Die Zukunftsaufschieber

17. November 2015

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mühe, genervt, lernen, prokrastination
Foto: Daniela Escobar

Deine Zukunft ist voller passionierter Träume, doch dabei bleibt’s dann auch, bei einem Traum? Du bleibst lieber auf der Couch liegen, anstatt deinen Wünschen nachzukommen? Willkommen im Club der Aufschieber! Aus eigener Erfahrung schildere ich meine Strategien, wie man es sich abgewöhnt, Dinge auf die lange Bank zu schieben.

Es ist immer dasselbe Szenario. Du siehst dich unter den Großen, stellst dir vor, wie du an UNO-Konferenzen teilnimmst, die Welt als Fotograf von National Geographic bereist, oder zu dem Autorenteam von The New Yorker gehörst. Doch deine Teilnahme an der Verwirklichung deines Traums beschränkt sich auf das stundenlange Scrollen der Instagram-Bilder deiner Idole, die du als „Inspirationsquellen“ bezeichnest. Damit ist jetzt Schluss. Fünf Punkte sollen dir dabei helfen, deinen Hintern von der Couch zu bewegen und deine Träume zu erfüllen.

NEIN STATT JA

Jeder kennt den Film Der Ja-Sager, der die Menschen dazu animieren sollte, das Leben in vollsten Zügen zu genießen und zu allem „Ja“ zu sagen. Dennoch kann das negativ konnotierte Wörtchen „Nein“ sich in einigen Fällen als viel wichtiger entpuppen. Die allgemeine Menschenschwäche, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die einen mit „rationalen und logischen Ideen“ vollstopfen, kann für einen Traum fatal sein. Unzählige externe Attribute (damit meine ich in erster Linie die Urteile unserer Mitmenschen) scheinen die Macht zu besitzen, unsere Wünsche in den Hintergrund zu schieben und uns zu Taten zu bewegen, die „sinnvoller“ sind. Warum kreatives Schreiben studieren, wenn man auch eine Karriere in Finanzwirtschaft verfolgen kann? Oft hören wir unsere Eltern sagen: „Warum Schauspielerei? Nimm dir doch an der Nachbarstochter Gertrude Beispiel, sie ist jetzt ausgebildete Pädagogin. Ein sicherer Beruf. Mach doch Schauspielpädagogik, damit hast du bestimmt bessere Chancen.“

Jeder von uns hat mindestens einmal in seinem Leben Entscheidungen getroffen, die er selbst nicht unbedingt treffen wollte. Egal, ob der Anlass dafür in der Angst vor elterlichen Enttäuschung oder finanzieller Instabilität wurzelt, eines ist klar: wir wollen immer den einfacheren Weg wählen, um uns potentielle Konfliktsituationen zu ersparen. Wichtig ist zu wissen, dass Menschen einen immer in die vernünftige Richtung drängen werden. Schließlich wollen sie, dass es einem gut geht. Doch wer ein wenig Seelenforschung betreibt, erkennt schnell, ob er zu denjenigen gehört, die nicht so einfach gestrickt sind. Derjenige weiß, dass Vernunft für ihn nicht genug ist. Ich selbst gehöre zu diesen Menschen. Bereits als Kind wusste ich, dass ich schreiben wollte. Trotzdem höre ich bis heute zehnmal am Tag, dass dies im 21. Jahrhundert professionell kaum mehr möglich ist. Doch wer’s besser weiß, hat verstanden, dass die Entscheidung ins kalte Wasser zu springen oft der einzige Weg zum persönlichen Glück ist.

