Von Kärnten nach Mexiko

Mein Vater kommt aus einer kärntner-slowenischen Familie. Er selbst hütete nach der Schule noch Kühe, war relativ brav und ruhig und wurde später dennoch zum Workaholic und Gerechtigkeitsfanatiker. Meine Mutter ist Mexikanerin – kreativ, modern und wohl auch verwöhnt. Sie hatte sogar Dienstmädchen. Völlig unterschiedliche Welten, die manches Klischee abdecken. Eine Beziehung zwischen zwei solchen Menschen konnte ja nur interessant werden. Die kulturellen Unterschiede zwischen meinen Eltern lösten manchmal einen Kultur-Clash zuhause aus. Ja, es gab viele Diskussionen. Manchmal endeten diese mit „Wir sind nicht in Mexiko!“ oder irgendetwas, was eben mit Österreich zu tun hatte. Aber sie mussten es irgendwie schaffen, miteinander zu leben. Wie hat sich das auf meine Entwicklung ausgewirkt? Naja, teils sehr gut: Toll war es, mehrere Sprachen zu sprechen. Das Schlechte: Missverständnisse. Ich habe bei „Europäern“ mehrmals Anzeichen von Ärger und anderen Emotionen nicht erkannt, und deshalb unangemessen auf sie reagiert. So war mein Verhalten gelegentlich ein Anstoß zu einer das-kann-doch-nicht-wahr-sein-Reaktion manch einer Autoritätsperson. Ja, die mexikanische Ausdrucksweise ist anders: Dann kann ein Lachen auf einmal auf Entsetzen hindeuten, und nicht unbedingt auf Freude.  Ich lebte auch eine Zeit lang in Mexiko. Dort waren Menschen manchmal verwundert, dass ich nicht so warmherzig in meinem Verhalten war, wie es bei ihnen normal ist – das kommt wohl von meinem eher ruhigen mitteleuropäischen Vater. 

 

Verena Kraut ist 22 Jahre alt und besucht die Dr. Roland Maturaschule.

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