Der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung: Wie die „Black Movie Days“ in Wien für Veränderung sorgen

11. April 2023

Die „Black Movie Days“- die zweitägige Veranstaltung, die sich der Geschichte und Gegenwart von People of Color in Österreich widmet und sich für ihre Anerkennung als fester Bestandteil der Wiener Bevölkerung einsetzt. Neben freiem Eintritt und gratis Popcorn & Essen von „Speisen ohne Grenzen“ gab es am 31.März und 1.April im Cape 10 vor allem eines: eine engagierte Gemeinschaft von Menschen, die sich für die Förderung der Gleichberechtigung und Diversität in Wien einsetzten. Der Fokus lag darauf einen inklusiven Raum für alle zu schaffen- ein Raum, der ein Bewusstsein für die Marginalisierung von People of Color schafft und gleichzeitig diese starke Community noch weiter stärkt. Es wurden Dokumentarfilme gezeigt und Diskussionen geführt, die den alltäglichen Kampf gegen Rassismus aufzeigen und verdeutlichen, wie wichtig es ist eine Plattform für Black Voices zu schaffen.

Edelweiss

Der Dokumentarfilm Edelweiß, von der Regisseurin Anna Gaberscik, wurde am ersten Tag der Veranstaltung gezeigt, und hatte das Ziel die Geschichten von People of Color zu erzählen und hervorzuheben. Dieses Ziel hat Anna Gaberscik mit Bravur gemeistert! „Edelweiss“ – so haben die Macher von „The Sound of Music“ damals den Song, den die Hauptrolle Julie Andrews singt, nach der Nationalblume Österreichs, benannt. Und Anna hat ihren Dokumentarfilm nach genau diesem Song benannt, den sie als Kind so sehr geliebt hat. Aber das ist nicht der einzige Grund für die Namensgebung- sie hat den Namen gezielt gewählt, um das Konzept der weißen Dominanz in Österreich zu dekonstruieren.

Verschiedene Menschen aus der BIPoC-Community in Wien erzählen von ihren Erfahrungen und Denkensweisen, so dass man als Zuschauer einen Einblick in die alltägliche diskriminierende Realität von People of Colour bekommt. Das großartige an dem Ganzen: Es wird nicht ÜBER People of Colour und ihre Erfahrungen geredet, sondern MIT ihnen. Betroffene erzählen höchstpersönlich und zeigen, wie wichtig es ist, die Stimmen aus der Community wahrzunehmen. Aber „Edelweiss“ ist auch ein performativer Dokumentarfilm, der Tanzperformances als weiteren Weg der Kommunikation nutzt. Anna wollte nicht nur ein Medium nutzen, um ihre Message rüberzubringen, sondern auch andere Kommunikationselemente einbringen, die ohne Sprache für jeden verständlich sind.

„I wanted to oversaturate the screen with People of Colour, so dass man einfach nicht wegschauen kann”- eine Aussage von Anna Gaberscik, die die Relevanz von Sichtbarkeit von People of Colour in Kunst und Kultur aufzeigt und wie sie das in ihrem eigenen Film geschaffen hat. Denn historisch gesehen, waren People of Colour, wenn sie in Kunst und Kultur sichtbar waren, vor allem in fetischisierenden und exotisierenden Kontext zu sehen. Im Film wurde oft die Frustration darüber ausgedrückt, dass People of Colour nicht als Teil der österreichischen Gesellschaft anerkannt werden. Es gab eine gemeinsame Empfindung, dass ihre Existenz allein nicht ausreicht und sie mehr beitragen müssen, um akzeptiert zu werden. Jedoch sollte es nicht notwendig sein, etwas zu geben, um als Teil der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Es reicht aus, einfach zu existieren. Eine Sequenz des Filmes, welche sich in meinem Kopf eingeprägt hat, fokussierte sich auf genau diesen Aspekt. Als eine junge Frau im Film gefragt wurde, wie ein Ort ausschaut, indem sie sich wohlfühlt, antwortete sie: „Ein Ort, indem ich leise sein kann und nicht ganze Zeit den Druck verspüre etwas zu sagen“ 

Black Community-Building 

In der nachfolgenden Diskussion, die Michael Okoli moderierte, teilten Anna Gaberscik, Vanessa Spanbauer (Historikerin) und Emmeraude Banda (Black Voices Volksbegehren) ihre Meinungen mit dem Publikum. Ich hörte Emmeraude Banda mit voller Neugier zu und war fasziniert davon, wie viel er mit seinem Volksbegehren, welches sich leider vor ein paar Monaten knapp nicht im Parlament durchsetzen konnte, schon geschaffen hat. Er betonte jedoch, dass das Hearing im Parlament, bei dem er und seine Unterstützer Forderungen für einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus vorbrachten, ihm gezeigt habe, dass trotz bereits geleisteter Aufklärungsarbeit noch viel zu tun sei. Die „unangenehmen“ Gespräche im Parlament haben ihm verdeutlicht, dass die Bekämpfung von Rassismus weiterhin eine große Aufgabe ist. Daraufhin betonte er „Aber nur durch unangenehme Gespräche kommen wir auch weiter“ und betrachtete das Hearing trotz allem als vollen Erfolg. Anna Gaberscik teilte diese Ansicht und erklärte bei der Diskussion, dass Österreich ziemlich weit hinten ist im Kontext von antirassistischer Arbeit.

Jeder sollte seinen Teil in der Bekämpfung gegen Rassismus leisten- vor allem wenn man nicht betroffen ist. Die Vielfalt und Kulturverschmelzung, die in Österreich stattgefunden haben, haben dazu beigetragen, dass es das Land ist, das wir heute kennen. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Idee von Reinheit und Homogenität, auf die sich das Land oft stützt, nicht das ist, was Österreich großartig macht. Stattdessen sind es die Menschen, die hierhergekommen sind und ihre eigenen einzigartigen Perspektiven und Kulturen eingebracht haben, einschließlich People of Colour, die das Land bereichert haben. Es ist wichtig anzuerkennen, dass das Land ohne diese Vielfalt und Kulturverschmelzung nicht dasselbe wäre.

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