SELBSTBESTIMMT ÜBER DEN DÄCHERN WIENS

25. September 2013

THERESIA LEITINGER IST EINE DER JÜNGSTEN NATIONAL- RATSKANDIDATINNEN. ZUM POLITISCHEN DURCHBRUCH HAT SIE NOCH VIELE STUFEN ZU ERKLIMMEN, DOCH MIT STUFEN HAT SIE ZUM GLÜCK KEIN PROBLEM.

 

So wie Theresa Leitinger wohnt, wohnen nicht viele Menschen! Das liegt nicht nur an der noblen Adresse im 1. Bezirk, sondern vielmehr daran, dass sie in einem Turm lebt. 47 Qua- dratmeter schrauben sich um eine enge Treppe auf vier Stockwerke über die Dächer Wiens und ermöglichen einen einmaligen Blick auf den Ste- phansdom.

„Die Wohnung habe ich zufällig gefunden, im ersten Bezirk zu woh- nen war nicht die Vorgabe.“ Das Leben mit den Stiegen nimmt There- sia gelassen. Sie nutzt die Treppen als Schuh-Etagere, als ungewolltes Fitnesstraining und hat einfach in jedem Stockwerk eine Wasserflasche parat. Denn einmal in der Bettkoje unterm Dach liegend, sind Küche und Bad natürlich eine ernsthafte Überlegung wert. Um den Umzug zu schaffen, machte Theresia kurzer Hand eine Party und auch sonst ist sie gesellig und hat gern Freunde da. Uns versorgt sie mit M&M‘s und Erdbeeren aus Mamas Garten.

GESCHRAUBTE WOHNUNG

Die geschraubte Wohnung ist nicht nur räumlich eng, sie ist auch vol- ler Sachen. Von der Decke baumeln in jedem Stock beeindruckende

Kristallluster, an der Wohnzimmerwand quetschen sich voll gepackte Billy-Regale, überall Fotos und Poster, in der Küche gibt es einen auf- gebockten Zweiplattenherd auf dem Spültisch. Improvisiert, aber liebe- voll. Theresia sammelt neben wertvollem Porzellan auch Fahnen von ihren Reisen, am liebsten die „Stars and Stripes“ der USA.

Den American Way of Life versucht die gebürtige Grazerin auch zu leben: selbstbewusst, unabhängig, selbstbestimmt. Das seien auch die Werte, für die ihre Partei stehen würde, erklärt die 24-Jährige. In die Politik sei sie zufällig gekommen, Botschafterin und Journalistin waren auch Optionen. Doch ihre politischen Ansichten verteidigt sie eisern:

 

„Wer nicht gerne diskutiert, hat in der Politik nichts verloren.“
 

Die 24-Jährige kandidiert auf Platz 20 der Bundesliste für die ÖVP und hat gute Chancen, ins Parlament zu kommen. Als Generalsekre- tärin der ÖVP-Frauen und Katholikin wird sie immer auf die Themen Abtreibung und Sex vor der Ehe angesprochen. Doch lieber würde sie über die Rolle der Frauen in der Politik reden. Die „Nicht-Kampfeman- ze“, wie sie sich nennt, ist gegen eine Frauenquote, obwohl sie selbst durch Reißverschlusssystem auf die Bundesliste der ÖVP gekommen ist. Frauen sind da in der öffentlichen Wahrnehmung entweder die Ra- benmutter oder das Heimchen am Herd. Sie wolle keines von beidem sein, sagt sie selbstbewusst. An den rauen Ton in der Politik hat sie sich schon gewöhnt. „Wenn ich überall auf Gegenliebe stoßen würde, wäre das eine Beleidigung meiner politischen Arbeit.“ Mit dem muss sie viel- leicht bald in ihrer eigenen Partei rechnen, wenn sie sich etwa für die „Homo-Ehe“ ausspricht.

IMMER DIE ÜBLICHE NEIDDEBATTE

Auch für die ÖVP ist leistbares Wohnen ein Wahlkampfthema. Doch die Jungpolitikerin hält nichts von der Regulierung des Marktpreises – ganz im Gegenteil. „Ich glaube, dass der Wohnungsmarkt sich am fairs- ten entwickelt, wenn er sich frei entfalten kann.“ Wie viel sie für ihre Wohnung zahlt, wollte sie uns auch nicht verraten. „Das führt immer zu der üblichen Neiddebatte in der Politik“, meint sie, als sie uns die Stiegen wieder hinunterbegleitet.

 

Von Marian Smetana und Philipp Tomsich (Fotos)

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