35 Frauen und ein leerer Stuhl gegen Bill Cosby

28. Juli 2015

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Twitter-Screenshot von New York Magazine

Er ist wohl einer der bekanntesten Serienväter der 90er Jahre, aus der Sitcom „The Bill Cosby Show“. Billy Cosby wird beschuldigt etliche junge Frauen sexuell belästigt und darüber hinaus vergewaltigt zu haben. 35 Opfer erzählen nun ihre Geschichten und darüber, wie es ist, nicht gehört zu werden.


35 Frauen und ein leerer Stuhl - Dieses Bild zeigt das gestern erschienene New-York Magazine Cover und kündigt damit einen Artikel an, deren Inhalt gleichermaßen Aufsehen erregend, wie bedrückend ist. Diese Frauen berichten im Zuge dieser 35 geführten Interviews von sexuellen Übergriffen seitens des mittlerweile 78-jährigen Sitcom-Stars. Der leere Stuhl gilt als Symbol für alle ungehörten Vergewaltigungsopfer. Viele von diesen Frauen sind bislang nie gegen diese an ihnen verübten Verbrechen vorgegangen. Im Zuge der nach und nach laut gewordenen Stimmen gegen den Komiker – eine von ihnen Andrea Constand, welche 2004 als erste Klägerin sexuelle Vorwürfe gegen ihn erhob – meldeten sich etliche weitere Opfer, die allesamt von einer ähnlichen Vorgehensweise berichten: Erst wurden sie mit Medikamenten betäubt, anschließend missbraucht. Für den Großteil der Frauen, die ihren ersten Kontakt zu Cosby schildern und begründen, diente er in gewisser Hinsicht als Mentor und Karriere- Sprungbrett. Einige sagen, er hätte ihnen privaten Schauspielunterricht gegeben und aus finanziellen Notsituationen geholfen. Viele hatten über Monate, ja sogar Jahre mit ihm Kontakt.

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Twitter-Screenshot von New York Magazine


Die Statements der Befragten führten zu heftigen Reaktionen auf diversen Social Media Plattformen. Reaktionen geprägt von Mitgefühl und Ärger über die Gesellschaft, die so etwas zulässt. Jedoch treffen diese Frauen gleichermaßen auf Unglaubwürdigkeit und Vorwürfe hinsichtlich ihres Umgangs mit den Verbrechen und des jahrelangen Stillschweigens. Etliche Leserkommentare, mit folgendem Inhalt, lassen mich an dem natürlichen Urteilsvermögen vieler Menschen zweifeln: „Diese Frauen haben sich mit Bill Cosby freiwillig getroffen und haben willentlich mit ihm Sex gehabt.Vielleicht hatten sie sich mehr erhofft, vielleicht hat Bill Cosby ihnen kleine Rollen versprochen, oder sie wollten sich öfter mit ihm treffen und er wollte immer wieder "Frischfleisch". *


Warum haben sie sich denn nicht schon vor Jahren öffentlich zu Wort gemeldet, wenn sie das nicht gewollt hätten? Nun, für diejenigen Skeptiker unter euch, die derselben Meinung sind, habe ich eine Antwort auf diese Frage: Unter anderem genau deshalb. Aufgrund solcher, wie der zuvor genannten, Äußerungen, schweigen Vergewaltigungsopfer. Nein, nicht explizit wegen diesem einen Zeit-Leser, der sich Cosby's Unschuld sicher zu sein scheint. Aber wegen der Vorwürfe, mit denen sie, aus nächster, teils sogar familiärer Umgebung konfrontiert werden. In was für einer Welt ist es gerechtfertigt, Frauen zu vergewaltigen, die Kontakte zu ihrem beruflichen Vorteil nützen wollen? Wieso bietet dies eine Grundlage für so viele Menschen, über diese Frauen zu urteilen und ihnen die Schuld zuzuschreiben?


Was genau vorgefallen ist, wird sich oder wird sich niemals erweisen. Gesagt sei jedoch so viel: Ebendiese Resonanzen auf ein solch heikles Thema macht es weiteren Opfern von Vergewaltigung unmöglich, aufzustehen, zu handeln und vor allem, sich im Recht zu fühlen.


*http://www.zeit.de/kultur/film/2015-07/new-york-magazine-cover-bill-cosb...

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