„Dein Name ist mir zu schwer, hast du keinen Spitznamen?“

16. August 2023

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Foto: Susan Holt Simpson/unsplash

Cheddar, Seida, Seda: Autorin Şeyda hat es satt, immer wieder aufs Neue „umgetauft“ zu werden – weil Menschen in Österreich ihren Namen nicht richtig aussprechen – beziehungsweise sich nicht einmal die Mühe machen. 

Von Şeyda Gün

„Kannst du nicht einfach Seda heißen? Das wäre viel einfacher für uns statt Şeyda.“, musste ich mir bereits in der Volksschule anhören, als ich meine Hortbetreuerin darauf hinwies meinen Namen richtig aufzuschreiben. Später, im Gymnasium, erging es mir ähnlich. Jedes Jahr zu Schulbeginn hatte ich ein mulmiges Gefühl, wenn die Lehrkräfte ihre Klassenliste zückten, um uns einzeln aufzurufen. Ich wusste nämlich, dass mein Name wieder einmal total falsch ausgesprochen wird. Doch nicht nur in der Schule ging es mir so, sondern auch bei Arztbesuchen oder sonstigen Terminen. Mein Highlight bisher: „Hey, du heißt ja fast so wie dieser Käse Cheddar!“.

Ich erwarte mir einfach mehr Respekt

Mir ist bewusst, dass mein Name keiner ist, den man in Österreich oft hört. Schließlich oder trotzdem sind aber unsere Namen ein Teil unserer Identität und haben eine Geschichte. Als Kind und Teenager habe ich oft meine Eltern dafür verteufelt mir einen „schwierigen“ Namen gegeben zu haben, den kein Mensch in Österreich aussprechen kann. Wie oft ich mir gewünscht hatte, einen einfacheren, am besten 0815 österreichischen Namen zu haben – Lisa zum Beispiel. Irgendwann mochte ich meinen Namen nicht mehr und begann ihn als „Problem“ zu sehen. Dabei war das Problem nicht der Name, den meine Eltern ausgesucht hatten, sondern einfach alle Menschen rund um uns herum. Es ist schon klar, dass man sich bei der Aussprache nicht immer ganz sicher ist, aber genau deshalb kann man ja sein Gegenüber fragen, wie der Name korrekt ausgesprochen gehört. So mache ich es auch. Ein „Wie spricht man deinen Namen aus?“, ist mir lieber als „Seida“, „Cheddar“ oder „Puh, nein dieser Name ist mir zu schwer, hast du keinen einfachen Spitznamen oder so?“. Seien wir uns ehrlich, das mindeste was man tun kann, ist sich zumindest um die Aussprache bemühen, ohne gleich abwertend zu werden. Oder anders formuliert: Ich erwarte mir einfach mehr Respekt.

Mein Name ist Teil meiner Identität

Ich habe viele Menschen in meinem Umfeld, die tatsächlich ihren Namen nicht so aussprechen, wie er sich eigentlich gehört. Auf meine Frage „Warum?“ bekomme ich fast jedes Mal die gleiche Antwort: „Die werden es eh nicht richtig aussprechen.“. Das Problem an dieser ganzen Sache ist, in dem wir nicht über diese Problematik sprechen und sie unter den Teppich kehren geben wir ein Stück von uns selbst einfach auf, ohne es zu merken. Deshalb müssen einfach mehr Bewusstsein diesbezüglich schaffen, ansonsten verbringen wir unser Leben damit falsch angesprochen zu werden. Mir fehlte dieses Bewusstsein auch für eine sehr lange Zeit, aber jetzt weiß ich, dass mein Name ein Teil meiner Identität ist und ich möchte nicht, dass dieser verloren geht. Wenn ich mich um die Aussprache von Namen bemühen kann, die mir selbst „fremd“ sind, dann wünsche ich mir auch das gleiche bei meinem Namen. Ich erwarte von niemandem auf Anhieb Namen, die ihnen „fremd“ sind korrekt auszusprechen. Aussagen wie „Na, wie sind denn deine Eltern auf diesen schwierigen Namen gekommen?“ dulde ich einfach nicht mehr. Kein Name auf dieser Welt ist „zu schwierig“. Es geht hierbei nicht darum wie ausländische Namen ausgesprochen werden, sondern eher um das warum sie nicht der Mühe wert sind, richtig ausgesprochen zu werden. 

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