Sehnsucht nach der Heimat

29. September 2017

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Balkangebrige
Das Balkangebirge in Bulgarien; Foto: Mila Peneva

Mamas Speisen, alte Freunde und die wunderschöne Atmosphäre in der Stadt Plovdiv! Warum ich mich so sehr nach Bulgarien zurücksehne.

Die Sonne strahlt durch das kleine Fenster des wackelnden Busses hinein und weckt mich. Ich stehe langsam auf, reibe mir die Augen. Durch das Fenster erblicke ich ein wunderschönes Naturschauspiel: große Hügel, bedeckt mit grünen Nadelbäumen. Die sanften Hügel gehen in eine weite Ebene über. Ich sehe ein grünes Feld und Gebirge in der Ferne. Der Bus nähert sich der Grenze. Bald werde ich zu Hause sein.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, wie ich mich jetzt fühle. Ich zähle an meinen Fingern die Monate ab, seit denen ich zuletzt in meiner Heimat war. „Eins, zwei, drei“ – ich zähle bis sechs. Ein halbes Jahr also war ich nicht mehr in Bulgarien, bis jetzt die längste Periode für mich. Obwohl ich nicht so oft Heimweh empfinde, freue ich mich immer riesig nach Hause zu fahren. Es gibt gewisse Dinge, die ich hier in Österreich vermisse.

 

Stausee Kardzhali
Der Stausee "Kardzhali" in Bulgarien; Foto: Mila Peneva

Gegen ein Uhr fährt der Bus in die Station ein. Ich sehe in der Ferne einen Mann mit einer komischen Mütze auf dem Kopf, der mir zuwinkt. Mein Vater. Er ist gekommen, um mich abzuholen. Zuhause wartet meine Mutter, die speziell für meinen Besuch traditionelle bulgarische Gerichte zubereitet hat. Ich rieche ihre Köstlichkeiten noch vor der Eingangstür. Das ist eine der Sachen, die ich zu Hause vermisse: die Mama-Spezialitäten. Ich kann es kaum warten einen Löffel von der wunderbaren Bohnensuppe zu probieren, oder ein Stück Banitsa zu kosten. Banitsa ist ein traditionelles Gebäck aus Blätterteig. Meine Mutter macht sie rund, mit Käse gefüllt und speziell für mich – geröstet. Neben der warmen Banitsa liegen noch bulgarische gefüllte Paprika wie auch einige Salatsorten auf dem Tisch. Es ist für alle gesorgt.

 

Nach der Schule ein kaltes Bier

Es sind natürlich nicht nur die Spezialitäten meiner Mutter, die ich so sehr vermisst habe. Kurz nach dem Familienessen klingelt mein Handy: „Hallo… und was machst du heute?“ – höre ich eine bekannte Stimme fragen. Meine beste Freundin aus der Grundschule, die zehn Minuten entfernt von meinem Haus wohnt, ruft mich an. Ich ziehe mir schnell Jeans und die alten Skaterschuhe an und besuche sie. Natürlich reicht uns ein Tag nicht, um über alles zu sprechen. Die Zeit vergeht so schnell. Nicht nur mit ihr, sondern mit allen Freunden, die ich die nächsten Tage treffe. Es gibt nie genug  Zeit für tiefe Gespräche, für die langen Spaziergänge, die wir in der Stadt machen. Und die Stadt!? Ach, Plovdiv! Das ist die dritte Sache, die ich in meinem Heimatland vermisse.

 

Plovdiv
Meine Lieblingsstadt Plovdiv und ich; Fotos: Mila Peneva

Plovdiv kennen hier viele Leser nicht – die wunderschöne Kulturstadt mit den sechs Hügeln. Sie ist die zweitgrößte Stadt und eine meiner Lieblingsstädte in Bulgarien. Ich liebe es, in der Stadt zu bummeln und im Ambiente ihrer alten Gebäuden und langen Straßen zu schwelgen. Das erinnert mich an meine Schulzeit. Ich gehe am Bahnhof vorbei und erinnere mich, wie ich jeden Tag zur Haltestelle gelaufen bin, um den Bus zur Schule nicht zu verpassen. Ich besuche den Stadtgarten und besinne mich auf die Zeiten, in denen wir hier bis spät verbracht haben. Unten sehe ich noch das Lokal, in dem wir nach der Schule Bier getrunken haben. Es sind aber nicht die Orte, sondern die Menschen, die diese Erinnerungen schön machen.

 

Meine Freunde und ich
Meine Freunde und ich! Foto: Mila Peneva

Und schon sitze ich wieder im Bus, auf dem Weg nach Wien. Ich sehe, wie Plovdiv immer weiter aus meinem Blickfeld verschwindet. Ich vermisse jetzt schon die Atmosphäre der Stadt und die Spezialitäten meiner Mutter zu Hause. Aber wonach sehne ich mich wirklich dort? Jede Reise nach Bulgarien erinnert mich an meine fröhliche und sorgenfreie Kindheit und an alle schöne Momente, die ich hier erlebt habe. Es sind nicht die Orte in Bulgarien, die ich vermisse. Es sind die Menschen und die Erinnerungen mit ihnen. Sie bringen mich immer wieder zurück.

 

 

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