“Hör auf! Das ist Cringe”

…Das haben wahrscheinlich nicht nur ich, sondern die meisten Jugendlichen in meiner Altersgruppe zu hören bekommen. Es geht um das Phänomen Cringe-Culture. Letztens habe ich mit Freund*innen besprochen, was sie von der sogenannten Cringe-Culture halten. Einige von ihnen empfinden es als harmlos, andere hingegen machen sich Sorgen, ihr “wahres Ich” auszudrücken, aus Angst dafür kritisiert und verspottet zu werden.

Aber was ist denn diese Cringe-Culture und woher kommt sie? Laut “Urban Dictionary” beschreibt das englische Wort “cringe” den Fremdscham. In den Mainstream gelang das Wort durch die Website Reddit, welche viele Foren aller Art anbietet. Diese kann man an dem Markenzeichen “r/“ erkennen. Die zwei Foren in Frage sind bekannt unter den Namen “r/cringe” und “r/cringepics”. User teilen dort untereinander Bilder, Videos und mehr, alles, was sie als cringe empfinden und lachen gemeinsam darüber. Was einst nur in einem Teil des Internets war, hat sich nun über das ganze Netz verbreitet: mittlerweile werden überall Menschen für ihr angeblich peinliches Benehmen veräppelt. Egal ob Instagram, Twitter oder TikTok - “Cringe-Culture” gibt es auf so gut wie jeder Social Media Plattform.

Die Problematik dahinter: Was genau kann man als cringe bezeichnen und auf welcher Skala misst man Peinlichkeiten? Was dem einem gefällt, kann dem anderen peinlich sein. Deshalb kann so gut wie alles, was man ist und tut als “cringe” etikettiert werden. Das Teilen von einem angeblich peinlichen Bild oder Video einer anderen Person mit der Absicht auf Spott und Auslachen - wo ist da eigentlich der Unterschied zu Mobbing? Die Grenzen verschwimmen hier schnell. Man kann also durchaus argumentieren, dass Cringe-Culture eine Form von Mobbing ist. Und richtig unangenehm wird es, wenn man dafür noch im Internet in einigen der sogenannten “Cringe Compilations” landet: Videos oder Blogs, welche eine Reihe von peinlichen Material beinhalten.

Wir wissen, dass die meisten sozialen Medien darauf aufgebaut sind zu polarisieren, die Kommentarfunktion ermöglicht es uns zu diskutieren, die eigene Meinung zu teilen aber eben auch anzugreifen. Dabei wird einem oft gesagt, man brauche ein dickes Fell für das Internet und solle einfach nichts davon persönlich nehmen. Aber neben berechtigter und sachlicher Kritik finden sich eben auch immer wieder persönliche Meinungen, die unter das Ausüben von Cringe-Culture fallen.
Cringe-Culture macht das Netz intolerant und Jugendliche fühlen sich somit nicht sicher: Jede*r sollte sich wohl fühlen können, sich so zeigen wie man ist ohne gleich an einer nicht existierenden Peinlichkeit Skala gemessen zu werden. Wichtig zu erwähnen: rassistische, homophobe und diskriminierende Äußerungen fallen natürlich nicht unter freie Meinungsäußerungen und sind somit nicht in diesem Artikel gemeint..

Natürlich kann man auch weiterhin seinen eigenen Senf dazugeben, ob man etwas cool oder nicht findet und ob man sich fremdschämen muss oder nicht. Doch man sollte seine Kommentare höflich und mit Respekt zum Verfasser posten Das Internet lässt einen Vergessen, dass am anderen Ende des Screens auch ein echter Mensch sitzt und persönlich würde man so mit dieser Person wohl auch nicht reden.

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