Newroz pîroz be!*

21. März 2023

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©unsplash licence Image by: Levi Meir Clancy

„Ein neuer Tag.“ Das ist die wörtliche Übersetzung von Newroz, welches heute, am 21. März von mehr als 300 Millionen Menschen Rund um den Globus gefeiert wird.

Aber was ist Newroz überhaupt und wo wird es gefeiert? 

Newroz ist ein Frühlings- beziehungsweise Neujahrsfest, welches aus dem kurdischen Widerstandsgeistes entstanden ist und diesen bis heute noch symbolisiert. In vielen Ländern des Mittleren Ostens, Kurdistan und dem Kaukasus beginnt mit dem 21. März das neue Jahr und der Frühling. Das geschieht, wenn die „Aries Season“ einschlägt, also die Sonne in das Tierkreiszeichen des Widders eintritt. Als eines der ältesten Feste, wird Newroz seit mehr als 2.600 Jahren gefeiert.

Ein Tyrann, Lagerfeuer und Knoblauch

Der Widerstandscharakter des Festes lässt sich auf die Ursprungslegende zurückführen. Hier geht es laut einer Geschichte des iranischen Dichters Firdausi um den kurdischen Schmied Kawa, der das kurdische Volk von einem grausamen Herrscher namens Dehok befreit hat. Nachdem er den Tyrannen besiegt und getötet hatte, entzündete er auf einem Berggipfel ein Siegesfeuer. Dieses Feuer steht für „Einen neuen Tag“ also im kurdischen „Newroz“. 

Das Feuer bildet außerdem eine der Traditionen des Neujahresfestes. „Tschahar Schanbe Suri“ ist die Bezeichnung eines iranischen Festes, welches am letzten Mittwoch vor Nouruz (persisch für Newroz) gefeiert wird. Beim Ritual werden mehrere Lagerfeuer entzündet, wo die Menschen drüber springen um das Alte hinter sich zu lassen und das Neue im neuen Jahr zu begrüßen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Zubereitung des Haft Sin, auch „Sieben S“ genannt. Hier werden sieben Gegenstände, die im persischen mit „S“ beginnen, mit einem Spiegel auf einen Tisch gestellt. Ein Beispiel wäre zum Beispiel Knoblauch, im persischen auch „Sir“ genannt. „Sir“ symbolisiert Schutz für das neue Jahr. Ein weiterer Gegenstand wäre ein Apfel, auch „Sib“ genannt, was in der Tradition für Schönheit und Gesundheit stehen kann.

Abgesehen von den Traditionen wird wie bei fast jedem Fest viel getanzt, gegessen und gefeiert. Vor zirka 5 Jahren haben mich meine Eltern auf das Newroz-Fest in Frankfurt mitgenommen. Das Fest bestand aus Livemusik von kurdischen Sänger*innen, Tänzen wie dem traditionellen Halay-Tanz und politischen Reden. Zu Beginn fand ich alles etwas befremdlich. Meine Eltern hatten mir nur grob erklärt, was das Newroz Fest ist, und verstanden hatte ich es damals nicht wirklich. Das war auch der Grund, warum ich mich eher zurückgezogen hatte und kaum abwarten konnte, bis wir wieder gehen. Mit meinem heutigen Wissen über das Fest und die Geschichte dahinter, sieht das aber anders aus. Das Fest symbolisiert kurdischen Widerstand und Autonomität. Besonders deswegen ist es für viele Kurd:innen leider schwierig das Fest öffentlich zu feiern.

Das Newroz Verbot 

Eine autonome kurdische Region ist der Traum von vielen Kurd:innen, aber gleichzeitig auch der Alptraum der türkischen Regierung. Newroz wird von vielen Menschen der kurdischen Bevölkerung genutzt, um auf ihre unterdrückte Situation im Land aufmerksam zu machen.

Das war der Grund, warum das Fest bis Ende der 1990er Jahre in der Türkei verboten war. Doch auch während dem Verbot feierten viele Kurd:innen ihre Identität im Land und riskierten Verhaftungen und teilweise ihr Leben, da türkische Sicherheitskräfte das Verbot durchsetzen wollten. Im Jahr 2000 wurde das Verbot aufgehoben. Jedoch versucht die türkische Regierung bis heute, das Fest in eine terroristische Ecke zu stellen. Auf Grund der Erdbebenkatastrophe in Teilen der Türkei, Kurdistan und Syrien und der fehlenden Hilfe besonders in den kurdisch dominierten Regionen, sind Demonstrationen und Kundgebungen im Zusammenhang mit dem Feiertag aber besonders wichtig.

Jedem, der den heutigen Tag feiert, wünsche ich: Newroz pîroz be!* (Frohes Newroz-Fest auf kurdisch).

 

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