Tantrasex und Wüstenstaub

05. Dezember 2019

Einmal um die ganze Welt

Diesmal: Tantrasex und Wüstenstaub - Destination Spanische Wüste

Von Andrea Grman

Jedes Jahr im Juli findet in der spanischen Wüste fünf Tage lang das Nowhere-Festival statt. Es ist ein Burn, nach den Prinzipien des Burning Man in den USA. Die Idee dahinter: Alle Teilnehmerinnen, also alle Nobodies, kreieren das Festival mit, gestalten einen Workshop, machen Musik oder erstellen ein Kunstprojekt. Jeder Versuch einer Beschreibung kann Nowhere kaum gerecht werden. Kurz gesagt: Hier kannst du sein, wer du willst. Du kannst als Hase verkleidet herumhoppeln oder im Adams- und Evakostüm umherstreifen. Du kannst tun, wonach dir der Sinn steht – unter einer wichtigen Voraussetzung: Einwilligung. Das gilt bei Fotos genauso wie bei Tantra-Zirkeln. Als ich am ersten Tag mein Programmheft durchblättere, staune ich nicht schlecht. Von Bondage über Schlösserknacken bis hin zu Lapdance-Workshops ist alles dabei. Lasse deine sexuelle Energie heilen oder erkunde deine Schmerzgrenze. Da es unmöglich ist, alles zu machen, habe ich fast ein bisschen FOMO. Gut, dass es auch dafür einen Workshop gibt. Ich überlege zwischen Speed Painting und Speed Hating und entscheide mich für letzteres. Bei dieser sehr ehrlichen Variante des Speed Datings beantwortest du deinem Gegenüber Fragen, die unwillkürlich darauf hinauslaufen, dass du richtig schlecht dastehst. Am Nachmittag mache ich einen Abstecher zum Strip Wrestling, bevor ich mir entspannt den Sonnenuntergang ansehe und einer Kakao-Zeremonie beiwohne.

Am Freitag helfen meine Freundin Nadine und ich beim Wüsten-Clean-up. Es ist erstaunlich, wie wenig herumliegt. Das ist wohl das sauberste Festival, auf dem ich je war. Wir belohnen uns mit einer Massageeinheit und einer Wohnwagen-Duschparty bei den Nachbarn. Frisch geduscht und wieder von oben bis unten mit Wüstenstaub bedeckt gehen wir zum Highlight des Festivals: dem Burn. Es gibt eine beeindruckende Feuershow, Schamanen-Tänze und Akrobatinnen. Alle lassen sich in ihren verrücktesten Kostümen blicken. Es wirkt wie auf einem anderen Planeten. Nur wenig später liege ich in einem schwarzen Raum, bestaune fluoreszierende Bilder an den Wänden und spreche mit anderen Nobodies über polyamoröse Beziehungen. Kaum vorstellbar, dass zwei Tage später wieder der Alltag wartet.

Obwohl ich mich fünf Tage lang fast nur von Müsliriegeln ernährt habe, möchte ich am liebsten noch eine Woche hierbleiben. Als wir losfahren, blicke ich in den Rückspiegel und werde melancholisch. Was für ein schöner Traum. Zum Glück sagte mir die Wahrsagerin voraus, dass ich nächstes Jahr wiederkomme.

grman@dasbiber.at

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