Mein Hodscha

14. Juli 2015

Während der Fastenzeit ist das türkische Fernsehen voll mit religiösen Shows. Verschiedene Theologen, allen voran Nihat Hatipoğlu, stellen sich dabei den Fragen des Publikums. Diese sind teilweise sehr speziell und immer mit einem respektvollen „Mein Hodscha,...“ eingeleitet.  

So fragt eine Frau Hatipoğlu in der Sendung letzten Sonntag, ob es haram (Sünde) ist, die durch illegal bezogenen Strom angebauten Tomaten zu essen. Jemand anderes wollte einmal von Hatipoğlu wissen, ob er sein Fasten auch mit Sex brechen kann, bevor er etwas isst oder trinkt. Sogar Kinder sitzen im Publikum und fragen, ob es eine Sünde ist, jemanden im Internet zu hacken. „Wenn es sich um die Accounts böser Leute handelt, dann ist es keine Sünde“, antwortet Hatipoğlu. Ein Teenie-Mädchen will wissen, ob es in Ordnung ist, Justin Bieber Poster im Zimmer aufzuhängen. Die Antwort des Religionsgelehrten: „In deinem Alter ist das normal, aber hoffentlich wirst du in Zukunft ein Bild mit Allahs Namen aufhängen.“

In einer anderen Sendung wiederum fragt ein Zuschauer, ob er Zakat (Spende an Bedürftige, eine der fünf Säulen des Islam) auch mit Kreditkarte zahlen könnte. Mit dem Thema Geld sollten sich die Promi-Prediger auskennen, schließlich machen sie mit ihren Shows ordentlich Kohle.

Inşallah, maşallah

Noch skurriler wird es nur noch in der Show von Adnan Oktar, der sich als Kreationist der islamischen Welt versteht und bis vor Kurzem den Holocaust leugnete. Oktar ist bei konservativen Muslimen äußerst unbeliebt und wird als Sekten-Führer verurteilt. Seine Show, in der junge Frauen zu Gast sind, die mit ihren gemachten Brüsten und Botox-Lippen aussehen wie Playboy-Bunnys, hat dennoch viele Zuseher. Oktar flirtet in seiner Sendung mit den Frauen, sagt ihnen wie schön sie sind und will von jeder wissen, wie sehr sie ihn liebt. Die Frauen beteuern nacheinander den Prediger aus dem tiefsten Inneren ihres Herzens zu lieben, inşallah, maşallah sagen sie stets dazu. Worum es in seiner Sendung geht, ist mir bis heute ein Rätsel. 

Die Shows sind beim älteren türkischen Publikum äußerst beliebt. Doch die jungen Türken machen sich auf sozialen Netzwerken schon längst lustig über die Fernsehr-Hodschas, wie diese Fotomontage zeigt.

Hatipoglu
Screenshot atv

Eine Frage bleibt: "Ist es eine Sünde, solche Fotomontagen zu erstellen, mein Hodscha?"

 

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