Meine erste Ballnacht

16. Februar 2015

Ball in der Hofburg

Ball, Hofburg
Foto: Natalija Stojanovic

Große, lange Abendrobe, Hochsteckfrisuren, Pinguinfracks und ganz viel Etepetete – das erwartete mich am Freitag auf meinem ersten Ball in der Hofburg. Meine Erfahrung und Eindrücke möchte ich mit euch teilen.

 

Auf einen Ball zu gehen ist ein typischer Prinzessinnentraum. Das kleine Mädchen träumt von wallenden Ballkleidern, Walzer und einem Prinzen in schwarzer Robe. Man stellt sich vor wie man zum Tanz aufgefordert wird, Champagner aus teuren Kristallgefäßen trinkt und kleine Häppchen degustiert. Wie alle mit gehobenem Haupt durch die Ballsäle schreiten und man einen Knicks vor jedem Herren macht.

Zu viel Proletariat

Ich möchte anmerken, dass man sich als Student einen Ball eigentlich nicht leisten kann. Der Bau- und Immobilienball, den ich besucht habe, war eine geldbörselfreundliche Variante. Wie ich mir sagen ließ, würde der Einlasspreis von 5 Euro auch viel „Proleten“ anziehen. Tatsächlich wurde mein Bild über Damen in teuren, funkelnden Ballkleider zerstört. Es waren eher Kleider, die ich nicht mal für 5 Euro anziehen würde. Walzer getanzt habe ich auch keinen. Auch kein Prinz in schwarzer Robe hat mich zum Tanz aufgefordert. Ich habe auch keinen Champagner getrunken, sondern Bier. Das Einzige traditionelle an diesem Ball war die Mitternachtsquadrille. Aber auch die hat mich enttäuscht. Ich als Balljungfrau war völlig überfordert von dem älteren Herren neben mir, der mir ständig zuschrie: „Handkette! Englische Kette! Handkreis!“

Ball, Hofburg
Foto: Natalija Stojanovic

Gehobenes Gesaufe

Ich kann nicht verschweigen, dass trotzdem die meisten Besucher sehr edel aussahen. Und die Kulisse der Hofburg ist sicher an Eleganz schwer zu toppen. Aber die schicken Damen aßen keine Kaviarhäppchen. Sie stopften sich gediegen Wienerwürstchen rein und löffelten Gulaschsuppe.

In der „Disco“ kam dann der größte Kulturschock auf mich zu. Frauen mittleren Alters, barfuß, betrunken, singen und tanzen zu „Aber bitte mit Sahne“. Dieses Lied habe ich das letze Mal auf der Apres-Ski-Party auf dem Berg gehört. Und nicht mal da haben die Leute es so gefeiert, wie in der Hofburg.  

Prinzessinnen und Ramsch

Obwohl viele meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, wie mir meine Freunde eh schon vorher erklärt haben, bin ich froh, meinen ersten Ball erlebt zu haben. Trotz Gulaschsuppe und Ramschkleidern war es ein schöner Abend. Und ich hätte wohl bis heute nicht gewusst, was eine Mitternachtsquadrille ist geschweige denn eine Englische Kette. Oder die Möglichkeit gehabt mich für eine Veranstaltung stundenlang zu verwandeln, um dem Prinzessinnentraum aus der Kindheit ein Stück näher zu kommen.

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Banan
von Banan Sakbani   „Fühlst du dich...
Afrika, Tage, Umfrage
Es riecht nach äthiopischem Essen. Im...
Foto vom Autor
Jad Turjman   Liebe Leser:innen, in...

Anmelden & Mitreden

2 + 1 =
Bitte löse die Rechnung