Knallharte Krone- und Kurz-Kritik

23. September 2015

Kronen Zeitung, Flüchtlinge, Kurz
Facebook-Screenhot: Kronen Zeitung

Ach, die Kronen Zeitung. Ich glaube, ich könnte jeden Tag einen Blog schreiben, in dem ich einen ihrer Artikel kritisiere. Ich müsste mir gar keine Gedanken zu neuen Ideen machen, die Krone-Redaktion erledigt die Arbeit für mich. Meistens verschone ich mich selbst aber mit dem Nonsense, den sie verzapfen. Heute kann ich aber einfach nicht anders, zu sehr jucken meine Finger. Deswegen habe ich zur Einstimmung meinen Text direkt mit einer Alliteration betitelt, das macht das Boulevardblatt ja auch so gern.

 

Konkret geht es um das gestrige Interview mit Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz. Es hat den Anschein, als wäre der rote Faden des gesamten Gesprächs der gewesen, sich gegenseitig zu pushen und Ängste und Sorgen zu schüren. Den Einstieg macht die Kronen Zeitung ganz classy mit Lob an Kurz: "Sebastian Kurz ist dafür bekannt, dass er sich kein Blatt vor den Mund nimmt.“ Schon hier werde ich stutzig - eine bezahlte Anzeige scheint es nicht zu sein, klingt aber so. Aber mei, halb so schlimm. So richtig mulmig wird mir bei der ersten Frage zumute:

„Der massive Migrationsschub aus einem anderen Kulturkreis wird Europa verändern. Wie sollen wir darauf reagieren?“

Puh. So viel Suggestion und Angstmacherei auf einmal, das ist echt eine Leistung. Kurz' Antwort macht es leider nicht besser:

„Wir befinden uns tatsächlich in einer extrem herausfordernden Situation. All jene, die darauf nur mit Sprechblasen reagieren, machen diese Situation noch schlimmer. Was wir brauchen, ist ein klares und strukturiertes Herangehen an diese Krise.“

Jetzt wäre der Moment gewesen, in dem der Journalist nachhakt. „Herr Kurz, was meinen Sie denn genau?“, hätte er fragen sollen. Denn es ist ziemlich mutig, in einem Atemzug von leeren Worten zu sprechen, andererseits aber selbst nichts zu sagen zu haben. Aber okay, ich habe kein Problem damit, die Arbeit meines Krone-Kollegen zu übernehmen: Also, lieber Außenminister, können Sie ein bisschen genauer darauf eingehen, was klares und strukturiertes Herangehen sein soll?

Ich persönlich denke ja direkt an die vielen freiwilligen Helfer, die mit ihrem Einsatz Klarheit und Struktur in eine chaotische Situation gebracht haben, aber das ist eine andere Geschichte. Statt also nachzufragen, wie es sich eben gehört, wird schon die nächste angstschürende Frage gestellt:

„Haben wir nicht die Grenze der Belastung längst überschritten? Europa wird einfach überrannt.“

Der typische Krone-Leser fühlt sich jetzt wohl bestätigt. Klar, die Kronen Zeitung weiß ja, was ihre Leser lesen wollen. Spätestens bei dieser Frage hätten bei Außenminister Kurz die Alarmglocken läuten sollen:

„Jedenfalls sind jetzt die Schleusen weit offen. Fazit: Sorgen um Sicherheit, Wohlstandsverlust, Integrationsverweigerung.“

So eine zumindest ähnliche Antworten hätte ich mir erwartet:

„Dazu muss klar gesagt werden: Nicht jede Sorge ist berechtigt. Die Flüchtlinge werden uns weder Wohlstandsverlust bringen, noch unsere Sicherheit gefährden. Auch die automatische Annahme von Integrationsverweigerung ist kontraproduktiv. Wir als Außenministerium werden es nicht verabsäumen, die Flüchtlinge bei der Integration zu unterstützen - wir werden beweisen, wie großen Wert wir auf Willkommenskultur legen. Selbstverständlich erwarten uns Hürden, nichtsdestotrotz ist es nicht zielführend, Angst zu schüren. Diese Menschen, die kommen, werden eine Bereicherung für uns sein. Wir müssen ihnen eine faire Chance geben und ihnen ohne jegliche Vorurteile entgegenkommen."

Stattdessen gab es das zu lesen:

„Dazu muss klar gesagt werden: Wir müssen unsere Werte hochhalten. Wer bleiben will, muss die Regeln unseres Zusammenlebens einhalten. Diese Grundwerte sind Rechtsstaatlichkeit oder Gleichstellung von Mann und Frau. Das ist den Menschen aus anderen Kulturkreisen, die zu uns gekommen sind, deutlich zu vermitteln. Das werden wir auch einfordern. Mit denjenigen, die uns dafür kritisieren, werden wir noch viel Diskussionsbedarf haben.“

Dann wird wieder über Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge gesprochen, viele kommen ja gar nicht aus dem syrischen Flüchtlingsgebiet, stellt die Kronen Zeitung klar. Bei diesem Absatz denke ich direkt an die afghanische Familie, die ich in Traiskirchen kennengelernt habe. Nein, aus Syrien stammen sie nicht - trotzdem sind sie nicht aus ökologischen Gründen geflüchtet.

Abgesehen davon, dass quasi alle Fragen suggestiv sind, hätte es Kurz besser machen können. Jeder vernünftige Mensch hätte eingelenkt und diese Panikmache seitens der Krone nicht unterstützt. Die Kronen Zeitung hat nichts anderes getan,  als ihr manipulativen Richtlinien weiter zu verfolgen. Kurz steigt voll darauf ein und gibt der Kronen Zeitung genau das, was sie will. Er spricht einmal auch von Werten, die hochgehalten werden müssen. Irgendwie musste ich während des gesamten Interviews an einen anderen Politiker denken. Na, wer errät, wen ich meine?

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