Heute ist kein Feiertag. Heute ist Kampftag.

08. März 2023

Heute ist kein Feiertag. Heute ist Kampftag, und der ist auch die restlichen 364 Tage im Jahr. Blumen, Schokolade und das Stürzen des Patriarchats? Was gibt es zu feiern?

„Alles gute zum Weltfrauentag!“ Diese Glückwünsche stehen im Betreff von mindestens fünf E-Mails von diversen Onlineshops, die über Nacht in meiner Inbox gelandet sind. In den Texten wird erklärt, wie toll wir Frauen doch sind und dass wir uns auch mal etwas gönnen sollten. Gefolgt von einem -20 Prozent Rabattgutschein für Unterwäsche. Genervt rolle ich meine noch verschlafenen Augen. Diese Werbemaschen zum achten März irritieren mich jedes Jahr aufs Neue, denn der eigentliche Sinn dieses Tages wird komplett missachtet. Es ist nämlich nicht der Weltfrauentag, sondern der Feministische Kampftag.

Heute jährt sich der Feministische Kampftag zum 102. Mal. Zurückzuführen ist der Tag auf Clara Zetkin, die 1910 einen Kampftag forderte, an dem grundlegende Rechte angesprochen werden. Damals war es das Frauenwahlrecht – Heute, 102 Jahre später, dürfen wir zwar wählen, der Kampf geht allerdings noch immer weiter.

Der „Weltfrauentag“ ist ein Scam

Die Schere zwischen dem, für was der feministische Kampftag eigentlich steht und dem, was die Gesellschaft als Weltfrauentag versteht, könnte nicht massiver sein. Soweit ich zurückdenken kann bringen Männer am achten März ihren Ehefrauen und Töchtern kleine Geschenke mit und meinen damit, den Frauen in ihrem Umfeld den nötigen Respekt gezeigt zu haben. Während die Verkaufszahlen für Blumen und Schokolade boomen, bleiben feministische Forderungen jedoch außen vor. Jedes Mal, wenn ich einen lächerlichen Schokoladenausteller sehe, erinnere ich mich an die hunderten vergifteten iranischen Schülerinnen, an die unzähligen Femizide in Österreich und an den sexuellen Missbrauch, der tagtäglich überall auf der Welt stattfindet. Ich denke an all die fehlenden Rechte für Frauen und daran, dass wir von einer Gleichstellung der Geschlechter noch weit entfernt sind.

„Wann ist der internationale Männertag?“

„Wann ist der internationale Männertag?“, Kommentare wie diesen sind jedes Jahr auf Social Media vertreten. Es sind Männer, die den Kampf um Gleichberechtigung als Angriff sehen. Vermutlich liegt es an der eingebürgerten toxischen Männlichkeit, die sich wie ein Virus in die Köpfe mancher Männer eingenistet hat. Es braucht keinen Männertag, denn jeder Tag ist ein Männertag. Selbstverständlich haben auch die Herren der Schöpfung Probleme, wie beispielsweise, dass psychische Erkrankungen bei ihnen nicht ernstgenommen oder belächelt werden. Allerdings ziehen Frauen seit Jahrzehnten immer den Kürzeren. Egal ob auf der Arbeit, in der Gesellschaft oder in der Regierung.

„Am Internationalen Tag der Frau müssen wir uns verpflichten, unsere Sache besser zu machen. Wir müssen diese entsetzlichen Trends umkehren und für das Leben und die Rechte von Frauen und Mädchen eintreten – überall“, so der UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Eigentlich eine gute Aussage, aber ich frage mich mal wieder, wieso nur heute? Es kommt mir so vor als würden Männer in hohen Positionen sich nur an Tagen wie diesen äußern. Das restliche Jahr schweigen sie.

Wir kämpfen 365 Tage im Jahr

Abgesehen davon, was die Gesellschaft aus diesem Kampftag gemacht hat, halte ich ihn auch aus anderen Gründen für kritisch. Ich finde es etwas perfide, dass sich Frauen nur über basic Menschenrechte freuen können – und das nicht mal auf der ganzen Welt. Feministischer Kampftag klingt so, als wäre es ein Feiertag. Ein Tag an dem wir einen Sieg feiern, aber das ist es nicht. Es ist wortwörtlich ein Kampf und der findet auch an den restlichen 364 Tagen im Jahr statt. Täglich stehen wir Frauen für unsere Rechte und das Stürzen des Patriarchats ein. Damit das wirklich gelingt, bräuchte es allerdings mehr als nur den achten März.

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