Dubai: Vater verhindert die Rettung der eigenen Tochter

10. August 2015

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Facebook Screenshot Emirates247

Unfassbar. Ein Badeunfall am Strand von Dubai endete letzten Sonntag für eine 20-Jährige tödlich, nachdem der Vater des Mädchens die Hilfe der männlichen Rettungsschwimmer ablehnte. Während das Mädchen um Hilfe ruft und gegen das Ertrinken kämpft wehrte sich der Vater dagegen, dass seine Tochter von zwei fremden Männern angefasst wird.

Rami A. ist entsetzt, denn er kennt ähnliche Probleme bei Rettungseinsätze wie jenen in Dubai auch aus Wien. Er war Rettungssanitäter beim Arbeiter-Samariter-Bund in Wien und lange Zeit im Rettungswagen unterwegs. Er hat viel erlebt und vieles gesehen.  Biber hat mit Rami A. gesprochen.

Rami: Einmal bin ich mit einem Kollegen gefahren, der selbst eine Zeit lang in Dubai gearbeitet hat. Er hat den Beruf aufgrund solcher Erlebnisse, trotz guter Bezahlung aufgegeben. Es war nie so drastisch, dass jemand gestorben ist, aber er meinte die banalsten Dinge, wie Blutdruck messen, führten zu langen Diskussionen. Selbst bei kleinen Mädchen. Zum Beispiel musste er eine Frau reanimieren, doch der Ehemann hat ihm verboten sie anzufassen. Es war bereits ein anderes Rettungsauto, mit einer weiblichen Sanitäterin, unterwegs, doch die Situation hätte auch schlimm enden können. Mein Kollegen und sein Team wurden verjagt. Ich selbst hatte auch ein ähnliches Erlebnis in Wien mit einer Frau, die Niqab trug.  Der Ehemann wollte anfangs auch nicht, dass wir ihre Werte erheben.

Geht das nur von den Männern, also Vätern und Ehemännern, aus oder bestehen auch Frauen darauf sich nur von anderen Frauen behandeln zu lassen?

Rami: Nein, mein Freund hat nie erzählt, dass es von einer Frau ausgegangen wäre. Auch meine Erfahrungen in Wien zeigen, dass die Frau nicht dagegen war, sondern der Mann.

Hältst du persönlich es in nicht-lebensbedrohlichen Situationen für okay, wenn dieser Wunsch besteht?

Rami: Wenn es der Wunsch der Frau ist dann natürlich, ja. Ihr Körper, ihre Entscheidung. Sie entscheidet, wer sie anfassen darf und wer nicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass selbst nicht unmittelbar „bedrohliche“ Situationen ganz schnell zu lebensbedrohlichen Situationen werden können. Wenn der Mann mir allerdings sagt, dass ich darf sie nicht anfassen, dann klingeln bei mir einfach die Alarmglocken. Erstens, weil es nicht sein Leben ist über das er bestimmt, zweitens, weil es mich anpisst wenn Männer glauben, sie besäßen ihre Frau und drittens, weil damit so eine unfassbare Arroganz beziehungsweise Engstirnigkeit einhergeht. Der Islam misst der Gesundheit des Menschen einen großen Stellenwert bei und wir sind dazu verpflichtet das Leben zu schützen. Ich denke, dass es bei den meisten Leuten daher eher kulturelle Gründe als religiöse hat.

Hättest du, als Muslim, ein Problem damit, wenn deine Frau, deine Tochter, deine Schwester, von einem männlichen Arzt oder Sanitäter untersucht wird?

Rami: Ich kenne die Prozesse rund um die Erhebung vitaler Werte (Blutdruckmessen,…) gut und das sind ganz banale Dinge. Wenn es ernste Situationen sind, in denen eventuell die Kleidung aufgeschnitten wird oder sonstiges, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass ich denken würde: "Oh, Beschmutzung der Ehre". Es geht immerhin um meine Mutter/Tochter/Schwester und ich weiß, als Sanitäter, dass wirklich jede Sekunde zählt. Außerdem würde ich in so einer Situation (wenn ich dabei wäre) sofort selbst reanimieren.

 

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