3 Minuten mit... Baraa Bolat

14. April 2022
Ex-Austrias-Next-Topmodel-Kandidatin und TikTokerin Baraa Bolat über das Modeln als Hijabi in Österreich und ihre berühmten Kochvideos.
 
Interview: Sedir Dabbass, Foto: Franziska Liehl
 
Foto: Franziska Liehl
Foto: Franziska Liehl
 
 
biber: Baraa, du warst 2019 die erste Hijabi bei Austrias Next Topmodel. Wie war es für dich, als kopftuchtragende Frau in Österreich zu modeln?
 
Bara Bolat: Ich trage das Kopftuch schon seit 13 Jahren. Als kleines Mädchen war es mein Traum, berühmt zu sein und zu modeln. Damals dachte ich mir schon: Ich muss keine 08/15-Blondine sein, die schlank ist und blaue Augen hat, um in diese Mo-delwelt reinzupassen. So ist das noch heute. Wenn ich rausgehe, merke ich nicht einmal, dass ich einen Hijab trage. Es gehört schon zu meiner Identität. Egal, was ich anstrebe: Das Thema „Kopftuch“ ist gar kein Thema für mich. Ich eliminiere das komplett. 
 
Du hast alleine auf TikTok über 1,7 Millionen Follower:innen. Wieso glaubst du, bist du auf Social Media so erfolgreich?
 
Weil ich einzigartig bin. Als Content–Creator weiß man, wie man die Zuschauer bewegt. Meine Videos schaut man, weil man sich fragt: Wieso kocht sie gebückt mit so einem Blick? Das ist mein Trick, wie ich meine Zuschauer:innen fessele. Gemeinsam mit dem „Mhmmm – Bismillah!“ am Ende des Videos. Das ist mein Markenzeichen.
 
Baraa
Baraas Markenzeichen auf Tiktok ist ihr "hypnotisierender Blick". (Screenshot: Tiktok/baraabolat)
 
Wie bist du denn auf diese ikonische Haltung und den Blick in deinen Kochvideos gekommen?
Wenn du dir auf TikTok mein allererstes Kochvideo ansiehst, merkst du, dass das mit der Haltung und dem Blick nicht auf Krampf gewesen ist. Ich habe das Essen einfach sehr konzentriert angeschaut. Dann hat irgendjemand in die Kommentare geschrieben: „Bruder, sie hypnotisiert Essen fast.“ Und ich dachte mir so: „Dankeschön, Bruder!“ Sofort in die Caption reingeschrieben und in die Bio, einfach überall: „I hypnotize food with my eyes.”
 
 
 
Als Tiktokerin oder Youtuberin hast du auch einen eher unkonventionellen Weg eingeschlagen. Wie steht deine tunesische Familie dazu?
 
Die feiern das alle! Also ich bin die Queen meiner ganzen Generation! (Lacht) Leute aus Tunesien fragen meine Cousine: Wer ist das? Ist das deine Cousine? Wir feiern sie! Das ist diese eine, die immer so komisch guckt! Oder sie senden mir einfach Videos, wo sie essen und danach „Bismillah –Mhmmm!“ sagen.
 
Bekommst du auch Hate?
 
Ja, sicher. Aber ich bin auch dankbar dafür! Wie man so schön sagt: „Bad publicity is good publicity.” Bei ANTM habe ich die allererste Erfahrung mit Hate bekommen: Da bin ich eine Woche nicht rausgegangen, weil ich Angst hatte, dass mich irgendwer auf der Straße erkennt und fetzt oder so. Wegen ANTM habe ich Hate von beiden Seiten bekommen. Sei es von Muslim:innen oder seitens der unzufriedenen Österreicher:innen, die mich im Fernsehen sehen und dann schimpfen: „Was hat eine Hijabi auf einem österreichischen Kanal zu suchen?“
 
 
 
WER IST SIE?
Name: Baraa Bolat
Alter: 28

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Kommentare

 

Schön wärs, wenn der Islam nur das Problem seltsamer Bekleidung mit sich brächte, sie wäre nämlich gar kein Problem. Sie wird nur zu einem durch den Zusammenhang mit all den anderen Problemen. Islamismus beginnt nicht bei Selbstmordattentaten oder Steinigungen. Er beginnt mit muslimischen Grundschulkindern, die der Lehrerin nicht die Hand geben wollen, mit muslimischen Jugendlichen, die westlich gekleidete Mädchen als "Hure" bezeichnen, mit muslimischen angeblichen "Flüchtlingen", die christliche echte Flüchtlinge angreifen oder Frauen im Freibad belästigen, und vielem mehr. Die Burka/das Burkini ist ein Symbol für die Unterdrückung und Einengung der Frau im Islam. Und weil dieses Symbol für sich genommen so unwichtig ist, lässt sich die Empfindlichkeit in Europa gut skandalisieren.

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