Queere, arabische Musiker*innen, die ihr kennen solltet

29. Oktober 2021

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Foto: Anna Shvets/Pexels.com

Als arabische, queere Person fühlt es sich schnell so an, als hätte man nicht wirklich einen Platz in der Welt. Als wäre man mit seiner Identität allein. Zumindest ist das bei mir so. Als irakische, nicht-heterosexuelle Frau, habe ich mich in meinem Leben schon oft missverstanden und vor allem einsam gefühlt.

Es fehlt einfach an medialer Repräsentation von Menschen, mit denen ich mich identifizieren kann. Das war früher so, und das ist auch heute noch so. In den letzten Jahren habe ich mich deshalb auf die Suche gemacht, nach Musiker*innen, die mir das Gefühl geben weniger allein zu sein – und ich bin fündig geworden.

Hier meine fünf liebsten arabischen LGBTQ+ Acts:

 

1. Bashar Murad

Selbstreflektierte, feministische Musik, die Geschlechterrollen aufbricht und toxische Maskulinität hinterfragt? Wenn euch der bloße Gedanke daran auch so begeistert wie mich… Leute, dann habe ich verdammt gute Nachrichten für euch.

Der offen schwule, palästinensische Sänger Bashar Murad schreibt kritische Lieder, in denen er über Männlichkeit, Queerness und den Nahostkonflikt reflektiert. Das Ganze verpackt er in eingängigen Pop-Songs und ästhetischen Musikvideos, die Lust auf mehr machen.

 

2. Dua Saleh

Dua Saleh, auch bekannt aus der dritten Staffel „Sex Education“, lässt sich weder von Rollenbildern noch von Musik-Genres einschränken. Als nicht-binäre Person scheißt Saleh auf gesellschaftlich auferlegte Normvorstellungen und bricht mit der Idee, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Auch die Musik lässt sich in keine feste Kategorie einordnen. Während man Duas Lieder am ehesten noch als einen Mix aus RnB und Rap verstehen kann, faszinieren sie durch einen äußerst einzigartigen, alternativen Stil.

Dua ist ursprünglich aus dem Sudan, lebt aber schon seit Kindesalter in den USA, und singt deshalb fast ausschließlich auf Englisch. Die Texte behandeln Duas Beziehungen, Sexualität und Struggles als Schwarze genderqueere Person.

 

3. Khansa

Aufsehen erregte der libanesische Sänger anfangs durch seinen Bauchtanz. Mit seinen Auftritten als schwuler, männlicher Tänzer brach er bewusst mit Tabus und kleinkarierten Vorstellungen über Männlichkeit.

Seinen Durchbruch schaffte er als Sänger mit seinem Lied „Khayef“ und dem Musikvideo dazu. Das Lied ist eine moderne Neuinterpretation eines gleichnamigen ägyptischen Klassikers. In Khansas Interpretation thematisiert der Song die Schwierigkeiten, die queere, arabische Jugendliche haben. Er singt von der Angst sich seinen Mitmenschen zu offenbaren, und für seine Wahrheit verstoßen zu werden. Im Musikvideo bricht er mit dem Macho-Klischee – mit traditionellem Rock bewegt er sich mit anderen Künstler*innen zu modernen, arabischen Beats. Bauchtanz darf auch hier natürlich nicht fehlen.

 

4. Haya Zaatry

Die palästinensische Musikerin und Architektin Haya Zaatry singt zu ruhigen, stimmigen Akustikmelodien, die sie auf ihrer Gitarre spielt. In ihren Liedern geht es vor allem um Freiheit, Geschlecht, Sexualität und den palästinensischen Kampf für Unabhängigkeit und ein Ende der israelischen Besatzung. Sie verbindet ihr kreatives Schaffen häufig mit Aktivismus und versucht Ungerechtigkeiten zu hinterfragen.

Ihren Instagram-Followern teilt sie mit: „Der palästinensische Kampf ist ein indigener, feministischer und queerer Kampf gegen Besatzung, Unterdrückung und ethnische Säuberung.“ Dieser Aussage bleibt sie auch in ihrer Musik stehts treu.

 

5. Mashrou‘ Laila

Die vierköpfige, libanesische Band, mit homosexuellem Frontsänger, hat mit ihren Texten und Auftritten schon für viel Aufregung und Wirbel gesorgt. Privat, aber auch mithilfe ihrer Kunst, positionieren sie sich kritisch gegenüber korrupten libanesischen Politiker*innen und sprechen unterdrückten Gruppen wie der LGBTQ+ Community ihre Solidarität aus.

Während einem ihrer Auftritte im Jahr 2010, zieht Frontsänger Hamed Sinno eine Regenbogenflagge hervor und wird dadurch zum ersten Künstler Libanons, der öffentlich die Regenbogenflagge schwenkt. Damit schreibt die Band arabische LGBTQ+ Geschichte, und setzt ein notwendiges Zeichen für Akzeptanz und Solidarität.

 

Viel Spaß beim Hören! 

 

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