Gaza: "Der Himmel ist komplett orange gefärbt"

08. Oktober 2023

Die Lage in Israel und Palästina spitzt sich weiterhin zu. Was erlebt die Zivilbevölkerung vor Ort? Hind spricht mit uns aus dem Zentrum von Gaza.

von Aleksandra Tulej

„Die Situation ist extrem angespannt. Wir versuchen, uns von den Fenstern fern zu halten, wir halten uns in der Mitte unseres Hauses auf. Hast du das gerade gehört?” – Hind spricht mit uns aus ihrem Haus in Zentrum von Gaza. Während unseres Telefonats hört man immer wieder einschlagende Raketen, die Verbindung bricht ständig ab. „Der Himmel ist komplett orange gefärbt. Wir sind diese Zustände ja gewohnt, aber so ein Ausmaß habe ich noch nicht erlebt. Ich habe das Gefühl, hier passiert gerade vieles sehr willkürlich, es ist extrem chaotisch” erzählt die 28-Jährige Palästinenserin. Seit Samstag ist die Lage in Israel und Palästina so angespannt, wie lange nicht mehr: Die palästinensische Hamas hat Samstagfrüh Raketen auf Israel abgefeuert, der Grenzzaun zum Gazastreifen wurde durchbrochen. Die Todeszahlen steigen, Israel hat den Kriegszustand ausgerufen, an mehreren Orten wird gleichzeitig gekämpft. Aber was erleben die Zivilist:innen vor Ort gerade? 

„Wir haben Zuhause keinen Schutzraum oder eine Möglichkeit, uns in Sicherheit zu bringen, wir haben seit Stunden keinen Strom mehr, die Internetverbindung funktioniert nur spärlich – ich bin einfach nur frustriert, gestresst und wir haben große Angst, was jetzt noch passieren wird.”, so Hind. „Wir hören ständig von neuen Toten und Vermissten.” In den letzten Stunden sind stand Sonntagabend 700 Israelis und 370 Palästinenser:innen getötet worden, über 2000 sind laut dem Gesundheitsministerium in Gaza verletzt, es werden der israelischen Regierung zufolge etwa 100 Israelis von der Hamas als Geiseln gehalten. „Ich will einfach nur in Freiheit leben, ich will die Möglichkeit haben, mich frei in der Welt zu bewegen, aber gerade hoffe ich einfach nur, dass wir das überleben.", so Hind.

Die palästinensische Hamas hatte nach den massiven Raketenangriffen den Beginn einer Militäroperation gegen Israel erklärt. „Wir sind im Krieg und wir werden gewinnen“, erklärte daraufhin Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einer Videobotschaft. „Unser Feind wird einen Preis bezahlen, wie er ihn noch niemals kennengelernt hat.“ Man habe „beschlossen, israelischen Verbrechen ein Ende zu setzen”, so der Hamas-Militärchef Mohammed Deif. Dutzende israelische Kampfjets hätten als Reaktion Ziele im Gazastreifen angegriffen, teilte die Armee mit. Nun fordern die Auseinandersetzungen aber auch immer mehr zivile Opfer.

 

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