Der Bagel - Eine Wiener Erfindung?

10. September 2020
 
Bei "1683 Handmade Bagels" bekommt man köstliche Snacks - und eine kleine Geschichtsstunde auf's Haus!
 
Text: Nada El-Azar, Fotos: Zoe Opratko
 
Studenten, die Suche nach dem perfekten Mittagssnack hat ein Ende. Unweit der Hauptuni Wien wartet nämlich „1683 Handmade Bagels“ mit einem großen Aufgebot an belegten Broten. Bagelmeister und Chefbarista Martin Keklak ist kurz nach der Eröffnung des Shops im Jahr 2017 ins Geschäft eingestiegen. „Unser Motto ist ‚bagel to the roots‘. Wir mochten den Bagel nach Wien zurückholen“, so der 38-Jährige.

 

EIN GEBACK MIT GESCHICHTE

In New York ist der Bagel schon lange ein fester Bestandteil der Esskultur. Anfang des 19. Jahrhunderts brachten jüdische Emigranten das Gebäck in die USA, das seit einigen Jahren im Trend liegt. Über den Ursprung des runden Gebäcks gibt es viele Theorien. Eine der gängigsten verbirgt sich im Geschäftsnamen: Im geschichtsträchtigen Jahr 1683 hat der polnische Oberbefehlshaber der Katholischen Liga, Jan III. Sobieski, Wien von der Zweiten Türkenbelagerung befreit. „Als Dank erfand ein jüdischer Backer ein Gebäck in Form eines Steigbügels“, so Martin. Das Wort „Bagel“ geht auf das jiddische Wort „Bejgel“, zu Deutsch „Bügel“, zurück. Auf den Wanden des Geschäfts ist diese Geschichte von „Falter“-Karikaturist Bernd Püribauer verewigt worden. Wie der „Retter von Wien“ hat auch Martin polnische Wurzeln. Neben belegten Bagels ist der Shop auf Kaffee von Daniel Moser spezialisiert – dessen Tradition geht übrigens auf das Jahr 1685 zurück. Hier gelingt dem Geschäftsführer also nicht nur kulinarisch, sondern auch historisch ein kleiner Coup.

Selbermacher Bagels

FRISCH VON HAND ZUBEREITET

Ein belegter Bagel ist nur so köstlich wie die Summe seiner einzelnen Komponenten. Das Gebäck wird täglich frisch von einer koscheren Backerei aus der Leopoldstadt bezogen und mit frischen Salaten, hausgemachten Aufstrichen und Saucen verfeinert. Natürlich alles bio. „Wir haben viele jüdische Kundinnen und Kunden, die sich frische Bagels mitnehmen.“ Absolute Spezialität ist der Pastrami-Bagel, der sich auch in seiner Wahlheimat New York größter Beliebtheit erfreut. „Der Rinderschinken wird ein halbes Jahr lang geräuchert und im Shop hauchdünn aufgeschnitten“, so Martin. Auf dem New-York-Bagel vereinen sich Raucherlachs und Frischkäse. Vegetarische und vegane Optionen stehen ebenso wie hausgemachter Apfelkuchen auf der Speisekarte. Martin belegt jeden Bagel frisch vor den Augen der Kundschaft. Plastik ist – bis auf die biologisch abbaubaren Deckel für den Kaffee – im Shop zu vermissen.

 

 

1683 Handmade Bagels

Währinger Straße 12

1090 Wien

Bereich: 

Das könnte dich auch interessieren

Liberale Türken
Der türkische Verein ATIS will die „...
seife
Ein über 4000 Jahre altes...
Selbermacher
  Bei "1683 Handmade Bagels" bekommt...

Anmelden & Mitreden