Ich habe mich impfen lassen, obwohl meine Eltern dagegen sind.

Kommentar von Oana* (14)

 

Dieser Kommentar wurde unter dem Titel „Ich habe mich impfen lassen, obwohl meine Eltern dagegen sind.“ Ende Oktober auf dem Instagram-Account unserer KollegInnen von „Die Chefredaktion“ veröffentlicht.

 

Ich habe letzte Woche die Corona-Schutzimpfung erhalten, ohne, dass meine Eltern Bescheid wussten. Meine Eltern sind Coronaleugner und denken, dass Covid eine Lüge ist. Im Gegensatz zu mir, ich glaube daran. Ich glaube daran aus Respekt vor den Leuten, die daran gestorben sind. Aus Respekt vor den Wissenschaftler*innen, die an dem Impfstoff gearbeitet haben und vor den Ärzt*innen und Pflegekräften, die so hart arbeiten.

Ich habe oft versucht, ihnen zu erklären, warum Corona keine Lüge ist, und dass die Regierung uns damit nicht kontrollieren möchte. Sie sagen, wenn sie sich impfen müssen, gehen sie wieder zurück nach Rumänien. Ich bin geschockt und wütend und ich habe Mitleid mit ihnen, weil sie alles, was sie auf Facebook sehen und hören, glauben. Wenn ein orthodoxer Priester vor der Kamera steht und sagt, dass sie keine Impfung brauchen, glauben sie das.

 

„Du hast einen Chip implantiert bekommen!“

 

Nicht nur meine Eltern haben so eine Denkweise, sondern fast mein ganzer Bekanntenkreis. Wenn ich meine Eltern darauf aufmerksam mache, dass sie die Maske gescheit tragen oder Abstand halten sollen, regen sie sich nur auf. “Du bist ja so korrekt”, sagen meine Eltern dann. Ich hole meine Infos über Instagram und TikTok und will mich schon länger impfen lassen. Ich habe mich aber nicht getraut, alleine zu gehen.

 

Ich habe meiner Klassenvorständin von meinen Eltern erzählt. Sie meinte, dass sie es toll findet, dass ich mich da von meinen Eltern unterscheide. Vor Kurzem hat sie mir erzählt, dass es die Möglichkeit gibt, sich in einer Schule impfen zu lassen. Letzte Woche habe ich dann dort gemeinsam mit ein paar anderen Schüler*innen endlich meine erste Corona-Schutzimpfung erhalten.

 Danach habe ich es meinen Eltern erzählt. Zuerst wollten sie mir nicht glauben. Dann ist meine Mutter ausgerastet. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass das gar nicht schlimm sei und ich 14 bin und selber entscheiden kann, ob ich mich impfen lasse. Sie wurde noch wütender. Solange ich in ihrem Haus lebe, solle ich nichts machen, was sie nicht wolle. Weil es mir zu viel wurde, habe ich gesagt, dass alles nur gelogen war und ich mich eh nicht hab impfen lassen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie mir das abgekauft haben. Mein Vater hat mir gesagt, dass er die Schule anrufen wird und die Person anzeigen wird, die mich zum Impfen gebracht hat. Er sagt, dass ich jetzt einen Chip implantiert habe und keine Kinder mehr bekommen kann. Ich weiß, dass das nicht stimmt und ich liebe meine Eltern trotzdem, aber Corona sorgt bei uns daheim nur noch für Streit.

 

 

*Die Schülerin möchte unerkannt bleiben.

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