Hundstage

05. Februar 2015

tito

Tito, Hund, Bulldogge
Foto: Alexandra Stanic

Früher dachte ich immer, dass ein Hund viel Arbeit macht. Jetzt weiß ich, dass es meine Mitmenschen sind, die mir das Leben schwer machen.


"Oh mein Gott, schau dir diesen Pitbull an", mit diesen Worten zerrt eine Frau ihr Kind weg, als ich mit Tito in die U-Bahn steige. "Deswegen muss er auch einen Beißkorb tragen", höre ich sie noch sagen. Ähm, nein, eigentlich nicht. Er muss keinen Beißkorb tragen, weil er ein Pitbull ist und auch nicht, weil er sonst jemanden beißen würde. Er trägt das Ding, das ihn aussehen lässt wie Hannibal, weil ich mich an die Richtlinien der Wiener Linien halte. Anderes Szenario: Tito und ich warten am Bahnsteig auf die S-Bahn, ein Zug fährt vorbei. Tito zuckt nicht einmal mit der Wimper. Eine Frau hinter mir flüstert ihrer Freundin zu: "Jö schau da den oarmen Hund an, der hot ja vui Ongst." Äh, eigentlich auch nicht, nein.

Ich wusste, dass ein Hund viel Arbeit und Geduld verlangt. Ich wusste auch, dass ich mit vielen Vorurteilen rechnen muss.  Aber ich konnte nicht ahnen, wie schwer es mir meine Mitmenschen machen werden. Tito ist oft gar nicht das Problem. Seit Juli lebt er bei meinem Freund Marko und mir. Er ist ein toller Hund, der als Bulldogge von Natur aus etwas sturer ist und deswegen eine konsequente Erziehung braucht. Ich habe ihm sogar einmal einen ganzen Artikel gewidmet, so toll finde ich ihn.

"Du musst die Schnauze in sein Pipi halten"

In der oben genannten Geschichte habe ich schon erwähnt, dass ich ständig Ratschläge von irgendwelchen Leuten bekomme. Vor zwei Wochen waren Marko und ich mit Tito im Wald und sind einer älteren Frau mit vier Hunden begegnet. Ihre Hunde waren nicht gut erzogen und leicht aggressiv, das hat man daran gemerkt, dass einer von ihnen Tito gebissen hat. Von so jemandem Ratschläge anzunehmen... naja, ich weiß nicht. Sie allerdings war anderer Meinung. Eine halbe Stunde hat sie uns erklärt, was wir falsch machen und wieso Tito - „wenn wir so weitermachen“ - zum miserablen Hund wird. #Idontthinkso

Es gibt aber noch eine schlimmere Sorte von Menschen. Viele erlauben sich, Tito zu streicheln ohne vorher zu fragen, ob das okay ist. Eine Message an alle da draußen, die sich dieses Recht einfach entnehmen: Lasst es bleiben. Es ist ein verdammtes No-Go einen fremden Hund ohne die Erlaubnis des Besitzers anzufassen. Nicht nur, weil es einfach irrsinnig unhöflich ist, sondern auch, weil es gefährlich sein könnte. Tito ist zum Glück ein gutmütiger Hund, der so ziemlich alles mit sich machen lässt und noch nie auch nur ansatzweise nach jemandem geschnappt hat.

Aber mir passt es einfach echt nicht in den Kram, wenn ein Wildfremder meinen Hund streichelt. Erstens weiß ich nicht, ob sich dieser Jemand regelmäßig seine Hände wascht (Tito ist ein sehr sauberer Hund!) und zweitens will ich auch nicht, dass Tito glaubt, jeder würde ihn lieben und seine Anwesenheit genießen. Zudem gibt es auch Menschen, die Angst vor Hunden haben oder sie einfach nicht mögen und das respektiere ich. Aber wenn ständig irgendwelche Neunmalklugen auf Tito zugerannt kommen und ihn mit Aufmerksamkeit überschütten, erkennt er irgendwann den Unterschied nicht mehr und geht davon aus, dass ihn jeder streicheln will.

Die strengsten Eltern der Welt

Anfangs habe ich noch verständnisvoll gelächelt und die Streichelattacken geduldet. Mittlerweile bin ich strenger. Ich versuche dann zu erklären, dass wir gerade in einer Erziehungsphase sind oder dass es unhöflich ist, einen fremden Hund ungefragt anzufassen. Ich hätte mitzählen sollen, wie oft ich deswegen blöd angemotzt wurde. Aber ich habe eingesehen, dass ich nicht nur Tito erziehen muss, sondern auch mein Umfeld.

Wenn ich schon beim Thema Erziehung bin. Ich weiß nicht wie oft ich mich schon rechtfertigen musste, warum ich was wie mache. Klar ist: Man kann es keinem Recht machen. Manchmal wirkt es vielleicht streng, wie ich vorgehe. Aber das liegt einfach daran, dass Tito ein fixer Bestandteil unseres Alltags ist und gut erzogen sein muss. Er verreist mit uns, er ist fast täglich in der Redaktion, er kommt mit, wenn wir Freunde oder Familie besuchen - da kann ich es nicht gebrauchen, dass er am Teppich meiner Mutter kaut oder gar nach einem vorbeilaufenden Kleinkind schnappt.

 

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Kommentare

 

Liebe den Blog! Beste Zwischentitel ever. Musste so lachen beim Lesen.

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