Lächeln, immer lächeln

02. Februar 2016

yang

Sie arbeitet, studiert, tanzt und unterrichtet von früh bis spät: Mit uns sprach die Chinesin Yutong über österreichische Gemütlichkeit und chinesische Disziplin.

Von Suzana Knezevic (Fotos: bereitgestellt)

Hartes Training von früh bis spät, das war ihr Alltag als Kind. Die 29-jährige Yutong hat in China Disziplin und Gehorsam erlernt und bis heute beibehalten. 2003 kam sie nach Wien, um ihren Traum zu erfüllen. Hier, so sagt sie, sei sie an einem Ort gelandet, wo man ihr hilft, ihre eigenen künstlerischen Ziele zu erreichen.

Wie kamst du zum Tanz?

Mein Vater fand, dass es für Mädchen schön sei, zu tanzen. Also habe ich mit fünf Jahren begonnen und habe es von Anfang an geliebt. Bis ich 13 war, habe ich nur in meiner Freizeit getanzt. Dann habe ich die Aufnahmeprüfung auf der Musikhochschule in Shenyang gemacht. Diese Zeit war sehr hart – um fünf Uhr morgens wurde schon gedehnt und aufgewärmt. Ich hatte das Glück, einen weichen Körper zu haben, also hatte ich keine schlimmen Schmerzen im Unterricht und konnte immer lächeln. Andere Kinder weinten und tanzten gleichzeitig – und wurden dafür bestraft.

 

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„Man trainiert seinen Körper wie eine Maschine.
Wenn man umfällt, beginnt man wieder von vorn.
Man muss den Körper formen.
Je mehr Schmerzen du hast, desto schöner ist es.
Desto mehr musst du lächeln. Immerzu lächeln."

Was hat dich nach Österreich geführt?

Damals wurde an meiner Schule ein Austauschprogramm mit dem Vienna Konservatorium initiiert, so bin ich mit 17 Jahren direkt nach Österreich gekommen. Als Kind wusste ich schon, dass ich Choreografin werden will, meine eigenen Tanzschritte erfinden will und nicht nur jene nachtanzen, die mir jemand beigebracht hat.

Was war dein erster Eindruck von Wien?

Man lebt hier für sich alleine. In China ist das anders, da lebt man irgendwie in Gruppen. Was für mich zu Beginn besonders war: In Österreich hat man sehr viel Urlaub – in China läuft das ganz anders. Es gibt einzelne Feiertage und der gesamte „Urlaub“ besteht aus insgesamt 15 Tagen, die auf drei Mal im Jahr aufgeteilt werden. Einen vierwöchigen Urlaub hat man in China nicht.

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Was bedeutet Disziplin für dich?

Für mich bedeutet Disziplin Geschwindigkeit. Wenn ich eine Ansage von jemandem bekomme oder sich meine innere Stimme meldet und mir sagt: ‚Das ist richtig, das solltest du tun!‘  - dann muss ich das schnell und gut machen und ich muss mich sehr bemühen.

Wie schätzt du die österreichische Arbeitsmoral ein?

Ein kleines Beispiel aus meiner Arbeit mit Kindern, wenn ich ihnen sage“ Bitte stellt euch in eine Reihe.“, dann sieht das Ergebnis irgendwie schwammig aus. So etwas funktioniert mit Österreichern nur schwer. Oder am Nationalfeiertag – die Soldaten am Heldenplatz, man sieht immer ganz genau, dass sie nicht perfekt in einer Reihe stehen oder dass die Körperhaltung nicht straff genug ist. Das schaffen wir schon im Volksschulalter.

Wie läuft der Unterricht ab?

Schon eine Stunde bevor man den Unterrichtssaal betritt, müssen die Kinder draußen in einer Reihe stehen. Die Lehrerin nennt dabei bestimmte Positionen, so wie beim Bundesheer. Das macht man für die gemeinsame Konzentration.

Wo liegt deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen Österreichern und Chinesen?

Die Arbeitsdynamik ist eine ganz andere. Chinesen können viele Dinge gleichzeitig machen. In Österreich ist es eher so: ‚Ok, ich überleg‘s mir noch, trinken wir mal einen Kaffee und dann schauen wir mal.’

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Du studierst Tanz, lehrst Tanz, arbeitest mit Kindern und führst eigene Stücke auf. Hast du überhaupt Zeit, um Freundschaften zu pflegen?

Ich habe viele österreichische Freunde verloren, weil wir so unterschiedlich waren. Sie haben nicht verstanden, dass ich so viel mache. Sie wollten gemeinsame Kochabende oder Partys veranstalten und ich musste oft absagen. Ich muss einfach selbstständig sein und gut tanzen können, damit ich unabhängig von meinen Eltern bleibe. Ich habe mit zwei Freundinnen zusammengewohnt, die immer erst am Nachmittag aufgestanden sind. Ich selbst stehe um sechs Uhr morgens auf, koche mir schnell mein Essen für den Tag und stehe schon um acht Uhr im Tanzsaal. Meine österreichischen Freunde gehen alles ein bisschen langsamer an.

Warum sind die Menschen in China so getrieben?

Das fängt Zuhause und in der Schule an. Das Leben ist für chinesische Kinder ein endloser Wettbewerb. Man muss immer der oder die Beste sein. Andererseits versorgen Kinder später ihre Eltern. Das ist ein wichtiger Punkt. Man fühlt sich verantwortlich füreinander und das treibt einen an.

Wie sieht deine Zukunft aus?

Wenn ich in einigen Jahren nach China zurückkehre, will ich dort die tanzpädagogische Arbeit verändern. Ich möchte den Kindern nicht nur Befehle erteilen, sondern die Methoden, die ich in Österreich erlernt habe, gemeinsam mit ihnen umsetzen.

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