten und Expertinnen, treffe ich die 18-jährigen Laura* und Sara*. Was sagen sie zu Herrn Shortys TikToks? „Wen juckts, was der Kanzler am liebsten isst?“, lachen sie. Ich möchte wissen, wie der Makro-Influencer seinen Content verbessern könnte. „Er soll das am Besten gar nicht machen!“ Das macht mich neugierig. Wer darf laut Jugend nicht auf TikTok sein und wer schon?

„Politiker gehören nicht auf TikTok“, antwortet mir Laura*. Sie möchte sich ihre politische Meinung nicht über TikTok bilden. Impfen wird sie sich nicht, nur weil der Influencer Basti sie dazu auffordert. Sind meine Cousins auch ihrer Meinung? Muss ich gleich nachfragen.

Ich erzähle ihnen von Laura* und sie stimmen ihr zu. Wenn die TikTok Experten und Expertinnen mit ihrem Urteil richtig liegen, haben Politiker auf der App nichts verloren. Vielleicht ist der Account von sebastiankurz.at also einfach nur „cringe“. Hoffentlich zeigt Herr Shorty in seinem nächsten TikTok, wie er die Levels in Candy Crush löst. 

*Die Namen der SchülerInnen wurden geändert 

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Anmelden & Mitreden

1 + 0 =
Bitte löse die Rechnung