Scharia-Lifestyle leicht gemacht!

12. August 2021

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"Mehdinatv" auf TikTok (Screenshot)

1,7 Millionen Follower und über 97 Millionen Likes verzeichnen Mehdi und Mubina auf TikTok. Mit der Message „we break stereotypes“ will das junge Halal-Ehepaar der Welt zeigen, wie „echte Muslime“ denn so in einem westlichen Land wie Kanada leben. In der für viele TikTok-User gewohnten quirlig-flatterhaften Manier posten sie massenhaft vermeintliche Erklärvideos, mit Hashtags wie #muslimcouple, #muslimtiktok, häufig auch mit dem Aufruf #learnfromus (Dt. „lernt von uns“). Von Mubina bekommt man dabei niemals mehr zu Gesicht als ihre Augen, die aus ihrem Niqab hervorblitzen.

„Welche Männer dürfen mich ohne Schleier sehen?“
-„Nur dein Vater, dein Bruder, und ich!“

„Darf ich als Frau jedem Mann die Hand geben?“
-„Nein!“

„Darf ich Kontakt zu einem männlichen Arzt haben?“
-„Nur für medizinische Zwecke!“

„Durften wir auf unserer islamischen Hochzeit Musik spielen?“
-„NEIN!“

tiktok
Soll man denn wirklich von diesen zwei Menschen etwas lernen? (Screenshot)

Dass sich eine große Menge der Videos darum dreht, was Mubina denn als „muslimische“ Frau alles dürfe und was nicht, ist wenig überraschend. Oftmals geht es darum, mit welchen Männern sie sprechen dürfe, wem die Hand geben und ob es in Ordnung sei, als Frau unbegleitet Taxi zu fahren. Fast euphorisch erklärt sie, dass sie mit dem anderen Geschlecht nicht einmal Brettspiele spielen könne, weil das zu einer „verspielten Konversation“ führen würde. Doch was wie eine harmlose Influencer-Ehe wirkt, ist in Wahrheit nichts anderes als Vermarktung eines radikalen Scharia-Lebensstils – unter dem Deckmantel, dass sie als Muslime „moderat“ seien. Dem ist aber überhaupt nicht so. Das erkennt man ja offensichtlich an dem Niqab von Mubina, der in den meisten muslimisch geprägten Ländern unüblich ist und auch von großen, anerkannten Rechtsschulen nicht als verpflichtendes Kleidungsstück erachtet wird. Lediglich fundamentalistische Bewegungen wie die Muslimbrüderschaft und die als terroristisch eingestufte Taliban pochen auf den Niqab, häufig unter dem Deckmantel der „Religionsfreiheit“. Zurecht ist der Niqab auch teilweise in sehr streng religiösen Communities verpönt und in vielen Ländern sogar verboten.

Über das Ehepaar berichteten schon einige internationale Medien. Mehdi und Mubina sollen sich laut der britischen Dailymail auf der Universität kennengelernt haben. Mehdi bekam erst nach seiner Konversion zum Islam und der anschließenden streng geschlechtergetrennten Hochzeit mit Mubina ihr Gesicht zu sehen. Mit seiner christlichen Familie soll der armenischstämmige Kanadier aufgrund des mangelnden Verständnisses für sein neues Leben gebrochen haben.

Das britische Medienunternehmen „UNILAD“, das für seine viralen Videos auf Social Media bekannt ist, stellte Mehdi und Mubina in einem Video mit dem Titel „Muslimisches Paar klärt andere mit TikTok auf“ vor, das alleine auf Facebook über 7 Millionen Aufrufe hat.

Gerade wenn man die irrsinnig große Reichweite der beiden bedenkt und was für eine junge, unkritische Zielgruppe mit diesem Unfug erreicht wird, ist das mehr als bedenklich. Sollen denn andere junge Mädchen denken, dass sie nur mit einem Niqab wahre Muslimas sein können? Oder auch junge Burschen denken, dass ihre Cousinen sich vor ihnen zu verschleiern hätten? In den Kommentarspalten finden sich jedenfalls wenig kritische Auseinandersetzungen mit dem Content, welche die beiden produzieren. Wenn Mubina zeigt, wie einfach es doch sei, mit dem Gesichtsschleier in einem Restaurant zu essen oder vollverschleiert an den Strand zu gehen, könnte das ohnehin leicht beeinflussbare Jugendliche fast davon überzeugen, sich so einem Weltbild hinzugeben.

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