"Schule funktioniert dort, wo die Elternhäuser funktionieren."

07. April 2016

Gestern war Lehrer und Buchautor Niki Glattauer zu Gast in der ZIB2, um über die österreichische Bildungsmisere zu sprechen. Glattauer kritisiert in der Sendung die fehlende soziale Durchmischung an Schulen. Schuld daran sei neben den Zweiklassenschulen auch die Wohnpolitik. So sitzen in Volksschulen in bestimmten Bezirken zwanzig Kinder mit Migrationshintergrund, während das in anderen Bezirken schon ganz anders aussieht. Durch die Zweiklassenschulen – NMS und Gymnasium – kommt es zu einer Zweiklassengesellschaft. Die Lösung für dieses Problem sieht Glattauer in einer gemeinsamen Schule, denn die Mittelstufe sei entscheidend für die Zukunft der Kinder. Glattauer fordert außerdem mehr Geld für den Bildungssektor, eine Gesamtschule, ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr und Ganztagsschulen dort, wo es nötig ist. „Schule funktioniert dort, wo die Elternhäuser funktionieren“, weiß Glattauer.
 


Nach der Äußerung der Direktorin Andrea Walach, ein Drittel ihrer Schüler wäre am Arbeitsmarkt nicht vermittelbar, melden sich immer mehr Lehrer zu Wort, die Walachs Einschätzung bestätigen. Auch neueste Studien zeichnen ein negatives Bild: 38% der Zehnjährigen in Österreich können kaum richtig lesen.
 


Im Zuge unseres biber Schulprojekts „Newcomer“ ist auch mir die dramatische Situation an den Schulen bewusst geworden. Die meisten der Schüler, mit denen wir zusammenarbeiten, sprechen schlechtes Deutsch, obwohl sie in Österreich geboren sind. Ihre Eltern haben einen niedrigen Bildungsgrad, zu Hause werden nur Fernsehsender aus der alten Heimat geschaut, Bücher oder Zeitungen spielen außerhalb der Schule gar keine Rolle im Alltag vieler Jugendlicher. Lehrer allein können diese Bildungslücken unmöglich füllen, es ist wichtig, dass dieser Diskurs endlich richtig in Gang tritt, Eltern und Politik müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Hier geht's zum Video.

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

.
Sie kochen, kosten und kreieren: Amina...
.
„Bis ich 13 Jahre alt war, dachte ich,...

Anmelden & Mitreden

8 + 5 =
Bitte löse die Rechnung