Fernbeziehung: Die Beichte

15. Mai 2015

Hass, Liebe oder die Rührung – was fühlt man, wenn man küssende Pärchen auf der Straße sieht und selbst in einer Fernbeziehung lebt? Wie soll man von diesen gerührt sein anstatt den Verstand zu verlieren? Die Geschichte kommt aus eigener Erfahrung. 

Bis zu einem gewissen Punkt bedeutete Fernbeziehung für mich genau nichts. Es hat sich jedoch geändert, wenn ich Zulassung von der Uni Wien bekommen habe. Damals war ich schon seit einem Jahr in einer Beziehung mit meinem Freund. Es war klar, dass die Fernbeziehung zum Life Style wird, weil ich sowohl meinem Traumauslandsstudium nicht absagen, als auch meinem Freund nicht „Tschüss“ sagen konnte.

Jetzt kenne ich den Geschmack der Fernbeziehung schon seit den zwei Jahren. Es ist viel anders, als die Leichtigkeit des Zusagens, mit der wir beide zugestimmt haben, unsere Beziehung zu einer Fernbeziehung umzuwandeln.

Es ist eine verrückte Mischung von Emotionen. Das erste Halbjahr ist als Flitterwochen in der ganzen Liebe vorbei gegangen. Ich habe mich für die neue Stadt, viele interessanten Menschen, Plätze, Bedingungen des Lebens begeistert. Ich wollte, dass meine Liebe das Gefühl von meinem neuen Leben auch teilt, weswegen ich ständig am Handy war. Dadurch habe ich wirklich meinen Alltag notiert: Fotos, was passiert, welche Leute ich getroffen habe, was ich denke, Smiles, Emotionen, Gedichte, Liebesbriefe... Das alles habe ich meinem Freund vermittelt. Kurzum alles war möglich, wenn die andere Hälfte tausend Kilometer von einem entfernt ist. Ich habe mich darüber gewundert, warum die Leute Fernbeziehungen schwierig finden und habe Skype, Whats app, Facebook bewundert.

Die andere Seite der Medaille 

Wenn ich in das alltägliche Leben eingetaucht bin, tauchten alle verborgenen Klippen auf. Manchmal hast du keine Lust auf Skype-Rendezvous, oder sie tun sogar sehr weh, weil du zwar die Person sehr nahe siehst, aber sie nicht umarmen kannst. Du hasst das Leben, das noch vor kurzem bewunderndes Skype und dich selbst, weil du für zu einem solchen Leben Ja gesagt hast. Es ist gut, wenn dein Schatz guten Laune hat und dich trösten kann, sonst hasst du das Leben noch mehr. Du hast noch nie in deinem Leben ein so großes Wunsch gehabt, dass dich alle vergessen, wenn es um Party oder Fortgehen geht. Manchmal weißt du, dass alle diese küssenden Leute dich einfach traurig machen, weil auch du gerne deine andere Hälfte geküsst hättest.

Man kann darüber natürlich viel sprechen und viele Tipps geben. Meiner Meinung nach ist das alles individuell und hängt von der Person ab. Trotzdem habe ich ein Rat, den ich selbst lernen musste und was ich mir nicht erlaubt habe aufzugeben. Trotz schlechter Laune, Missverständnisse, Enttäuschung, die manchmal den Mut sinken lassen, gibt es immer ein schönes festes Gefühl tief im Herz. Das erinnert dich immer an die besten Momente, schöne gemeinsame Situationen, Lächeln und warum du sogar auf Abstand diese Person schätzst und liebst. Du musst immer diesem Gefühl zuhören, weil dieses dir für die „richtige und deine“ Person so viel Stärke gibt, als die längste Strecke in der Welt lang sein kann.

 

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Lidiia Akryshora ist derzeit die Stipendiatin der biber-Akademie. Sie ist ukrainische Journalistin, die seit zwei Jahren in Österreich lebt. Deswegen einfach ein Auge zu drücken, falls ihr den ein oder anderen Fehler in ihren Blogs entdeckt. Aller Anfang ist schwer und ihr seid bestimmt auch keine Profis in Ukrainisch, Russisch und ein bisschen Polnisch oder?

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