SELBSTBEWUSSTSEIN STÄRKEN

Als ich zum ersten Mal eine Karriere als Schriftstellerin in Erwägung zog, brach ich in Panik aus. Wie soll das gehen? Diese Frage war mein ständiger Begleiter. Ich sagte zu mir: "Okay, das willst du. Aber mal ehrlich, die Wahrscheinlichkeit, dass du mit dem Schreiben von Romanen Geld verdienen wirst, liegt bei minus 10% und, Süße, du bist nicht J.K. Rowling." Ich sah mich schon unter einer Brücke lebend in der Erwartung, dass eine Verlagsagentur wie durch ein Wunder auftaucht und mich aus meiner Misere herausholt. Und ein Zuhause voller Akademiker war auch alles andere als hilfreich. Versuch mal deiner Familie voller Ingenieur-Onkels und Architekten-Tanten zu erklären, dass du dein Leben mit Geschichten Schreiben verdienen willst. Als Reaktion sind WTF-Blicke kaum vermeidbar. Nichtsdestotrotz bist du für dein Leben selbst verantwortlich und nur du kannst wissen, was das Richtige für dich ist. Stell dein Glück an erste Stelle und trete deinen Kritikern mit Selbstbewusstsein entgegen. Wer soll an dich glauben, wenn du es nicht tust?

ES GIBT IMMER „BESSERE“

Eines sollst du wissen: Es gibt immer eine Person, die besser ist als du. Aber du und nur du bist dein größter Konkurrent und nicht die Maja, die jetzt den zehnten Hochschulabschluss in der Tasche hat, bereits ein Praktikum gei Google absolviert und noch dazu vor Kurzem ein Foto mit Ban Ki-moon auf Facebook gepostet hat. Der Erfolg von anderen scheint in der Entscheidung, unsere Träume zu vernachlässigen und eine Bewerbung an eine Traumagentur gar nicht erst abzuschicken, immer ein Faktor zu sein. Nun ja. Es wird immer jemanden geben, der kompetenter, klüger oder schöner ist als du. Doch vielleicht hast du etwas, was die anderen nicht haben? Vielleicht hast du bessere Ideen, mehr Persönlichkeit oder gar schönere Haare? Der einzige Weg dies rauszufinden, ist auf „senden“ zu klicken und sich überraschen zu lassen.

AUCH VERSAGEN GEHÖRT ZUM LEBEN DAZU

Der Moment, an dem ich realisierte, dass ich zu viel Zeit damit vergeudet habe, mir meine Zukunft schönzureden, anstatt mein Leben in die Hand zu nehmen, war auch der Punkt, an dem mir klar wurde, dass vieles schief gehen könnte. Der Hauptgrund dafür, warum wir prokrastinieren, liegt darin, dass wir Angst vor eigenem Versagen haben. Viele Faktoren schließen sich hier mit ein, denn ein Stimmchen scheint im Kopf immer wieder zu flüstern, dass man nicht nur sich selbst, sondern auch alle um einen herum enttäuschen könnte. "Was passiert, wenn ich nie Leistungssportler werde oder wenn ich für eine freie PhD-Stelle unqualifiziert bin?" Einst sagte die berühmte Sci-Fi-Autorin K.M. Weiland folgendes: „Ein Talent, das nie gefruchtet hat, war es nicht wert, gegeben zu werden“. Spätestens dieser Satz soll zu einem Aha-Moment führen. Falscher Umgang mit einer Niederlage kann zur kreativen Stagnation führen. Um besser zu werden, muss man auch mal ins Fettnäpfchen treten können. So läuft’s nun mal im Leben, c’est la vie.

MUT UND POSITIVES DENKEN

Als ich dann plötzlich aus heiterem Himmel meine lang ausgebliebene Lebenserleuchtung hatte (auf gut Deutsch, als sich das Bild, wie ich aus einem Glas Rotwein schlürfe und über mein Leben jammere, lächerlich anfühlte), konnte ich mich der bevorstehenden Zeit widmen und weniger den vergeudeten Jahren nachtrauern. Wichtig ist zu wissen, dass zu allem auch eine gute Portion Glück dazugehört. Hast du den Job nicht bekommen, dann soll’s halt nicht sein. Lass deine früheren missglückten Versuche nicht deinen Traum eingrenzen und traue dich, Dinge zu tun, die du für unmöglich hältst.

Ich kann keine Garantie dafür geben, dass du Erfolg haben wirst. Dies kann dir keiner geben. Es kommt, wie’s kommt. Doch eines kann ich sicher sagen: Egal wie oft du versuchst, deine Leidenschaft mit einer realistischeren und sicheren Zukunft zu ersetzen, der Drang, zu deinem Traum zurückzukehren, kommt früher oder später wie ein Bumerang wieder zu dir zurück.

 

 

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