Ein Chromosom zu viel

Es gibt kaum eine Gendefekt-Erkrankung die so bekannt ist wie Trisomie 21, und leider auch kaum eine die mit so vielen Vorurteilen kämpft. Nachdem die meisten Menschen nun endlich über die Bezeichnung „Mongolen“ hinausgewachsen sind, ist es an der Zeit diese Leute aufzuklären, dass auch „Down-Syndrom-Menschen“ eine recht unpassende Beschreibung ist, und das Menschen mit T21 unterschätzt werden. 


Menschen mit Trisomie 21 haben bekanntlich ein Chromosom mehr als üblich. Sie weisen auch äußerlich typische Merkmale auf und sind bekannt dafür „Kind zu bleiben“.
Warum zu solchen Merkmalen der Ausdruck „Down-Syndrom“ passen soll, verstehe ich aber nicht.
Ein Chromosom mehr kann doch nicht schaden, anders auszusehen ist heutzutage Trend und „für immer Kind“ ist auch die Devise von Cartoon-Held Peter Pan.
Oft höre ich dann aber die Begründung „Es heißt Down-Syndrom, weil sie immer traurig aussehen.“
Abgesehen davon, dass sich der Begriff „Down-Syndrom“ eigentlich auf den englischen Arzt J. Langdon Down zurückführen lässt, welcher 1866 als erster dieses Erscheinungsbild beschrieb, ist diese Begründung meiner Meinung nach sehr fehlgegriffen.

Zu Gast bei Balance
Vor zirka einem Monat durfte ich Balance, eine Werkstatt für Menschen mit "Behinderungen", besuchen. Einen Nachmittag lang beobachtete ich, wie verschiedenste Menschen mit verschiedensten Gendefekten und anderen "Behinderungen" ihren handwerklichen Hobbys nachgingen. Vom Filzen und Töpfern bis zum Arbeiten mit Holz, und jene die dort arbeiteten wirkten auf mich eigentlich recht "unbehindert". Es erfordert Geschick herzustellen woran sie dort täglich arbeiten. Abgesehen davon, wirkten  die Menschen dort auf mich alles andere als down. Im Gegenteil, ich sehe heutzutage selten so viele glückliche und zufriedene Menschen auf einem Fleck.
Zu sehen wie unterschätzt Menschen mit T21 sind, war einerseits faszinierend, aber auch traurig.

Das Trisomie 21 Festival
Eine weitere Erfahrung, die meine Sichtweise zu T21-Menschen positiv verstärkt hat, war eine Abendvorstellung der I Dance Company im Kasino am Schwarzenbergplatz, welches im Rahmen des Trisomie 21 Festivals stattfand.
Ich wusste ehrlich gesagt nicht wirklich was mich erwarten würde und habe mich voll und ganz überraschen lassen. Die sogenannte Tanzspiel-Gruppe hat  zu „Nightmare before Christmas“ ein Stück inszeniert,  welches sie mit Tänzen umgesetzt hat. Es war wirklich schön, und vor allem der Darsteller des Charakters Jack zeigte seine Beweglichkeit und seine Tanz-Verständnis in vollen Zügen. Vor allem hat mir aber gefallen, dass alle Altersgruppen vertreten zu sein schienen, und alle samt ausstrahlten, dass sie hart gearbeitet hatten und nun stolz waren, ihre Show präsentieren zu können. Die I Dance Company hatte mir an dem Abend wieder gezeigt, wie unterschätzt T21-Menschen werden.

"Wir sind nicht bereit jede Rolle zu spielen! Wir sind Künstlerinnen und Künstler, die mit T21SOMIE und für die Kunst leben und wir haben uns entschieden, die Rolle, die uns die Gesellschaft angeboten hat, zurückzulegen. Wir sind nicht krank, es gibt keinen Grund für Betroffenheit und, ganz ehrlich, wir sind weder „lieb“ noch „süß“. Wir trainieren hart und proben intensiv, um unserem Publikum Abend für Abend eine professionelle und unvergessliche Vorstellung bieten zu können." -  So das Statement der I Dance Company
 

Dear Future Mom
Nachdem ich alle diese Erfahrungen machen durfte, und viel über Trisomie21 gelernt und letztendlich verstanden habe, ist es sehr traurig zu sehen, dass immer noch 90% aller Ungeborenen mit Diagnose Trisomie 21, abgetrieben werden. Für Viele Menschen steht T21 immer noch in der Kategorie Krankheit, wo sie einfach nicht hingehört.  Es ist lediglich eine Veränderung der Chromosomen mit einem bekannten weiterführenden Entwicklungsmuster. Es ist weder Krankheit noch Fluch, noch Benachteiligung. Ein Kind mit Trisomie 21 ist eben auch nur ein Kind, mit den selben wesentlichen Bedürfnissen: Liebe, Geborgenheit, Zuneigung, Verständnis. Sie wollen wie jedes andere Kind einfach nur liebevoll in eine Familie aufgenommen werden.
Das Video "Dear Future Mom" von der Initiative World Down Syndrome Day vermittelt das wahrscheinlich am besten.  

Kommentare

 

Ich finde es bemerkenswert, dass du dich damit auseinandersetzt und darauf aufmerksam machst. Danke für diesen Beitrag!

 

Der Gesellschaft muss eingetrichtert werden, dass Menschen nicht anders, sondern einmalig und gleichviel wert sind. Schönheit hat viele Gesichter. Genau das hast Du in deinem Artikel gezeigt. Daumen hoch dafür!

 

Ein echt cooler Artikel! Ich habe mich, weil der Bruder einer Freundin auch Trisomie 21 hat, auch damit befasst - du hast das sehr gut rüber gebracht. "Dear Future Mom" finde ich einfach fantastisch und hoffe, dass mehr Projekte dieser Art durchgeführt werden. Danke dir fürs aufmerksam Machen. 

 

Danke für die lieben Kommentare :)

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