EL HAC: "Ein Tattoo ist sehr intim"

02. Februar 2010




Der gläubige Moslem und Tattoo-Künstler „El Hac“ über arabische Kalligraphen, Horrormotive und warum er sich für seinen Beruf entschuldigt.
Von Elma Delkić und Lucia Bartl (Foto)

biber : Was unterscheidet dich von anderen Tätowierern?

El Hac : Ich verewige arabische Kalligraphien auf dem Körper meiner Kunden. Seien uns wir mal ehrlich: Wonach strebt der Mensch? Nach Individualität. Er will einzigartig sein und er möchte demnach eine einzigartige Zeichnung, die ihn sein Leben lang begleitet. Ich zeichne Figuren aus Kalligrafien. Das ist natürlich ein Hingucker und lange nicht so geschmacklos wie die meisten Tattoo-Trends aus den USA. (Zeigt auf ein Tattoo-Magazin aus den USA)

Wie kommt man zum Spitznamen „El Hac“?

Ich bin ein sehr gläubiger Moslem. Eine der fünf Säulen des Islam ist die Pilgerfahrt nach Mekka, „Hadj“ genannt. Ich war bei der Pilgerfahrt so überwältigt von der großen Menschenmenge, dass ich den Namen „El Hac“ annahm. Unglaublich, wie viel Harmonie und Frieden dort herrschten, trotz glühender Hitze und Menschenmassen.

Wo liegen deine Wurzeln?

Meine Mutter brachte mich im Alter von 14 Jahren in Antakya (Türkei) zur Welt. Mein Vater starb kurz darauf. Sie war gezwungen einen älteren Mann zu heiraten, um als Alleinstehende nicht in Verruf zu kommen. Dieser ältere Mann, mein Stiefvater, lebte in Wien und holte uns beide hierher. Wir lebten in armen Verhältnissen. So konnte sich meine Mutter kein Spielzeug für mich leisten. Sie gab mir einen Stift und sagte: „Komm Junge, zeichne etwas!“ Ich fing an, arabische Buchstaben zu zeichnen und konnte nicht mehr aufhören. Im Laufe der Zeit perfektionierte ich meine Fähigkeiten und schuf immer komplexere Motive.

 

Im Islam sind Tätowierungen unseres Wissens verboten.

Mir ist das bewusst. Ich würde mich auch niemals hinstellen und behaupten, das sei nicht der Fall. Fehler machen ist menschlich, aber das vergibt uns unser Schöpfer. Allah würde unsere ganzen Spezies ausrotten müssen, würden wir keine Fehler machen und um Vergebung bitten. Es hört sich wahrscheinlich masochistisch an: Ich bete täglich fünfmal zu Allah, um mich für meinen Beruf des Tätowierers zu entschuldigen.

An welchen Körperstellen tätowierst du am liebsten?

Kommt auf die Person an. Jeder Mensch ist auf seine eigene Art und Weise schön. Unserer Prophet Muhammed a.s. (Anm. der Redaktion: aleyselam – Friede sei mit Ihm) zeigte seinen Mitmenschen einst einen hässlichen Hund. Sie wunderten sich, warum ihnen der Prophet den Hund zeigte. Er antwortete: „Seht ihr nicht diese schönen Zähne?“ Ich setz’ mich mit den Menschen zusammen und gebe ihnen Tipps. Welche Stelle, Farbe, Motiv.

Zeichnest du jedes Motiv?

Auf gar keinen Fall! „Horror-Motive“ wie diabolische Figuren, Monster und Ungeheuer können mir erspart bleiben. Ich möchte, dass man an etwas Schönes denkt, wenn man sich mein Kunstwerk ansieht. Ein Tattoo ist tiefgreifend und sehr intim; keine Sache, die einfach aus Langeweile geschieht.

Woher kommen deine Kunden?

Ich habe bisher viele Menschen tätowiert, von Japan über Deutschland, bis in die USA. Dort bin ich nur Insidern der Tattoo-Szene bekannt. Also fragte ich mich, wie es dazu kommt, dass diese Menschen den Weg zu mir finden. Wer schickt sie zu mir? Nicht ich, sondern eine größere Macht: Allah.

