Russische Wölfe

07. Mai 2015

Russland verfolgt mit großer Aufmerksamkeit die Tour der Motorradgang “Die Nachtwölfe”. Heute, genau siebzig Jahre nach der Kapitulation des Nazi-Regimes, sind die Rocker in Berlin ankommen.

Die ersten "Nachtwölfe" sind heute nacht in Berlin angekommen. Auf ihrer umstrittenen Tour wollen die Rocker den Weg der Roten Armee bis zu ihrem Sieg über Nazi-Deutschland nachzeichnen. Aufgrund ihrer martialischen Aufmachung und einiger problematischer Mitglieder, ist die Tour politisch umstritten. Auf viele Russen wirken die Biker - angezogen in schwarzem Leder, mit oft langen Haaren - zwar auch grob aber durchaus auch mutig. So sehen wahre Patrioten aus, sagen viele meiner russischen Landsleute.

Während der Reise von 25. April bis heute besuchten die Biker bereits Tschechien, die Slowakei, Polen und Österreich auf ihrem Weg nach Deutschland. Für Russland ist das wie eine Realityshow. So berichtet z.B. der TV-Sender LifeNews fast jede Stunde über die Reise der Biker. Dort wird dann auch ihre Message transportiert: „Unsere Fahrt trägt einen friedlichen Charakter und wir wollen den Europäern zeigen, dass wir nicht kommen um zu kämpfen, sondern um Freundschaften zu pflegen” erklären die Biker. Oder: „Unsere Tour zeigt die wirkliche Einstellung des Westens und ob Europa unser Freund ist oder nicht”

So steht auf der offiziellen Webseite der Nachtwölfe über Wien: „Am 2. Mai 2015 kam es zu einer Wende.  In der EU haben sich unsere Freunde gezeigt: Österreich, Ungarn – wir sagen: Danke!”.  Kritik gab es hingegen an Polen, da den Bikern dort die Durchfahrt verwehrt wurde sowie an Deutschland, da dort die Dokumente der Biker kontrolliert wurden.

Die Aussagen des Führers der Nachtwölfe, Alexander Hirurg, sind sehr radikal und immer klar prorussisch. Nicht umsonst wird der Bikerclub von Präsident Putin aber auch von vielen Russen unterstützt.  

Persönlich unterstütze ich diesen Scheinpatriotismus nicht. Als Russin ist es mir aber wichtig, dass der Beitrag meines Landes beim Sieg über Nazi-Deutschland gewürdigt wird. Ohne die schweren Opfer wäre dies nicht möglich gewesen. Dazu muss aber nicht eine wilde Motoradgang durch ganz Europa fahren.

 

 

Ira Dyagileva ist derzeit die Stipendiatin der biber-Akademie. Sie ist russiche Journalistin, die seit 7 Monaten in Österreich lebt. Deswegen einfach ein Auge zu drücken, falls ihr den ein oder anderen Fehler in ihren Blogs entdeckt. Aller Anfang ist schwer und ihr seid bestimmt auch keine Profis in RussischUkrainisch und ein bisschen Polnisch oder?

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