 

www.elhac.com

Am 1. Februar eröffnete El Hac ein

Tattoo-Studio in der Krugerstrasse 10,

1010 Wien

 

 

Web-Comments :

Auch im Internet spalten sich die Meinungen darüber, ob Tattoos im Islam legitim sind oder nicht. Hier einige Auszüge aus diversen Foren:

Hölle ist Gottesferne, Paradies die Nähe zu ihm. Und diese hängt sicher nicht davon ab, ob man ein Tattoo hat oder Ohrlöcher.“
Userin Blümchen

Ein Arbeitskollege sagte heute zu mir, dass es eine Sünde sei und die Tattoos in der Hölle brennen.“

User Yakamoz


„Optisch lenkt ein Tatoo Aufmerksamkeit auf sich und man ist somit beim Gebet abgelenkt.“ User anonym

 

Tattoos per se als Sünde zu klassifizieren ist – sorry – einfach schrecklich eindimensional!“ User Stefano

Ich frage mich, wie arabische Beduinen das sehen: viele Beduinenfrauen sind ja im Gesicht tatowiert.“
User Ismail

 

Nein, es gibt keine Sure im Koran, die es verbietet. Wer sagt, es stehe im Koran, der schreibe bitte entsprechende Sure hier rein.“
User honorata

 

WAS DIE ISLAMISCHE GEMEINSCHAFT DAZU SAGT:

Die Einstufung von Tattoos als ‚Haram’ ist sehr häufig anzutreffen. Der menschliche Körper ist ein Gottesgeschenk und darf nicht verändert werden. Die Tatowierung ist ein schmerzhafter körperlicher Eingriff ohne medizinische Notwendigkeit und birgt Risiken. Ausnahme: Wenn der Eingriff psychische Probleme lindert. Zum Beispiel, wenn jemand keinen Haarwuchs hat und sich die Augenbrauen tatowieren lasst. Im Falle, dass die Tatowierung schon vor der Annahme des Islam da ist (etwa bei konvertierten Muslimen), darf die betroffene Person von der Gemeinschaft nicht diskriminiert werden.“

Kommentar von Amina Baghajati,

Mediensprecherin der islamischen Glaubensgemeinschaft

 

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Kommentare

 

hey

Super Tatooossss wirklich wow

 

die Tatoos sind wirklich schön.. bleibt noch immer die Frage : will man so etwas für sein Leben lang am Körper haben oder nicht?

und es ist ein tollllllles Bild. Super Fotografin :0

 

die tatoos sind wirklich sehr ansehnlich und kreativ.
aber die haltung von "el-hac" empfinde ich schon als heuchlerisch
einerseits "sündigen", andererseits 5x/tag dafür entschuldigen.
immerhin glaubt er an einen vergebenden gott und nicht an einen bösen, strafenden.

übrigens kommt er aus dem selben ort wie ich.

 

die tatoos sind wirklich toll und is ja wohl klar das so ein künstler nur aus antakya kommen kann ;)

 

cooles Interview Elma!

 

..

Danke & jaaa so etwas schönes muss auf dem körper verewigt werden :)

 

ich find die motive auch verdammt fett.

aber der redet schon bissl mist. Ich mein, wenn ich weiß dass es Sünde ist, warum tu ichs dann?
Such dir doch was anderes zum Geldverdienen.

Spricht bei ihm das Gewissen nicht an?

 

..

Er meint jeder Mensch auf dieser Welt macht Fehler und wenn keine Fehler machen würde, würde Allah uns alle auslöschen und neue Menschen erschaffen, weil er will das wir Fehler machen, aus diesen lernen & vor Allah Reue zeigen. Jeder Mensch hat seine Fehler, Macken .. El Hac's Macke ist eben das er Tätowierer ist & selber welche hat.

 

so einfach kann man sich's machen

 

Ob er sich nun dafür 5xam Tag bei Gott entschludigt oder nicht ist finde ich seine Sache, sowie ob man sich so ein geiles Tatoo als Moslem nun stechen lässt oder nicht. Ein Moslem ist auch kein Heiliger, der macht auch seine "Fehler"...und vergeht auch irgendwelche Sünden...

Lieber Gott es gibt einfach viel zu viele von diesen Sünden...uf..(ENTSCHULDIGUNG... )

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